Transparency-Umfrage Bundesbürger fordern Strafrecht für Unternehmen

Dieselskandal, Bankenkrise, Korruption: Unternehmen haben ihren Ruf verspielt. In einer Umfrage von Transparency sprechen sich viele Deutsche für ein Strafrecht aus, das sich direkt gegen Firmen richtet.

Bankenviertel in Frankfurt am Main
AFP

Bankenviertel in Frankfurt am Main


Das Ansehen von Unternehmen ist in Deutschland schwer erschüttert worden. Angesichts der Affäre um manipulierte Dieselautos, Fällen von Korruption in anderen Branchen und die Probleme der für das Finanzsystem wichtigen Banken plädiert eine große Mehrheit der Bundesbürger für ein wirksameres Strafrecht, dass bei kriminellen Machenschaften gegen Unternehmen eingesetzt werden kann.

Diese Tendenz zu härteren Strafen hat eine Umfrage von Infratest dimap im Auftrag von Transparency Deutschland ergeben. Danach unterstützen 82 Prozent der Befragten die Einführung eines Unternehmensstrafrechts, wie die Anti-Korruptions-Organisation mitteilte.

Bisher können in Deutschland nur Manager, Vorstands- oder Aufsichtsratsmitglieder strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden. Gegen Unternehmen dagegen können nur Bußgelder verhängt werden, zudem können bei ihnen Gewinne abgeschöpft werden.

"Die Autoindustrie hat die Reputation Deutschlands und der deutschen Wirtschaft beschädigt. Durch eine gesetzliche Regelung und Sanktionsmöglichkeiten muss verhindert werden, dass sich ein solcher Skandal wiederholt", sagt Hartmut Bäumer, stellvertretender Vorsitzender von Transparency Deutschland. "Dies ist die deutsche Politik ihren Wählern, den Arbeitnehmern und dem deutschen Wirtschaftsstandort schuldig."

Zugleich sprachen sich mehr als drei Viertel der Befragten (78 Prozent) für mehr Transparenz im Lobbyismus aus. Die Bürger hätten offensichtlich den Eindruck, dass Interessenvertreter übermäßig Einfluss auf politische Entscheidungsträger nehmen, erklärte Transparency. Die Organisation fordert deshalb ein verpflichtendes Lobbyregister und Klarheit darüber, welche Ziele Interessenvertreter verfolgen und wo sie Einfluss genommen haben.

mik/dpa



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