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Belastende Aussage: Hoeneß soll Unterlagen ein Jahr zurückgehalten haben 

Von zwei Faktoren erhoffen sich Uli Hoeneß' Anwälte Entlastung für ihren Mandaten: von seinem umfassenden Geständnis und seiner Selbstanzeige. Doch eine Zeugin belastet den Angeklagten jetzt schwer. Er soll wichtige Dokumente seiner Bank zunächst nicht an die Behörden weitergeleitet haben.

REUTERS

München - FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß ist vor Gericht von einer Steuerfahnderin massiv belastet worden. Laut der Zeugenaussage der Fahnderin des Finanzamts Rosenheim vor dem Landgericht München II hielt Hoeneß Unterlagen zu seinen zwei Schweizer Konten über ein Jahr vor den Finanzbehörden zurück. (Lesen Sie hier alle Ereignisse rund um den Prozess im Liveticker.)

Hoeneß' Verteidigung habe entsprechende PDF-Dateien erst am 27. Februar 2014 abgegeben. Die Dateien seien aber bereits am 18. Januar 2013 von seiner Bank erstellt worden, nachdem Hoeneß einen Tag zuvor eine Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung abgegeben hatte. Die Staatsanwaltschaft erkannte diese jedoch nicht als vollständig an und eröffnete deshalb ein Verfahren gegen Hoeneß wegen Steuerhinterziehung.

Die ganzen Unterlagen, nach Angaben der Rosenheimer Steuerfahnderin "52.000 Blätter insgesamt", müssen erst noch geordnet werden, teilweise manuell. Eine erste Grobsichtung habe in der Faschingswoche stattgefunden. Weitere Unterlagen seien am vergangenen Aschermittwoch nachgereicht worden.

Eine entscheidende Frage für die Gültigkeit der Selbstanzeige ist, ob Hoeneß darin umfassende Angaben gemacht hat. Wie die Steuerfahnderin schilderte, gab es nach der Selbstanzeige mehrere Gespräche und Treffen, bei denen Hoeneß über seine Steuerberater und Anwälte Angaben zur ursprünglichen Anzeige ergänzte oder das Nachreichen von Daten ankündigte - bis hin zur Übergabe eines USB-Sticks mit den vollständigen Bankunterlagen erst zwei Wochen vor dem jetzigen Prozessbeginn.

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Prozess gegen Uli Hoeneß: Schwere Vorwürfe, ernste Gesichter
Weitere Zeugen sollen aussagen

Laut Gerichtssprecherin Andrea Titz hat Hoeneß zuvor mehrmals Fristen verstreichen lassen. Die Aussagen der Steuerfahnderin hätten ergeben, dass "über einen sehr langen Zeitraum gar keine Unterlagen nach Erstattung der Selbstanzeige eingereicht wurden", berichtete Titz. Immer wieder seien neue Fristen gesetzt worden und jeweils wieder verstrichen, ohne dass Unterlagen eingereicht wurden, sagte die Finanzbeamtin laut Titz aus.

Hoeneß ist wegen Steuerhinterziehung in sieben Fällen angeklagt, die Staatsanwaltschaft hatte die Steuerschuld auf 3,5 Millionen Euro beziffert. Zum Prozessauftakt am Montag legte Hoeneß überraschend ein umfassendes Geständnis ab, demzufolge er mindestens 18,5 Millionen Euro an Steuern hinterzogen hat.

Wegen der neuen Enthüllungen und möglicher weiterer Zeugenaussagen ist es unwahrscheinlich, dass das Urteil wie ursprünglich geplant an diesem Donnerstag verkündet wird. "Es ist durchaus davon auszugehen, dass weitere Termine erforderlich sein werden", sagte Titz.

Am Mittwoch soll bereits ein zusätzlicher Zeuge aussagen: Ein Betriebsprüfer, der Hoeneß, weil dieser Einkommensmillionär ist, regelmäßig überprüft. Laut Titz ist zu erwarten, dass noch weitere Zeugen benannt werden.

Uli Hoeneß' Geständnis

"Die mir in der Anklage zur Last gelegten Steuerstraftaten habe ich begangen. Mit anderen Worten: Ich habe Steuern hinterzogen. Mir ist bewusst, dass daran auch die Selbstanzeige nichts ändert. Ich habe aber gehofft, mit meiner Selbstanzeige einer strafrechtlichen Verfolgung zu entgegen."

"Ich musste leider feststellen, dass sich die Spekulationen in dem fraglichen Zeitraum unter dem Strich nicht gelohnt haben, denn die hier in Rede stehenden Jahre (2003 bis 2009) habe ich trotz zwischenzeitlicher Gewinne im Ergebnis mit einem Millionenverlust abgeschlossen. Das bedeutet aber nicht, dass ich auf Spekulationsgewinne keine Steuern bezahlen muss."

"Mit ist klar, dass mir nur absolute Steuerehrlichkeit hilft. Ich hab deshalb Ende Februar alle Unterlagen zu meinen in der Schweiz getätigten Finanzgeschäften dem Gericht und den Behörden zur Verfügung gestellt, obwohl die Staatsanwaltschaft meine Selbstanzeige für unwirksam hält."

"Ich bin froh, dass jetzt alles transparent auf dem Tisch liegt. Mein Fehlverhalten bedauere ich zutiefst. Sämtliche Steuern werde ich natürlich zahlen. Ich werde alles dafür tun, dass dieses für mich bedrückende Kapitel abgeschlossen wird."

ade/AFP/dpa/sid

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    Seite 1    
1. Der Mann …
vbhfgdl 11.03.2014
Zitat von sysopAP/dpaVon zwei Faktoren erhoffen sich Uli Hoeneß' Anwälte Entlastung für ihren Mandaten: von seinem umfassenden Geständnis und seiner Selbstanzeige. Doch eine Zeugin belastet den Angeklagten jetzt schwer. Er soll wichtige Dokumente seiner Bank zunächst nicht an die Behörden weitergeleitet haben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/uli-hoeness-prozess-laut-steuerfahnderin-hielt-fc-bayern-boss-unterlagen-zurueck-a-958021.html
… darf sich wirklich nicht wundern, wenn seine Straftat medial über Gebühr dramatisiert wird …
2.
gewgaw 11.03.2014
Zitat von sysopAP/dpaVon zwei Faktoren erhoffen sich Uli Hoeneß' Anwälte Entlastung für ihren Mandaten: von seinem umfassenden Geständnis und seiner Selbstanzeige. Doch eine Zeugin belastet den Angeklagten jetzt schwer. Er soll wichtige Dokumente seiner Bank zunächst nicht an die Behörden weitergeleitet haben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/uli-hoeness-prozess-laut-steuerfahnderin-hielt-fc-bayern-boss-unterlagen-zurueck-a-958021.html
Vor dem Prozeß ging ich davon aus, dass Hoeneß analog zu Zumwinkel verurteilt wird: hohe Geldstrafe, vorbestraft, aber kein Gefängnis. Angesichts der bisher bekannten Summe von 18,5 Mio € und des ein Jahr alten Datenmaterials kann es nur Gefängnis geben und wegen guter Führung wird die Zeit halbiert. Er wird seine Ämter aufgeben müssen, aber in ca. zwei Jahren sein Comeback geben und Ehrenpräsident bei den Bayern werden.
3. Es bleibt wohl nur der Knast!
hul1 11.03.2014
Das schlimme an Ulrich H. ist doch, dass er auch noch als Wohltäter und Opfer auftritt! Wenn der nicht mind. 5 Jahre in den Bau geht, ist an unserem Rechtssystem etwas (viel) faul. Dann kann man Waffen austeilen und jeder kämpft hier gegen jeden ohne weitere Gesetze!
4. Ist das die Schlinge, die sich zuzieht?
exeblue 11.03.2014
Ich war auch immer der Meinung, Herr Hoeneß wird aus der Sache schon irgendwie mit einem blauen Auge rauskommen, doch so langsam halte ich das für ausgeschlossen. Aber und das macht mir Sorge: Herr Hoeneß hat sehr einflussreiche Freunde. Nicht Sorge, Hoeneß käme nicht ins Gefängnis, das wäre mir fast egal. Ich habe nur die Befürchtung, seine einflussreichen Freunde zersägen das Rechtssystem. Und trotz allem, ich bin überzeugt, dass der Verein FC Bayern in irgendeiner Form da involviert ist. Ich weiß, dass ist nur ein Bauchgefühl.
5. Vorbereitung der Anklage
anderermeinung 11.03.2014
Wenn Herr H. jetzt plötzlich zugibt, dass er wesentlich mehr hinterzogen hat, als die Finanzbehörden und die Staatsanwaltschaft annahmen - dann frage ich mich, wie diese ihre Klage vorbereitet hat. Außerdem würde mich interessieren, ob das Finanzamt die Steuererklärung eines Millionärs genauer oder weniger genau prüft als die eines Normalverdieners. Der Bundesrechnungshof kritisierte mal "Durchwinkwochen" bei den Finanzämtern. Kennen die Steuerberater diese Zeiträume?
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