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Umfrage: Fast die Hälfte der Deutschen beteiligt sich an Flüchtlingshilfe

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Die Willkommenskultur in Deutschland zeigt sich auch in Zahlen: Ein Großteil der Bürger hat einer Umfrage zufolge in den vergangenen Monaten bereits Flüchtlingen geholfen.

Mit knapp 44 Prozent hat sich fast die Hälfte der Deutschen in diesem Jahr bereits aktiv an Flüchtlingshilfe beteiligt - durch eine Geldspende oder ein anderweitiges Engagement. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag des gemeinnützigen Analysehauses Phineo, die SPIEGEL ONLINE vorliegt. Demnach haben bislang 21 Prozent der Befragten Geld für die Flüchtlingshilfe gespendet.

Unter den Nicht-Geldspendern gaben 29 Prozent an, sich in anderer Form für die Flüchtlingshilfe zu engagieren - das entspricht einem Anteil von knapp 23 Prozent an allen Befragten.

Die Höhe der Geldspenden war dabei sehr unterschiedlich. 38 Prozent der Befragten gaben an, einen Betrag bis zu 50 Euro gespendet zu haben, 11 Prozent spendeten sogar mehr als 200 Euro. Mit 26 Prozent war der Anteil der Geldspenden von 50 bis 100 Euro am höchsten. "Mit Spenden kann jede oder jeder helfen", sagt Phineo-Chef Andreas Rickert. Die Experten empfehlen dabei, Geld nicht zweckgebunden zu spenden, um den Organisationen die Freiheit zu geben, die Mittel so einzusetzen, wie es den Menschen auch am meisten hilft. (Weitere Ratschläge für Spenden für die Flüchtlingshilfe finden Sie hier.)

Nur ein kleiner Teil der Deutschen scheint grundsätzlich kein Geld für Flüchtlinge spenden zu wollen, wie die Nachfrage bei den 79 Prozent bisherigen Nicht-Spendern nach den Gründen zeigt: Acht Prozent gaben an, das Thema Flüchtlingshilfe interessiere sie nicht. Weitere zwölf Prozent nannten keine oder andere Gründe. Die weiteren Antwortmöglichkeiten lassen auf eine grundsätzliche Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge schließen. Häufig gaben Nicht-Spender mehrere Gründe an: 40 Prozent sagten, sie hätten bereits für andere wohltätige Zwecke gespendet, 33 Prozent gaben an, kein Geld für Spenden übrig zu haben, weitere 19 Prozent wissen nicht, an welche Organisation sie spenden sollten. Jeweils 14 Prozent hatten bislang noch gar nicht an eine Geldspende gedacht oder keine Zeit, sich darum zu kümmern.

Ost und West, Frauen und Männer - wenig Unterschiede

Das Ergebnis der Umfrage widerspricht der verbreiteten These, der Osten Deutschlands sei Flüchtlingen gegenüber allgemein skeptischer eingestellt als der Westen. Eher ist das Gegenteil der Fall: Der Anteil der Geldspender ist unter Ostdeutschen mit 23 Prozent höher als unter Westdeutschen (20 Prozent). Weil die statistische Fehlertoleranz drei Prozentpunkte beträgt, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, dass Ostdeutsche häufiger für Flüchtlinge spenden als Westdeutsche - sie tun es aber auch nicht seltener.

Auch zwischen Männern (22 Prozent) und Frauen (19 Prozent) bestehen der Umfrage zufolge kaum Unterschiede beim Anteil der bisherigen Geldspender. Ebenso wenig hat das Alter gravierenden Einfluss auf die Spendentätigkeit für Flüchtlinge - zumindest bei den über 30-Jährigen, hier liegt der Anteil der Spender durchweg bei 20 bis 25 Prozent. Bei den Befragten im Alter von 18 bis 29 Jahren hatten zwar lediglich elf Prozent Geld gespendet. In dieser Altersgruppe antworteten mit 44 Prozent allerdings auch fast die Hälfte der Nichtspender, sie hätten schlicht kein Geld für Spenden übrig. Hier scheint also eher das Können als das Wollen einer finanziellen Spende im Wege zu stehen.

In diese Richtung lassen sich auch die Unterschiede zwischen Gut- und Niedrigverdienern deuten. Während 26 Prozent der Befragten Geld gespendet haben, die in einem Haushalt mit einem Nettoeinkommen von mehr als 3000 Euro im Monat leben, traf dies nur auf elf Prozent derjenigen zu, deren Haushalt mit weniger als 1500 Euro im Monat auskommen muss. In dieser Personengruppe gaben auch 43 Prozent der Nichtspender das fehlende Geld als Grund an.

Der Anteil jener Deutscher, die Geld für die Flüchtlingshilfe spenden, könnte sich wegen einer Sonderregelung signifikant erhöhen, die das Bundesfinanzministerium Ende September bekannt gegeben hat: Spenden an Flüchtlinge können rückwirkend zum 1. August einfacher von der Steuer abgesetzt werden als bislang.

Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hatte vom 30. September bis zum 2. Oktober insgesamt 1001 Personen befragt.

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