Umfrage: Mehrheit der Manager befürwortet Reichensteuer

Die Regierung schont die Reichen - und stößt selbst bei Führungskräften auf Unverständnis. Laut einer Umfrage des manager magazin ist die Mehrheit der Wirtschaftsbosse für eine Vermögensteuer oder einen höheren Spitzensteuersatz. Allerdings gilt dies nur unter Vorbehalt.

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dpa

Millionärsmesse (in Moskau): Das Sparpaket der Regierung schon Spitzenverdiener

Hamburg - Die Wohlhabenden in Deutschland sollen stärker in die Pflicht genommen werden. Diese Forderung erheben nicht nur linke Parteien - sondern auch Führungskräfte aus der Wirtschaft. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des manager magazin unter 330 Entscheidungsträgern.

Konkret würden 54 Prozent im Fall von Steuererhöhungen am ehesten die Reichen belasten - entweder über eine Wiedereinführung der Vermögensteuer oder eine Anhebung des Spitzensteuersatzes für höhere Einkommensgruppen.

Diese sogenannte Reichensteuer hatten SPD, Grüne und Linkspartei immer wieder ins Gespräch gebracht, auch einzelne Unionspolitiker befürworten die Idee. Für die schwarz-gelbe Bundesregierung ist dies jedoch kein Thema: Ihr Sparpaket setzt vor allem bei den Sozialleistungen an, Spitzenverdiener werden geschont.

Dass sich nun ausgerechnet Spitzenvertreter der deutschen Wirtschaft für eine Reichensteuer aussprechen, ist eine Überraschung. Allerdings gilt ihre Forderung lediglich unter Vorbehalt - nämlich für den Fall, dass es ohnehin zu Steuererhöhungen komme. In dieser Situation würde die Mehrheit der Führungskräfte eine Belastung der Wohlhabenden für die beste Lösung halten.

Insgesamt wünscht sich ein Großteil der Befragten allerdings, die Bundesregierung möge Steuererhöhungen ganz vermeiden. Als Mittel gegen die Schuldenkrise bevorzugen die befragten Manager staatliche Sparmaßnahmen. So begrüßen denn auch 77 Prozent die aktuelle Kürzungspolitik der Bundesregierung.

Auch Prominente sprechen sich für Reichensteuer aus

Die Ergebnisse der manager-magazin-Umfrage spiegeln sich auch in einer Forsa-Erhebung wieder, die der "Stern" in Auftrag gegeben hat. Demnach würde ein Großteil der Bundesbürger mit hohem Einkommen angesichts der Schuldenkrise höhere Steuern in Kauf nehmen. 42 Prozent der Deutschen, die über ein Haushaltsnettoeinkommen von 4000 Euro und mehr verfügen, erklärten, sie seien zur Bewältigung der Krise grundsätzlich bereit, mehr Steuern zu entrichten. Ähnlich hoch ist der Prozentsatz in der Einkommensklasse zwischen 3000 und 4000 Euro netto im Monat. Sogar knapp jeder Dritte, der weniger als 3000 Euro netto im Monat verdient, würde angesichts der Haushaltskrise mehr zahlen.

Ihre Bereitschaft zu höheren Steuern erklären im "Stern" auch mehr als 50 Unternehmer, Prominente oder weniger bekannte, gut verdienende Bundesbürger. Ernst Prost, Chef des Motorenöl-Herstellers Liqui Moly, sagt: "Mir ist das ein Rätsel, warum die Politik Leute vor einer höheren Belastung verschonen will, die gar nicht verschont werden wollen."

Porsche-Konzernbetriebsratschef Uwe Hück hält es für "ungerecht und einen Skandal, wenn die Folgen der Krise nur von den Geringverdienern getragen werden". Hück wörtlich: "Ich erwarte von einer Regierung, dass sie Typen wie mich, die gutes Geld verdienen, stärker zur Kasse bittet".

Trübe Aussichten an der Börse

Was die Aussichten an der Börse anbelangt, zeigen sich die Führungskräfte in der manager-magazin-Umfrage skeptisch. Waren bei der letzten Befragung im Januar noch 71 Prozent der Ansicht, der Dax Chart zeigen werde in den kommenden zwölf Monaten 6000 oder mehr Punkte erreichen, stehen nun nur noch 60 Prozent hinter dieser Prognose.

Das manager magazin hatte vom 31. Mai bis zum 3. Juni 330 leitende Angestellte, Selbständige mit eigenen Betrieben sowie Freiberufler mit mindestens einem Beschäftigten befragt. Die Interviewteilnehmer wurden aus einem festen Personenkreis ausgewählt. Dazu gehören 1090 Entscheidungsträger aus verschiedenen Branchen und Regionen.

In der Umfrage sollten die Teilnehmer auch angeben, welchen Top-Managern sie vertrauen. Demnach hat BMW-Chef Norbert Reithofer erheblich an Ansehen gewonnen. 54 Prozent trauen ihm zu, den Münchner Autokonzern nach vorn zu bringen - ein Plus von 10 Prozentpunkten im Vergleich zur Januar-Befragung.

Angeführt wird die Liste von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, dessen Vertrauenswert allerdings um vier Punkte auf 75 Prozent nachgegeben hat. Das Schlusslicht des Rankings bildet Post-Vormann Frank Appel mit 18 Prozent.

wal

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Forum - Das Sparpaket - gerecht und ausgewogen?
insgesamt 11605 Beiträge
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1.
Sumerer 07.06.2010
Zitat von sysopDas größte Sparpaket in der Geschichte der Bundesrepublik ist beschlossen: Die schwarz-gelbe Regierung will den Etat bis 2014 um 80 Milliarden Euro kürzen. Einkommen- und Mehrwertsteuer werden zunächst nicht erhöht. Ist das Gesamtpaket Ihrer Meinung nach ausgewogen und gerecht?
Nein. Zuerst hätten die Verursacher des Schuldenberges der BRD an die denken müssen, die diesen beschlossen haben. Also an sich selbst.
2.
T. Wagner 07.06.2010
Mit dem, was ich so gelesen habe, kann ich durchaus leben. Ich bin zufrieden und hoffe nur, daß es den gewünschten Erfolg zeitigt.
3.
ergoprox 07.06.2010
Zitat von T. WagnerMit dem, was ich so gelesen habe, kann ich durchaus leben. Ich bin zufrieden und hoffe nur, daß es den gewünschten Erfolg zeitigt.
Genau, Hauptsache nicht selbst betroffen. So ist er, der deutsche Nichtsblicker.
4. Lach...
nixkapital 07.06.2010
Zitat von T. WagnerMit dem, was ich so gelesen habe, kann ich durchaus leben. Ich bin zufrieden und hoffe nur, daß es den gewünschten Erfolg zeitigt.
Wenn Sie die Meldung auf SPON meinen, scheinen Sie sich ja mit wenig bis nichts zufrieden zu geben. Bisher ist alles nur eine Absichtserklärung ohne konkrete Zahlen. Warten Sie mal ab, bis sich die Lobbyisten warmgelaufen haben, dann werden wir ja sehen, wer vor allem für alle sparen darf. Das werden weiterhin die Leute mit den kleinen Gehältern und die Arbeitslosen sein.
5.
T. Wagner 07.06.2010
Zitat von ergoproxGenau, Hauptsache nicht selbst betroffen. So ist er, der deutsche Nichtsblicker.
Von was sind Sie denn persönlich betroffen bei den geplanten Einsparungen? Fürchten Sie bereits jetzt schon, sich im Winter einen kalten Hintern zu holen, wenn die Heizkosten für Hartz-IV-Bezieher nicht mehr in voller Höhe übernommen werden?
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Die Bundesregierung hat ihr Sparpaket vorgelegt, Steuererhöhungen für Reiche sind darin nicht vorgesehen. Wie finden Sie das?


"Schongang für Vermögende"

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Eckpunkte des schwarz-gelben Sparpakets
Die schwarz-gelbe Regierung hat das größte Sparpaket in der Geschichte der Bundesrepublik geschnürt. 80 Milliarden Euro will sie bis 2014 einsparen. Der Überblick zeigt, in welchen Bereichen gekürzt wird.
Sozialleistungen
Dieser Bereich, der mehr als die Hälfte des Bundeshaushaltes ausmacht, soll effizienter werden. Grundsätzlich will die Koalition Pflichtleistungen in Ermessensleistungen umwandeln - etwa bei Eingliederungshilfen für Jobsuchende. Dies soll den Anreiz zur Annahme einer Arbeit erhöhen.
Arbeitslose
Bei den Leistungen für Arbeitslose setzt die Koalition den Rotstift an. So sollen die für zwei Jahre gezahlten Zuschläge beim Übergang vom Arbeitslosengeld I ins Arbeitslosengeld II ersatzlos gestrichen werden. Bisher werden Alleinstehenden im ersten Jahr bis zu 160 Euro monatlich gezahlt, im zweiten bis zu 80 Euro. Für Verheiratete gibt es maximal das Doppelte. Mit der Streichung will der Staat 200 Millionen Euro einsparen.
Hartz-IV-Empfänger
Hartz-IV-Empfängern soll das Elterngeld komplett gestrichen werden. Das Einsparpotential beträgt hier 400 Millionen Euro. Hartz-IV-Empfänger werden künftig auch nicht mehr rentenversichert. Der aus Steuergeldern bezahlte Rentenversicherungsbeitrag für Langzeitarbeitslose (1,8 Milliarden Euro jährlich) soll entfallen.
Bundesagentur für Arbeit und Arbeitslosenversicherung
Die Arbeitslosenversicherung soll künftig ohne Darlehen oder Zuschüsse auskommen. Dies könnte auf eine Erhöhung des Beitragssatzes über die für 2011 festgelegten drei Prozent hinauslaufen. Die Bundesagentur für Arbeit soll Leistungen stärker nach eigenem Ermessen gewähren können und dadurch ihre Ausgaben zwischen 1,5 und 3 Milliarden Euro drücken können.
Elterngeld
Gutverdienende Eltern bekommen künftig etwas weniger. Den Höchstbetrag von maximal 1800 Euro im Monat will die Koalition nicht antasten. Doch werden künftig nur noch 65 statt 67 Prozent als Berechnungsgrundlage genommen, wenn das Nettoeinkommen über 1240 Euro im Monat beträgt. Unterm Strich entlastet das den Bundesetat nach Erwartung der Regierung um 200 Millionen Euro im Jahr.
Heizkostenzuschuss
Der Heizkostenzuschuss für Wohngeldempfänger soll wegfallen. Die Regierung erwartet dadurch eine Entlastung um 100 Millionen Euro.
Subventionsabbau
Auf den Prüfstand sollen Finanzhilfen und Steuervergünstigungen. Durch Einschränkung der Ausnahmeregelungen von der Ökosteuer für besonders energieintensive Unternehmen sollen jährlich bis zu 1,5 Milliarden Euro mehr in die Staatskasse kommen.
Brennelementesteuer
Die Sondergewinne der Energiekonzerne aus der beabsichtigten Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke sollen abgeschöpft werden. Daraus erhofft sich die Regierung jährlich Zusatzeinnahmen von 2,3 Milliarden Euro.
Luftverkehrsabgabe
Für Flugpassagiere ist eine ökologische Luftverkehrsabgabe geplant. Sie soll jährlich etwa eine Milliarde Euro einspielen und bei Abflügen von deutschen Flughäfen erhoben und nach Kriterien wie Lärm und Energieverbrauch differenziert werden.
Finanzmarktabgabe
Mit einer Finanzmarkttransaktionssteuer sollen die Banken sich an den Kosten der Krise beteiligen. Die Bundesregierung setzt dabei auf eine internationale oder europäische Vorgehensweise, behält sich aber auch eine nationale Lösung vor. Angestrebt wird eine Lösung zum 1. Januar 2012.
Bahn
Die Deutsche Bahn soll einen erheblichen Teil ihrer künftigen Gewinne an den Bund als Eigentümer abführen. Von 2011 bis 2014 hat der Bund jeweils 500 Millionen Euro Dividendeneinnahmen eingeplant. Bisher konnte der bundeseigene Konzern Gewinne komplett behalten.
Bundeswehr
Bei den Streitkräften ist eine groß angelegte Reform geplant. Ziel ist es, ab 2013 jeweils zwei Milliarden Euro einzusparen. Die Rede ist von einer Reduzierung der Truppenstärke um 40.000 Berufs- und Zeitsoldaten. Es soll bei einem Wehr- und Ersatzdienst von sechs Monaten bleiben.
Bund und Beamte
Die Zahl der Bundesbeschäftigten soll bis 2014 um bis zu 15.000 Stellen sinken. Zudem sollen die Bundesbeamten 2011 auf die geplante Erhöhung des Weihnachtsgeldes verzichten. Dies bedeutet eine Kürzung der Bezüge um 2,5 Prozent. Generell sollen die Ausgaben des Bundes pauschal auf mittlere Sicht um 4,4 Milliarden Euro im Jahr gesenkt werden.
Berliner Stadtschloss
Der Aufbau des Berliner Schlosses wird auf Eis gelegt. Ursprünglich war der erste Spatenstich bereits für Anfang 2011 geplant. Die einstige Residenz der preußischen Könige und deutschen Kaiser soll nun erst von 2014 an wiederaufgebaut werden. Daraus ergeben sich Einsparungen in Höhe von 400 Millionen Euro.
Wer gewinnt, wer verliert
Corbis; DDP
Tiefe Einschnitte im Sozialetat, Milliardenbeiträge aus der Wirtschaft: Am Sparpaket der Bundesregierung sollen die Finanzen der Republik in den kommenden Jahren gesunden. SPIEGEL ONLINE analysiert, wer unter den Plänen am meisten leidet -: und wer vom Rotstift verschont bleibt...