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11. September 2012, 20:08 Uhr

UBS-Steueraffäre

Whistleblower erhält Rekordbelohnung

Gerade aus der Haft entlassen und schon um 104 Millionen Dollar reicher: Der Ex-Banker Bradley Birkenfeld hat Informationen über die Schweizer Großbank UBS im Steuerhinterziehungs-Skandal an die USA geliefert - und dafür jetzt eine Rekordsumme erhalten.

Washington - Seine Informationen haben die Schweizer Bankenwelt erschüttert. Bradley Birkenfeld, der die Großbank UBS wegen ihrer Steuerpraktiken in den USA angeschwärzt hatte, ist um 104 Millionen Dollar reicher, wie die Organisation National Whistleblower Center mitteilte. Das Geld ist sein Anteil an den Millionen von Dollar, die der amerikanische Fiskus dank seiner Informationen eintreiben konnte, hieß es.

Bei der Belohnung handelt es sich womöglich um die höchste Summe, die jemals ein Tippgeber in den Vereinigten Staaten erhalten habe, erklärten die Anwälte von Birkenfeld. Er erhält die 104 Millionen Dollar aus dem sogenannten Whistleblower-Programm des Internal Revenue Service (IRS). Mit der Zahlung sollen Tippgeber ermutigt werden, sagte eine Sprecherin der Behörde.

Birkenfeld hatte seinen Arbeitgeber im Jahr 2007 ans Messer geliefert und damit einen Skandal ausgelöst, der bis heute die Beziehungen zwischen der Schweiz und den USA belastet. Der zentrale Vorwurf: Banker der UBS haben reichen Amerikanern systematisch dabei geholfen, ihre Vermögen vor dem US-Fiskus zu verbergen. Seine Rolle in der Affäre hatte er allerdings verschwiegen.

Der Kronzeuge in der UBS-Steueraffäre war im August 2009 zu einer Haftstrafe von 40 Monaten verurteilt worden. Er hatte dem Milliardär und Immobilienhändler Igor Olenicoff dabei geholfen, rund 200 Millionen Dollar an der US-Steuerbehörde vorbei auf Konten in der Schweiz und in Liechtenstein zu verstecken. Birkenfeld kam nach 31 Monaten Haft am 1. August 2012 frei.

Die UBS zahlte 2009 im Rahmen eines Vergleichs 780 Millionen Dollar an die Vereinigten Staaten. Zudem sollte die Bank Tausende Konten offenlegen - dies sorgte für erheblichen Zwist mit der Schweiz, die ihr Bankgeheimnis bedroht sah. Mit dem Einverständnis der Schweizer Behörden gab die UBS die Namen von rund 4500 mutmaßlichen amerikanischen Steuersündern heraus.

Derzeit stehen elf weitere Schweizer Banken - darunter Credit Suisse, Julius Bär und die Kantonalbanken von Basel und Zürich - im Visier des IRS. Bislang haben die Geldhäuser noch keine Kundennamen genannt - auch eine mögliche Strafe steht noch nicht fest.

Anfang des Jahres löste sich sogar das älteste Geldhaus der Schweiz selbst auf, als US-Staatsanwälte drei Kundenberatern Beihilfe zur Steuerhinterziehung vorwarfen. Die Führung der 1741 gegründeten Privatbank Wegelin & Co. sah darin eine existenzielle Bedrohung und verkaufte den Großteil des Geschäfts.

lei/dpa/Reuters

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