Kampf gegen Übergewicht: Britische Ärzte fordern Limo-Steuer

Mediziner in Großbritannien schlagen Alarm: Um die "Fettsucht-Krise" im Vereinten Königreich zu überwinden, fordern sie von der Politik radikale Maßnahmen. Unter anderem solle eine 20-Prozent-Steuer auf Softdrinks erhoben werden.

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Übergewichtiger in London: "Schluss mit dem fetten Mann Europas"

London - Eine Vereinigung britischer Ärzte fordert von der Politik radikale Maßnahmen im Kampf gegen das Übergewicht. Die Academy of Medical Royal Colleges spricht sich für ein Einschreiten der Regierung aus, bevor die "Übergewichtskrise" des Landes außer Kontrolle gerate. Unter anderem fordern die Mediziner, zuckerhaltige Softdrinks zu besteuern und die Zahl von Fast-Food-Restaurants in der Nähe von Schulen zu begrenzen.

Britische Medien wie "Guardian" und BBC berichteten am Montag ausführlich über die Forderungen der Mediziner. In Großbritannien ist jeder vierte Erwachsene fettleibig. Bis 2050 könnte die Zahl auf 60 Prozent der Männer und 50 Prozent der Frauen steigen.

Als unbestritten gilt, dass Übergewicht das Risiko für Diabetes, Herz-Kreislauf-Krankheiten, Krebs und Nierenkrankheiten erhöht. Studien zeigen, dass sich in jungen Jahren erworbene überzählige Kilos nur schwer wieder loswerden lassen: Dicke Kinder entwickeln sich häufig zu dicken Erwachsenen.

Die Vereinigung der britischen Ärzte warnt, Großbritannien dürfe nicht "der fette Mann Europas" bleiben. Politiker, Unternehmen und Eltern müssten jetzt zusammenarbeiten, um den Teufelskreis zu durchbrechen, dass "Generation nach Generation wegen Übergewicht krank wird oder stirbt". Die bisherigen Maßnahmen der Regierung beschreiben die Mediziner als wenig systematisch und "enttäuschend ineffektiv".

Daher schlagen die britischen Ärzte diverse Schritte vor:

  • Auf zuckerhaltige Softdrinks soll probeweise für ein Jahr eine Steuer von 20 Prozent gelten. Ähnliche Steuern wurden in jüngster Zeit in Teilen der USA beschlossen. Die zusätzlichen Einnahmen werden auf bis zu eine Milliarde Pfund geschätzt, sie könnten in Programme zur Bekämpfung von Übergewicht fließen.
  • Kommunen sollen die Zahl von Fast-Food-Restaurants im Umfeld von Schulen, Hochschulen, Freizeitzentren und anderen Treffpunkten von Kindern und Jugendlichen begrenzen dürfen.
  • Vertreter des britischen Gesundheitssystems NHS sollen übergewichtigen Patienten bei jedem Termin Beratung und Hilfe zu ihren Ess- und Sportgewohnheiten anbieten.
  • Das NHS soll in den kommenden drei Jahren mindestens 300 Millionen Pfund zusätzlich in Programme zur Gewichtskontrolle stecken.
  • Für schwer übergewichtige Patienten sollen mehr Operationen zur Magenverkleinerung angeboten werden, um die Gefahr von Todesfällen zu reduzieren. Derzeit gibt es etwa 8000 Operationen pro Jahr.
  • Für Essen in Krankenhäusern sollen dieselben Nährwertstandards gelten wie bereits in britischen Schulen. Auf Krankenhausgeländen soll es keine Fast-Food-Filialen oder Snack-Automaten mehr geben.
  • Gesundheitsberater der NHS sollen Eltern darüber informieren, wie sie ihre Kinder so ernähren können, dass diese sich nicht frühzeitig an zu süßes oder fettiges Essen gewöhnen.
  • Alle Schulen sollen in ihren Kantinen gesundes Essen servieren müssen - auch solche, die bislang von dieser Regelung ausgenommen waren.
  • Vor 21 Uhr soll Fernsehwerbung für Lebensmittel mit hohem Anteil von Salz, Zucker oder gesättigten Fettsäuren verboten werden.

Die ersten Reaktionen auf den Plan fielen kontrovers aus. So lobte der Fernsehkoch und Gesundheitsaktivist Jamie Oliver die Forderungen als "das bislang klarste Warnzeichen dafür, dass Mediziner wegen Übergewicht tief besorgt sind". Dagegen nannte etwa der Wirtschaftsverband Food and Drink Federation die Vorschläge einen "Rohrkrepierer", der "wenig zu einer wichtigen Debatte beitrage". Ein Sprecher des britischen Gesundheitsministerium sagte, Regierung, Wirtschaft, Ärzte und auch Verbraucher müssten "zusammenarbeiten, um gesundes Essen und gesunde Lebensstile zu fördern".

kgp/fab/dab

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