Steigende Rücklagen: Kassen bunkern Milliarden
Die Abschaffung der Praxisgebühr dürfte die Krankenkassen vorerst finanziell kaum treffen. Denn ihre Reserven sind im dritten Quartal weiter gestiegen. Laut "Frankfurter Allgemeine Zeitung" legte allein der Überschuss der Ersatz- und Ortskrankenkassen sowie der Knappschaft um eine Milliarde Euro zu.
Frankfurt am Main - Die gesetzlichen Krankenkassen schwimmen weiter im Geld. Sie konnten ihre Rücklagen laut "Frankfurter Allgemeine Zeitung" im dritten Quartal erneut steigern. Allein die Ersatz- und Ortskrankenkassen, bei denen gut zwei Drittel der gesetzlich Versicherten sind, sowie die Knappschaft haben demnach ihren Überschuss um mindestens eine Milliarde Euro ausgeweitet. Die Zeitung berief sich auf Kreise der Krankenkassen. Zahlen der Betriebs- und Innungskassen lagen noch nicht vor.
Die Reserven der gesetzlichen Krankenkassen waren bereits im ersten Halbjahr um 2,7 Milliarden Euro gestiegen und summierten sich damit auf 21,8 Milliarden Euro. Wegen ihrer hohen Überschüsse haben die Kassen laut der Zeitung auch im dritten Quartal dieses Jahres weniger Geld benötigt, als ihnen der Gesundheitsfonds zugewiesen hat. Dieser wurde 2009 eingeführt. Aus dem Fonds erhalten die Krankenkassen einheitliche Beiträge für jeden Versicherten, um die Kosten zu decken. Nach Berechnungen des Schätzerkreises der gesetzlichen Krankenversicherung wird der Überschuss im Gesundheitsfonds Ende des Jahres auf zwölf Milliarden Euro angestiegen sein.
Das dicke Finanzpolster der Kassen hat die Regierung dazu gebracht, die Praxisgebühr abzuschaffen. Der Bundestag hat bereits zugestimmt, damit fällt die Abgabe zum Jahreswechsel weg. Die im Jahr 2004 eingeführte Praxisgebühr in Höhe von zehn Euro hatten gesetzlich Versicherte bislang pro Quartal für Arztbesuche zahlen müssen. Sie bescherte den Kassen Einnahmen von rund zwei Milliarden Euro pro Jahr, galt jedoch als bürokratisch und ineffizient.
mmq/dpa
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