Umfrage zur Zukunft Die Mehrheit der Deutschen hat Angst - aber wovor?

Die Deutschen blicken laut einer Umfrage extrem pessimistisch in die Zukunft. Der Anteil der angsterfüllten Menschen hat sich demnach seit 2013 verdoppelt. Fast 80 Prozent erwarten eine wirtschaftliche Verschlechterung.

Polizei als Schutz vor dem Terror: Die Angst der Deutschen nimmt zu
DPA

Polizei als Schutz vor dem Terror: Die Angst der Deutschen nimmt zu


Die Stimmung in Deutschland ist so pessimistisch wie seit Jahren nicht mehr. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage der Meinungsforschungsgesellschaft GfK im Auftrag der Hamburger Stiftung für Zukunftsfragen hervor.

Demnach gaben 55 Prozent der Befragten an, angsterfüllt in die Zukunft zu blicken. Das ist ein ungewöhnlich hoher Wert. Bei vergleichbaren Umfragen hatten sich im vergangenen Jahr noch 31 Prozent angsterfüllt gezeigt, 2013 waren es sogar nur 28 Prozent. Der wissenschaftliche Leiter der Stiftung, Ulrich Reinhardt, sprach von einer Rückkehr der "German Angst". Darunter versteht man das Phänomen, dass die Deutschen schon immer Sorgen hatten, die Zukunft werde nicht so positiv wie die Gegenwart.

Besonders die Älteren ab 55 Jahren äußerten sich in der Umfrage besorgt. 64 Prozent blicken nach eigener Aussage angstvoll in die Zukunft. Bei den Jüngeren von 14 bis 34 Jahren waren es 42 Prozent. Allerdings hat sich damit der Anteil der Furchtsamen in der jüngeren Generation seit 2013 mehr als verdoppelt.

Wovor die Bürger eine solche Angst haben, bleibt unklar. Die Meinungsforscher haben nicht direkt danach gefragt. Es bleibt also Interpretationsspielraum. Stiftungsleiter Reinhardt nannte "die gegenwärtige humanitäre Krise und die zunehmende Angst vor Terroranschlägen" als möglichen Grund.

Die Konsumlaune geht zurück

Klar scheint, dass die Bürger vor allem eine wirtschaftliche Verschlechterung erwarten. 79 Prozent gehen laut Umfrage davon aus, dass die wirtschaftlichen Probleme Deutschlands größer werden. 2014 hatten das 66 Prozent so gesehen, 2013 nur 59 Prozent. "Besonders die Erwerbstätigen erwarten zusätzliche Belastungen und fürchten, ihren Lebensstandard nicht halten zu können", erklärte Stiftungsleiter Reinhardt. Er prophezeite eine abnehmende Konsumlust und ein Comeback des Sparens.

Das deckt sich mit den jüngsten Entwicklungen des GfK-Konsumklimas - zumindest was den Trend betrifft. Bei der monatlichen Umfrage hatten sich die Verbraucher zuletzt viermal in Folge pessimistischer gezeigt. Im November hatten knapp 40 Prozent der Befragten angegeben, dass sie glauben, dass die Arbeitslosigkeit künftig steigen wird. Ein Großteil davon nannte die Flüchtlingskrise als Grund.

Der ungeklärte Umgang mit der Krise scheint auch den Blick der Bevölkerung auf die europäische Einigung zu trüben. Laut der aktuellen Umfrage der vom Tabakkonzern BAT finanzierten Stiftung für Zukunftsfragen erwarten mehr als zwei Drittel (70 Prozent) der Deutschen, dass Europa weiter auseinanderdriften wird.

Das neue Umfrageresultat sieht Reinhardt im Einklang mit jüngsten Wahlergebnissen: "Der Rechtstrend bei Wahlen in Polen, Frankreich, Ungarn, Österreich, Schweden, Großbritannien, Dänemark oder der Schweiz zeigt in ganz Europa die große Verunsicherung der Bevölkerung, die Angst um den eigenen Wohlstand hat, sich vor Überfremdung fürchtet und nationale Interessen in den Vordergrund stellt."

stk/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 335 Beiträge
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Seite 1
Demokrat2015 16.12.2015
1. Natürlich hat die GfK
nicht nach den Gründen der Angst gefragt...
imlattig 16.12.2015
2. wie soll..
es einem bei schleichendem sozialabbau besser gehen?
zick-zack 16.12.2015
3. gelernt
Seit 1989 habe ich gerlernt, daß Veränderung in diesem Land Verschlechterung bedeutet. Offensichtlich sehe das nicht nur ich so. Und als Sozialamt der Welt stehen uns noch große Veränderungen bevor. Als Vater von 3 Kindern frage ich mich, wozu ich diesem Land weitere Knechte geschenkt habe. Hoffentlich sind meine Kinder gescheiter als ich und wandern beizeiten aus. Nach Norwegen oder Kanada vielleicht...
eurorentner 16.12.2015
4. Ansichtssache
""Der ungeklärte Umgang mit der Krise scheint auch den Blick der Bevölkerung auf die europäische Einigung zu trüben"" Ich würde behaupten, eher zu schärfen.
fatherted98 16.12.2015
5. Logisch...
...immer mehr Menschen verdienen immer weniger. Die Schere geht auseinander...das will nur niemand wahrhaben...weder in Politik noch Medien. Dazu kommen Millionen von Muslimen die dieses und nächstes Jahr nach Deutschland strömen werden...gleichzeitig wird gegen Muslime in aller Welt gekämpft....jaja...die haben nix miteinder zu tun...aber hier geht es ja um Angstgefühle nicht um Logik. Die EU liegt am Boden...fast alle Staaten ausser Deutschland sind wirtschaftlich gebeutelt oder am Ende...da braucht man nicht viel Phantasie um sich vorzustellen was passiert wenn unsere Konjunktur einbricht....bisher hatten wir noch Glück...das wird nicht immer so bleiben.
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