UBS-Steueraffäre: Whistleblower erhält Rekordbelohnung

Gerade aus der Haft entlassen und schon um 104 Millionen Dollar reicher: Der Ex-Banker Bradley Birkenfeld hat Informationen über die Schweizer Großbank UBS im Steuerhinterziehungs-Skandal an die USA geliefert - und dafür jetzt eine Rekordsumme erhalten.

Ex-Banker Bradley Birkenfeld (2009): Seine Informationen sind 104 Millionen Dollar wert Zur Großansicht
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Ex-Banker Bradley Birkenfeld (2009): Seine Informationen sind 104 Millionen Dollar wert

Washington - Seine Informationen haben die Schweizer Bankenwelt erschüttert. Bradley Birkenfeld, der die Großbank UBS wegen ihrer Steuerpraktiken in den USA angeschwärzt hatte, ist um 104 Millionen Dollar reicher, wie die Organisation National Whistleblower Center mitteilte. Das Geld ist sein Anteil an den Millionen von Dollar, die der amerikanische Fiskus dank seiner Informationen eintreiben konnte, hieß es.

Bei der Belohnung handelt es sich womöglich um die höchste Summe, die jemals ein Tippgeber in den Vereinigten Staaten erhalten habe, erklärten die Anwälte von Birkenfeld. Er erhält die 104 Millionen Dollar aus dem sogenannten Whistleblower-Programm des Internal Revenue Service (IRS). Mit der Zahlung sollen Tippgeber ermutigt werden, sagte eine Sprecherin der Behörde.

Birkenfeld hatte seinen Arbeitgeber im Jahr 2007 ans Messer geliefert und damit einen Skandal ausgelöst, der bis heute die Beziehungen zwischen der Schweiz und den USA belastet. Der zentrale Vorwurf: Banker der UBS haben reichen Amerikanern systematisch dabei geholfen, ihre Vermögen vor dem US-Fiskus zu verbergen. Seine Rolle in der Affäre hatte er allerdings verschwiegen.

Der Kronzeuge in der UBS-Steueraffäre war im August 2009 zu einer Haftstrafe von 40 Monaten verurteilt worden. Er hatte dem Milliardär und Immobilienhändler Igor Olenicoff dabei geholfen, rund 200 Millionen Dollar an der US-Steuerbehörde vorbei auf Konten in der Schweiz und in Liechtenstein zu verstecken. Birkenfeld kam nach 31 Monaten Haft am 1. August 2012 frei.

Die UBS zahlte 2009 im Rahmen eines Vergleichs 780 Millionen Dollar an die Vereinigten Staaten. Zudem sollte die Bank Tausende Konten offenlegen - dies sorgte für erheblichen Zwist mit der Schweiz, die ihr Bankgeheimnis bedroht sah. Mit dem Einverständnis der Schweizer Behörden gab die UBS die Namen von rund 4500 mutmaßlichen amerikanischen Steuersündern heraus.

Derzeit stehen elf weitere Schweizer Banken - darunter Credit Suisse, Julius Bär und die Kantonalbanken von Basel und Zürich - im Visier des IRS. Bislang haben die Geldhäuser noch keine Kundennamen genannt - auch eine mögliche Strafe steht noch nicht fest.

Anfang des Jahres löste sich sogar das älteste Geldhaus der Schweiz selbst auf, als US-Staatsanwälte drei Kundenberatern Beihilfe zur Steuerhinterziehung vorwarfen. Die Führung der 1741 gegründeten Privatbank Wegelin & Co. sah darin eine existenzielle Bedrohung und verkaufte den Großteil des Geschäfts.

lei/dpa/Reuters

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insgesamt 48 Beiträge
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1. Die Amis zahlen besser ...
harringer 11.09.2012
und bei uns wird diskutiert, ob man diese Daten kaufen darf.
2. US Boys
belohorizonte 11.09.2012
Mir scheint, die US Boys bekaempfen ihre kriminellen Strukturen ohne jegliche Parteipolitik. Respekt... So falsch kann die SPD nicht liegen.
3. Als Schweizer...
5michael5 11.09.2012
kann ich nur noch mit dem Kopf schütteln (schon zu lange). Wir hätten hier echt mehr drauf, als unsere Nachbarn zu bestehlen. Nun, das werden wir mit Sicherheit bald beweisen müssen. Innovation ohne kriminellen Input, dafür mutig und kreativ.
4. Wie passend ...
cgonline 11.09.2012
... dass dieser neureiche Mann ebenfalls Bradley mit Vornamen heisst, genauso wie Bradley Manning, der als amerikanischer Whistleblower wahrscheinlich zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt wird. Ein schönes Beispiel wie in der Welt mit zweierlei Maß gemessen wird oder die Argumentation zum Thema Rechtmäßigkeit so gedreht wird wie es gerade passt, besonders wenn es um die Kohle geht...
5. bezahlen oder wegsperren
elizar 11.09.2012
den einen stellt man vor ein kriegsgericht, den anderen macht man steinreich. willkommen in amerika! man biegt´s sich immer so zurecht, wie man es braucht ...
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