Hilferuf aus Kiew Ukraine bittet um 35 Milliarden Dollar

Die politische Revolution ist geschafft, jetzt braucht die Ukraine auch eine finanzielle: Das Land steht kurz vor der Pleite. Laut Finanzminister Kolobow braucht die Regierung in Kiew dringend ausländische Hilfe - aber woher soll das Geld kommen?

Aktivisten vor der Nationalbank in Kiew: Geld wird dringend gebraucht
REUTERS

Aktivisten vor der Nationalbank in Kiew: Geld wird dringend gebraucht


Kiew - Nach dem politischen Umsturz in der Ukraine braucht das Land nach Angaben der Übergangsregierung gewaltige Finanzhilfen. Der kommissarische Finanzminister Juri Kolobow sprach am Montag von bis zu 35 Milliarden Dollar. Dies sei der Bedarf für das laufende und das kommende Jahr, sagte Kolobow. Er rief den Westen auf, in den kommenden zwei Wochen eine Geberkonferenz zu organisieren, um einen Hilfsplan auszuarbeiten.

Hilfe erwartet die Ukraine vor allem von der EU, den USA und dem Internationalen Währungsfonds (IWF). "Wir haben unseren internationalen Partnern vorgeschlagen, uns innerhalb der nächsten ein bis zwei Wochen Kredite zu gewähren", sagte Kolobow. Von Russland dürfte dagegen erst mal kein Geld zu holen sein. Moskau hat bereits angekündigte Milliardenzahlungen angesichts der revolutionären Umbrüche im Nachbarland zunächst auf Eis gelegt.

Der ukrainischen Wirtschaft geht es schlecht. Sie hat sich nie richtig von einem Absturz im Jahr 2009 erholt. Die Pro-Kopf-Wirtschaftsleistung liegt bei unter 4000 Dollar im Jahr, in Deutschland ist sie zehn Mal so hoch. Erst am Freitag hatte die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) ihre Bewertung der ukrainischen Kreditwürdigkeit zum wiederholten Mal gesenkt.

Am Sonntag hatte auch Übergangspräsident Alexander Turtschinow vor einem Staatsbankrott gewarnt. Das krisengeschüttelte EU-Nachbarland sei infolge der dreimonatigen Tumulte "am Rande einer Zahlungsunfähigkeit" angelangt.

Klitschko dankt für "positive Signale"

Die USA und der IWF stellten dem Land bereits Unterstützung in Aussicht. US-Finanzminister Jacob Lew machte am Wochenende beim G-20-Finanzministertreffen im australischen Sydney "breite Unterstützung" für ein internationales Hilfspaket für Kiew aus. Nach der Bildung einer Übergangsregierung könnten IWF-Mittel ausgeschüttet werden, um "die Ukraine bei der Rückkehr zu Demokratie, Stabilität und Wachstum zu unterstützen" - und die Folgen überfälliger Wirtschaftsreformen besonders für die Geringverdiener des Landes abzumildern, wie aus US-Delegationskreisen verlautete.

Der ukrainische Oppositionspolitiker Vitali Klitschko schrieb in der "Bild"-Zeitung, er sei dankbar für "erste positive Signale aus Europa und den USA".

Die EU gibt sich etwas vorsichtiger. Die Außenbeauftragte Catherine Ashton will an diesem Montag in Kiew über Brüsseler Starthilfe bei der politischen und wirtschaftlichen Stabilisierung des Landes Gespräche führen. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) warnte vorab, dass eine zahlungsunfähige Ukraine sowohl für die EU als auch für Russland zur Belastung werden könne.

Der Osteuropa-Beauftragte der Bundesregierung, Gernot Erler (SPD), will Russland an Finanzhilfen für die Ukraine beteiligen. Im ARD-Morgenmagazin sagte Erler: "Infrage kommen drei verschiedene Geber: Das sind die EU, der Internationale Währungsfonds, und das ist natürlich die Russische Föderation."

Bisher sei das Hauptproblem, dass es noch keine handlungsfähige Regierung in Kiew gebe, mit der man über Bedingungen für Finanzhilfen reden könne. "Denn keiner wird Geld geben zum Nulltarif."

stk/AFP/dpa

insgesamt 178 Beiträge
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Seite 1
wilee19 24.02.2014
1. Woher das Geld kommt? Ich weiss es!
Aus Deutschland natürlich. Woher denn sonst.
anderermeinung 24.02.2014
2. woher soll das Geld kommen?
Natürlich von jenen, die bisher nicht mit guten Ratschlägen geizten und ihren Senf zur Entwicklung in der Ukraine dazugaben.
hegauwanderer 24.02.2014
3. Das fängt ja prima an
Wo ist denn das Geld der Oligarchen? Wie viel möchten denn die Klitschkos beisteuern?
immertreu 24.02.2014
4. 35 Milliarden
Zitat von sysopREUTERSDie politische Revolution ist geschafft, jetzt braucht die Ukraine auch eine finanzielle: Das Land steht kurz vor der Pleite. Laut Finanzminister Kolobow braucht die Regierung in Kiew dringend ausländische Hilfe - aber woher soll das Geld kommen? http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/ukraine-braucht-35-milliarden-dollar-um-staatspleite-abzuwenden-a-955285.html
Davon versickern mindestens 30 Milliarden beim Timoschenko Anhang. Wir habens ja. Rein damit.
bikersplace 24.02.2014
5. wo
Zitat von sysopREUTERSDie politische Revolution ist geschafft, jetzt braucht die Ukraine auch eine finanzielle: Das Land steht kurz vor der Pleite. Laut Finanzminister Kolobow braucht die Regierung in Kiew dringend ausländische Hilfe - aber woher soll das Geld kommen? http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/ukraine-braucht-35-milliarden-dollar-um-staatspleite-abzuwenden-a-955285.html
ist da eine Revolution geschafft? Ein gewählter Präsident (ob er gut oder schlecht war ist eine andere Sache) wurde aus dem Amt geputscht (mit Unterstützung der EU/Deutschland) und eine verurteilte ehemalige Präsidentin will wieder "Kalif anstelle des Kalifen sein". Und dafür soll das Ausland noch 35 Milliarden bezahlen, nicht schlecht.
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