Umfrage Deutsche vertrauen Pflegeversicherung nicht

Die Angst vor Altersarmut ist groß: Drei Viertel der Deutschen befürchten, dass sie im Pflegefall trotz Leistungen aus der Pflegeversicherung nicht ausreichend versorgt sind. Das geht aus einer Umfrage des Allensbach-Instituts hervor. Doch nur gut jeder Zehnte sorgt privat vor.

Altenheim: 60 Prozent der Deutschen fürchten, dass im Alter dort hin müssen
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Altenheim: 60 Prozent der Deutschen fürchten, dass im Alter dort hin müssen


Berlin - Das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit der gesetzlichen Pflegeversicherung ist gering. Nach einer am Donnerstag veröffentlichten Studie des Allensbach-Instituts befürchten 75 Prozent der Bürger, im Pflegefall nicht ausreichend versorgt zu sein. Selbst bei den Jungen unter 30 verbindet bereits fast jeder Zweite diese Sorge mit dem Gedanken an das Alter. Bei den 30- bis 60-Jährigen sind es mehr als 60 Prozent, im Alter über 60 Jahren sogar 82 Prozent.

Zudem fürchten 60 Prozent der Menschen über 60 Jahre, dass sie wegen gesundheitlicher Einschränkungen vielleicht ins Heim müssen. Bei Alleinstehenden liegt die Quote sogar bei 72 Prozent. Bei Menschen mit geringen Einkommen ist diese Sorge verbreiteter als bei finanziell Bessergestellten: "Offensichtlich sehen Personen mit höherem Einkommen für sich eher die Möglichkeit, die im Pflegefall notwendige Unterstützung und Versorgung auch außerhalb stationärer Einrichtungen zu finanzieren", hieß es.

39 Prozent setzen theoretisch auf private Vorsorge

Finanzielle Probleme im Alter befürchtet von den Befragten über 60 nur ein knappes Drittel. Jüngere sind da weit pessimistischer: Von ihnen gehen 57 Prozent davon aus, dass sie im Alter in Geldnot kommen.

In der Frage, wie für eine ausreichende finanzielle Absicherung im Pflegefall zu sorgen ist, sind die Deutschen gespalten. Laut Umfrage sehen 34 Prozent dabei den Staat in der Verantwortung, während 39 Prozent auf eine private Vorsorge setzen.

Auch hierbei hängt die Einstellung der Bürger wieder maßgeblich von ihrer wirtschaftlichen Situation ab. Während einkommensschwache Schichten die Finanzierung ausschließlich bei der gesetzlichen Pflegeversicherung sehen und dafür auch höhere Beiträge in Kauf nehmen würden, entscheidet sich mehr als jeder zweite Bürger mit einem höheren Einkommen zugunsten einer zusätzlichen privaten Absicherung.

Doch obwohl die Mehrheit weiß, dass die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung allein nicht ausreichen werden, haben bisher lediglich zwölf Prozent der Bevölkerung eine private Police zur Absicherung im Alter abgeschlossen.

Gute Pflege sollte belohnt werden

Bei der Frage nach den Anforderungen an ein Pflegeheim sind sich die meisten Deutschen hingegen einig. Entscheidend ist der Umfrage zufolge für 83 Prozent gut ausgebildetes und ausreichendes Pflegepersonal, das außerdem genügend Zeit für die Pflegebedürftigen hat. Für verstärkte Kontrollen in den Heimen plädieren 62 Prozent.

Viele sind der Ansicht, dass gute Pflege belohnt werden sollte. 60 Prozent sprachen sich laut Studie dafür aus, dass Pflegeheime, die bei Kontrollen besonders gut abschneiden, mehr Geld aus der gesetzlichen Pflegeversicherung erhalten sollten. Nur knapp jeder Vierte hegt die Befürchtung, dass dies die Unterschiede zwischen einzelnen Einrichtungen vergrößert.

Für die repräsentative Pflege-Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Marseille-Kliniken AG, die Alten- und Pflegeheime sowie Rehakliniken im gesamten Bundesgebiet betreibt, wurden 1804 Bürger befragt.

böl/AP/AFP



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