Online-Firmen DGB warnt vor neuen Modellen der Ausbeutung

Die Taxi-App Uber oder Anbieter von Haushaltshilfen im Internet - der Deutsche Gewerkschaftsbund prangert im SPIEGEL neue Geschäftsmodelle an und bezeichnet sie als moderne Sklaverei.

Handy-Apps "Uber" und "Taxi Berlin": "Schnelles Geld verdienen"
DPA

Handy-Apps "Uber" und "Taxi Berlin": "Schnelles Geld verdienen"


Berlin - Tauschen und Teilen ist das Prinzip der Share-Economy. Doch was sich gut anhört, könnte nach Ansicht des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) Arbeitnehmerrechte gefährden. "Das sind nicht neue Modelle der Ökonomie, sondern neue Formen der Ausbeutung", sagte DGB-Chef Reiner Hoffmann dem SPIEGEL. Bei vielen dieser Angebote, etwa der Nutzung von Privatwagen als Ersatz für das Taxi, gehe es eher darum, "dass vor allem die Vermittler dauerhaft schnelles Geld bei Umgehung aller Vorschriften verdienen".

Der DGB-Chef kritisierte heftig elektronische Angebote wie die umstrittene Taxi-App Uber oder Anbieter von Haushaltshilfen. Statt regulärer Jobs würden auf solchen Plattformen häufig neue Formen prekärer Solo-Selbstständigkeit entstehen. "Das ist doch moderne Sklaverei", sagte Hoffmann. "Die Politik muss dafür sorgen, dass Kündigungsschutz, Mindestlöhne, Arbeitsschutz und Arbeitszeitregeln auch für die neuen digitalen Angebote gelten."

Auch Brigitte Zypries (SPD), Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium, ist besorgt. "Im Silicon Valley herrscht eine Goldgräberstimmung, und die Share-Economy wird nur positiv gesehen. Die sozialen Folgen werden ausgeblendet", sagte Zypries im SPIEGEL. Am Ende dürften nicht Staat und Gesellschaft die Verlierer sein. Deshalb müsse die ordnungsgemäße Versteuerung der Einnahmen sichergestellt werden. "Und wir müssen dringend die Haftungs- beziehungsweise Versicherungsfragen klären", sagt Zypries.

Trotz der kontroversen Diskussion um die Internetplattformen versuchen auch klassische Konzerne Anschluss zu halten. So führt Volkswagen derzeit Gespräche mit dem deutschem Start-up-Unternehmen WunderCar über eine mögliche Beteiligung. Die Hamburger Firma bietet über eine App die Vermittlung von Mitfahrgelegenheiten in Privatautos innerhalb der Stadt an.

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insgesamt 16 Beiträge
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Achmuth_I 17.08.2014
1. Ich sehe das Problem nicht wirkllich...
...es ist ganz einfach zu regeln, dass sich alle Anbieter inkl. Uber an bestehende Regeln zu halten haben. Das heißt wer gewerblich Personen befördert hat sich an die Vorgaben zu halten - Versicherungsbedingungen, Mindestlohn, uswusf... Dann ist es egal ob auf dem Auto ein leuchtendes Taxischild angebracht ist oder nicht.
hermannheester 17.08.2014
2. Die Grenzen der Scheinselbständigkeit
Zitat von sysopDPADie Taxi-App Uber oder Anbieter von Haushaltshilfen im Internet - der Deutsche Gewerkschaftsbund prangert im SPIEGEL neue Geschäftsmodelle an und bezeichnet sie als moderne Sklaverei. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/uber-und-andere-dgb-warnt-vor-moderner-sklaverei-a-986545.html
Diese Grenzen sollten nicht allein bei Werkverträgen sondern auch bei immer neuen Sharing-Angeboten im internet genauestens geprüft werden! Wer eine solche Vermittlung von meist Dienstleistungen anbietet, sollte auch gewahr sein, dass sein Geschäftsmodell gründlich durchleuchtet und auch von Juristen des Arbeits- und Verbraucherschutzes bis ins Detail geprüft werden.
Wellness 17.08.2014
3. Nicht ohne Folgen
Es herrscht nicht nur Goldgräberstimmung in Silicon Valley.Es gibt viele Kritiker bis zu Mandatsträger in den Kommunen die das treiben dieser Paralellwirtschaft gegenüber der Klassischen Industrie mit Sorge sehen.Den die neu zu schaffendenen Arbeitsplätze bringen kaum was ein und hinterlassen Löcher in den Kassen.
cato-der-ältere 17.08.2014
4. Es wird Zeit dass da mal hingeschaut wird.
Freelancer für Grafik und Programmierung werden durch Dumping-Job-Portale ausgebeutet. Viele andere freie Dienstleister ebenfalls. Es kann doch nicht sein dass ein paar oberschlaue Abzocker sich da bereichern und ganze Berufsgruppen ins Prekariat schicken.
carranza 17.08.2014
5. Taxi- und insbesondere ÖPNV-Preise sind sehr hoch
Dazu dauert es mit dem ÖPNV gerade in Mitteleuropa dank mehrmaligen Umsteigens und sehr geringer Takte häufig Stunden, um Strecken zu überwinden, die man mit dem Auto in weitaus weniger als einer Stunde bewältigt. Da ist so eine Mitfahrapp sicher nicht verkehrt, um diese Lücke zu schließen, nachdem die bereits etablierten Untermehmen es jahrelang versäumt haben. Allerdings geht es gar nicht, dass nur die Firmen, die die Apps bereitstellen daran verdienen. Den Fahrern gebührt auch ein Anteil, ähnlich wie es bereits bei den Mitfahrzentralen lange schon geregelt ist.
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