Ukraine-Krise Wirtschaftsvertreter unterstützen Sanktionen gegen Putin

Die deutsche Wirtschaft ändert ihre Position in der Ukraine-Krise. Bislang hatte sie Sanktionen gegen Russland abgelehnt - jetzt kündigte der Chef des Ostausschusses im "Handelsblatt" an, Strafmaßnahmen zu unterstützen.

Wirtschaftsvertreter Cordes: "Abenteuerliche Theorien"
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Wirtschaftsvertreter Cordes: "Abenteuerliche Theorien"


Berlin - Es ist eine bemerkenswerte Kehrtwende: Der Ostausschuss der Deutschen Wirtschaft will nun Sanktionen gegen Russland mittragen - nach wochenlangen Protesten dagegen. "Wenn Putin diesen Weg weitergeht, dann ist es nicht der Weg der deutschen Wirtschaft", sagte der Ausschussvorsitzende Eckhard Cordes dem "Handelsblatt". Putin müsse seinen Einfluss auf die Separatisten im umkämpften Osten der Ukraine geltend machen - "und wenn er keinen Einfluss hat, muss er sich welchen verschaffen".

Wenn die Bundesregierung und die EU wegen mangelnder Zusammenarbeit Russlands Sanktionen umsetzen, "dann tragen wir dies zu hundert Prozent mit", sagte Cordes. Dies werde zwar für deutsche Unternehmen schmerzhaft sein, aber "wenn der Preis bezahlt werden muss, werden wir ihn zahlen".

Zur Begründung sagte Cordes, dass sich die Lage durch den Abschuss der Passagiermaschine über der Ostukraine mit fast 300 Toten geändert habe. Der Umgang mit der Katastrophe sei ein "Akt der Inhumanität". "Wir sehen verstörende Verhaltensweisen, wenn die Separatisten Leichen fleddern. Von russischer Seite hören wir abenteuerliche Theorien, etwa dass in dem Flugzeug Tote gesessen hätten."

Zuletzt hatten zahlreiche Politiker weitere Sanktionen gefordert, darunter auch Bundeskanzlerin Angela Merkel - sogar eine Neuvergabe der nächsten Fußball-WM 2018 in Russland stand zur Debatte. Zuletzt haben sich die EU-Botschafter der 28 Mitgliedstaaten darauf geeinigt, weitere 15 Russen und Ukrainer auf die Sanktionsliste zu setzen.

mxw

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insgesamt 46 Beiträge
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Korf 24.07.2014
1. Glaubwürdigkeit
Es werden Sanktionen verhängt auf Basis von: gar nichts. Es gibt keinen einzigen stichhaltigen Beweis für irgendetwas. Die stets hoch gepriesenen Grundlagen der Rechtsstaatlichkeit gelten hier offenbar nicht. Es werden Tatsachen geschaffen. Wir unterscheiden uns durch nichts von Russland. Im Gegenteil. Dies ist die Bankrott-Erklärung westlicher Politik, die ihre eigenen Grundsätze ignoriert.
omop 24.07.2014
2. An Populismus nicht zu überbieten...
sorry aber gerade wir Deutschen sollten auf die Befindlichkeiten der Russen etwas mehr Rücksicht nehmen und die guten Beziehungen nicht aufs Spiel setzen. Steinmeier & Co. sollten kühlen Kopf bewahren und sich nicht von der transatlantisch geprägten Boulevardpresse beeinflussen lassen. Sanktionen sind ein Zeichen von Schwäche und vergiften die Atmosphäre...von daher nur als ultima ratio.
drvoigt 24.07.2014
3. die sanktionen greifen bereits
... leider anders als von der deutschen und europaeischen politik gedacht. als unternehmen, das im bereich umwelttechnik taetig ist wurde ubs in den letzten tagen mehrere grossauftraege von den russischen partnerunternehmen gekuendigt mit der begruendung, dass die durchfuehrung dieser auftraege derzeit nicht gesichert werden kann im angesicht weiterer sanktionen. man vergibt die auftraege jetzt neu an "sichere" partner - japan, kanada und china. in der folge muss unser unternehmen jetzt kurzarbeit beantragen und voraussichtlich ab herbst ca. 30% (45 mitarbeiter) der belegschaft entlassen. das ist sicher unschoen und erst der beginn einer wirtschaftlichen eiszeit mit einem der wichtigsten deutschen wirtschaftspartner. aber herr schaeuble hat sicher genuegend steuereinnahmen um die folgen abzufangen.
sansiro222 24.07.2014
4. Die Wirtschaft
unterstützt auf einmal die Sanktionen, seit gestern im Gespräch war, einen Fonds für deutsche Firmen, die darunter leiden einzurichten und sie damit zu entschädigen. Sanktionen auf der Basis von gar nichts, Schäden von Steuerzahlern zu finanzieren. Was ist das Ergebnis einer Untersuchung zu diesem Flugzeugabsturz? Bisher habe ich nur Anschuldigungen auf der Basis von Vermutungen des Westens gehört.
gievlos 24.07.2014
5.
Zitat von KorfEs werden Sanktionen verhängt auf Basis von: gar nichts. Es gibt keinen einzigen stichhaltigen Beweis für irgendetwas. Die stets hoch gepriesenen Grundlagen der Rechtsstaatlichkeit gelten hier offenbar nicht. Es werden Tatsachen geschaffen. Wir unterscheiden uns durch nichts von Russland. Im Gegenteil. Dies ist die Bankrott-Erklärung westlicher Politik, die ihre eigenen Grundsätze ignoriert.
Falsch! Es gibt mehr als genug Grundlage für die Sanktionen. Fangen wir doch einfach mal mit der Krim an, wo plötzlich uniformierte, maskierte Männer ohne Hoheitszeichen auftauchten. Putin so: "Keine Ahnung, wer die sind." Paar Wochen später: "Klar waren das unsere Jungs. Kriegen alle einen Orden!". Und genau in der Form gehen die Lügen weiter und weiter. Weil Putin ganz genau weiß, dass der "Westen" keinen Krieg will. Weil er ganz genau weiß, dass er sein Blatt noch weiter ausreizen kann. Mit Kindergarten-Sanktionen stoppen wir ihn jedenfalls nicht!
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