Umfrage Jeder Zweite hält Hartz-IV-Empfänger für bequem

Faul, schlecht ausgebildet und bei der Jobsuche zu wählerisch: Solche Vorurteile hegt die Mehrheit der Deutschen laut einer Umfrage gegenüber Hartz-IV-Beziehern. Dabei würde das Gros der Betroffenen sogar einen Job unter der eigenen Qualifikation annehmen.

Angebote auf einer Zeitarbeitsmesse in Erfurt: Vorurteile gegenüber Langzeitarbeitslosen
DPA

Angebote auf einer Zeitarbeitsmesse in Erfurt: Vorurteile gegenüber Langzeitarbeitslosen


Berlin - Jeder zweite Bundesbürger hat Vorurteile gegenüber Hartz-IV-Beziehern. In einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage sagten 55 Prozent der Deutschen, dass Langzeitarbeitslose ihrer Meinung nach nicht selbst aktiv nach Arbeit suchen. Jeder Dritte sagte, die Betroffenen würden gar nicht arbeiten wollen. 57 Prozent halten sie bei der Arbeitssuche für zu wählerisch. Ebenso viele Befragte stuften Hartz-IV-Empfänger als schlecht qualifiziert ein. 55 Prozent der Bundesbürger gehen davon aus, dass Langzeitarbeitslose nichts Sinnvolles zu tun haben.

"Meist sind diese Vorurteile Irrtümer", sagte der Vorstand für Grundsicherung der Bundesagentur für Arbeit (BA), Heinrich Alt. Die BA befragte auch die Betroffenen selbst. Dabei sagten drei von vier Menschen in der Grundsicherung, dass Arbeit das Wichtigste im Leben sei. Mehr als 70 Prozent von ihnen wären sogar bereit, Arbeit anzunehmen, für die sie überqualifiziert sind. 62 Prozent der befragten Hartz-IV-Bezieher suchen auf eigene Faust nach Arbeit.

Mit der repräsentativen Umfrage im Auftrag der Bundesagentur wurden Vorurteile über Empfänger der Grundsicherung erstmals untersucht. Das Institut für Demoskopie Allensbach befragte insgesamt 1558 Personen ab 16 Jahren zu ihrer Einstellung gegenüber Langzeitarbeitslosen.

Zahl der Jobverweigerer geht zurück

Dass diese von Seiten der Arbeitsagenturen und Jobcenter unter Handlungsdruck stehen, zeigen Zahlen zu Sanktionen. Demnach zeichnet sich im laufenden Jahr eine Rekordzahl bei den Strafen für Hartz-IV-Empfänger ab. Laut BA verhängten die Jobcenter im ersten Halbjahr 520.792 Sanktionen, in 67 Prozent der Fälle wegen Versäumnissen bei der fristgemäßen Antwort auf Anschreiben. Im Vorjahr hatte die Zahl der verhängten Sanktionen insgesamt bei 912.000 gelegen.

Ein BA-Sprecher erklärte die steigende Gesamtzahl der Sanktionen mit der besseren Konjunkturlage. Die gewachsene Nachfrage nach Arbeitskräften habe dazu geführt, dass Jobcenter Arbeitssuchende häufiger wegen offener Stellengesuche angeschrieben hätten. In Folge der steigenden Zahl sei es entsprechend häufiger zu Versäumnissen bei der vorgeschriebenen fristgemäßen Rückmeldung gekommen, was automatisch zu den Sanktionen führe. Die Zahl der Sanktionen, die wegen Verstößen gegen Eingliederungsvereinbarungen oder wegen der Weigerung einer Arbeitsaufnahme verhängt worden seien, sei gesunken, betonte der Sprecher.

Linken-Vorsitzende Katja Kipping kritisierte, die Sanktionen gegen Hartz-IV-Bezieher seien "eine Schande für Deutschland" und verfassungswidrig. Das Erwerbslosen Forum wertete die wachsende Zahl der Strafen als Zeichen, "dass sich durch Hartz IV ein System etabliert hat, in dem das Individuum nicht mehr zählt". Strafen würden rücksichtslos verhängt.

mmq/dpa/dapd/AFP

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saxae 16.10.2012
1. logisch
Zitat aus der Überschrift: "Dabei würde das Gros der Betroffenen sogar einen Job unter der eigenen Qualifikation annehmen." Dieses "sogar" beschreibt doch alles. Das hat man netterweise bei der Umfrage mit angegeben, dass man sich unter Umständen sogar unterhalb der Quali bewegen könnte.So als entgegenkommen. So sollte es laufen: Man "hat" alle Jobs, die Moral und Sitte entsprechen anzunehmen um sich selbst zu finanzieren und nicht anderen auf der Tasche zu liegen. Aber so ist es doch absolut verständlich, das ist des Menschen Geist, dass man, wenn man Geld einfach so ohne zutun erhält, sich darin einrichtet. Da muss man keinesfalls faul oder dumm sein.
testtesttest 16.10.2012
2.
Zitat: "62 Prozent der befragten Hartz-IV-Bezieher suchen auf eigene Faust nach Arbeit." Na, doch so viele... vielleicht haben die 55% der Deutschen doch gar nicht so unrecht. Warum sind es nicht 92%? Sich einzig auf das Jobcenter zu verlassen ist vielleicht nicht die beste Idee, sofern man wirklich arbeiten möchte.
traurigewelt 16.10.2012
3. optional
Hartz IV sichert doch angeblich genau das überlebensminimum. Wie kann man es denn dann noch kürzen? Ich hab ne bessere Idee: EIne Institution, die überprüft, ob jemand freiwillig oder gezwungen Hartz IV empfängt. Macht es jemand freiwillig, also weil er keinen Bock auf Arbeiten hat, dann sollte diese Person keine Leistungen bekommen. Die anderen sollten auf jeden Fall mehr als das aktuelle Hartz IV bekommen. Außerdem schafft so eine Institution Arbeitsplätze. Natürlich würde das nicht funktionieren, weil nur der Staat diese Institution Gründen könnte, aber die Idee ist doch nett
mischamai 16.10.2012
4. tja..woher kommt wohl diese Meinung?
Vor wenigen Tagen gab es bei Spiegel TV einen Versuch in dem 100 Hartz 4 Leute aufrichtig vermittelt werden sollten zu MC Donalds.. Ein Fiasco ! Leute ohne Ausbildung streben nach Summen die kein studierter Mensch erreicht,andere wollen nicht zu MC Donalds,wieder Andere haben primitive Ausreden oder das Geld wäre ja niocht viel mehr als H4,einige erscheinen nicht zum Termin und nur 2 Personen wurden vermittelt,die eine Frau war noch Spanierin. Also schon traurig mit welcher Haltung hier viele unterwegs sind.
poseidonner 16.10.2012
5. Kipping - Sanktionen Schande für Deutschland?
Die Frau ist in ihrer Abgehobenheit eine Schande für Deutschland! Was glaubt sie denn, wie man Arbeitslose motivieren kann? Zumindest einen großen Teil doch nur durch Druck, sonst richten es sich die Damen und Herren mit Schwarzarbeit ganz gemütlich auf Steuerzahlerkosten ein. Die "Linke"-Teil-Vorsitzende sollte mal in andere Länder gehen - da gibts garnichts und demonstrieren nützt nichts. Die Linken sind doch der größte Lobby-Verein - und zwar der Arbeitslosen! Für Berufstätige hat diese Partei nur Verachtung übrig!
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