Nationalisten blockieren Kohlenachschub Ukraine ruft Energienotstand aus

Ukrainische Nationalisten blockieren Kohletransporte aus der Ostukraine, dem Rest des Landes geht deshalb die Energie aus. Die Regierung fährt die Atommeiler hoch.

Fabriken in der Ostukraine
AP

Fabriken in der Ostukraine


In der Ukraine bahnt sich eine Energiekrise an. Die Regierung in Kiew hat Notstandsmaßnahmen im Energiesektor angeordnet, weil Kohlelieferungen aus den umkämpften Gebieten in der Ostukraine seit Wochen unterbrochen sind. Vor allem Kraftwerke und zahlreiche Stahlbetriebe seien betroffen, teilte Premierminister Wladimir Groisman nach einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates fest. Man habe es "mit einer Unterminierung der nationalen Wirtschaft" zu tun.

Hintergrund sind Proteste ukrainischer Aktivisten, die seit Wochen Kohlelieferungen aus den Separatistengebieten in der Ostukraine blockieren. Die Blockade mehrere Bahnstrecken destabilisiere die ganze Ukraine, sagte Präsident Petro Poroschenko. Experten zufolge reichen die Kohlevorräte in einigen Kraftwerken nur noch wenige Tage.

Die Aktivisten haben zwei Eisenbahnverbindungen unter ihre Kontrolle gebracht, über die bislang Kohle aus den Bergbauregionen der selbst ernannten Volksrepubliken Luhansk und Donezk nach Westen transportiert wurden.

Bekannter Nationalist unter den Anführern

Beteiligt an den Blockaden der Bahnstrecken sind ukrainische Veteranen der Kämpfe im Osten unter Führung von Abgeordneten der Partei Samopomitsch (Selbsthilfe). Sie verlangen, der Handel mit den von Moskau unterstützten Rebellen müsse eingestellt werden. Auch sollen Gebiete wie die von Russland annektierte Krim offiziell zu "okkupiertem Territorium" erklärt werden.

Die Regierung in Kiew sträubt sich dagegen. Viele ukrainische Kraftwerke stammen aus der Sowjetzeit und sind ausgelegt auf die Verfeuerung der besonders energiehaltigen Anthrazitkohle aus der Ostukraine. Die ukrainische Regierung hat die Kraftwerksbetreiber deshalb zu Sparmaßnahmen angehalten und die Bevölkerung auf mögliche Stromausfälle vorbereitet. Sie teilte weiterhin mit, die Auslastung der Atomkraftwerke des Landes werde hochgefahren.

Zu den prominenten Anführern der Gleisblockierer gehört der Abgeordnete Wladimir Parasjuk. Der Nationalist spielte eine Rolle während der Maidan-Revolution. Damals hatte die ukrainische Opposition im Februar 2014 zunächst - unter Vermittlung von Deutschland, Russland und Frankreich - ein Abkommen mit dem damaligen Präsidenten Wiktor Janukowytsch geschlossen. Es sah Neuwahlen bis Jahresende vor, Janukowytsch sollte bis dahin aber im Amt bleiben.

Parasjuk ergriff daraufhin auf dem Maidan das Mikrofon und stellte Janukowytsch ein Ultimatum: Sofern der Präsident nicht innerhalb der nächsten Stunden abdanke, werde man die Präsidentenverwaltung stürmen. Janukowytsch floh in der Folge aus Kiew auf die Krim und weiter nach Russland. Das Abkommen war Makulatur.

beb/dpa



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