Leistungsdruck Jeder Zweite geht trotz Krankheit zur Arbeit

Bei den Kollegen kommt das oft nicht gut an, beim Chef vielleicht eher: Jeder zweite Angestellte geht krank zur Arbeit. Laut einer Studie stehen die Betroffenen häufig unter Leistungs- und Zeitdruck. Forscher warnen vor Langzeitfolgen, die am Ende auch den Arbeitgebern schaden könnten.

Arbeiten trotz Erkältung: Viele Erwerbstätige schleppen sich krank zum Job
Corbis

Arbeiten trotz Erkältung: Viele Erwerbstätige schleppen sich krank zum Job


Dortmund - Mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen in Deutschland geht krank zur Arbeit. In einer Studie mit 20.000 Menschen gaben 57 Prozent an, dass sie trotz Krankheit nicht zu Hause bleiben. Die Teilnehmer wurden gefragt, wie oft sie in den vergangenen zwölf Monaten krank zur Arbeit gegangen seien. Im Durchschnitt gaben die Befragten 11,5 Tage an. Demgegenüber stehen 17,4 Tage, an denen sie nach eigenen Angaben krank zu Hause blieben.

Laut der Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin und des Bundesinstituts für Berufsbildung haben besonders Beschäftigte, die unter Leistungs-, Termin- und Zeitdruck leiden, Hemmungen, sich ins Bett zu legen. Außerdem spielten mangelnde Vertretungsmöglichkeiten und Angst vor Entlassung eine Rolle. Besonders betroffen seien Erwerbstätige in der Bau- und Landwirtschaft sowie in Sozial-, Erziehungs- und Gesundheitsberufen.

Von den 57 Prozent, die auch krank zur Arbeit gingen, ließen sich die meisten (36 Prozent aller Befragten) aber auch zeitweise krankschreiben. Manchmal gingen sie krank zur Arbeit, manchmal fehlten sie mit Krankenschein.

Die Forscher sehen den Durchhaltewillen der Betroffenen kritisch und warnen vor nachlassender Leistungsfähigkeit und einer abnehmenden Produktivität. Der Druck, ständig anwesend zu sein, könne negative Folgen für die Arbeitgeber haben. "Präsentismus ist der unsichtbare Teil des Eisbergs, der irgendwann in Form von Langzeit-Arbeitsunfähigkeiten und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zutage tritt", sagte Studienautorin Claudia Oldenburg. Weitere Untersuchungen zeigten, dass die Kosten des sogenannten Präsentismus mindestens so hoch seien, wie die Kosten von krankheitsbedingtem Fehlen.

Die Studie brachte auch Positives zutage. Denn mehr als ein Viertel der Studienteilnehmer ist offenbar robust. 27 Prozent der Befragten gaben an, sie seien überhaupt nicht krank gewesen.

mmq/dpa

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insgesamt 23 Beiträge
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Nonvaio01 05.02.2013
1. wie bloed
muessen die denn sein. gerade in D ist man doch sicher solange man eine bescheinigung vom Arzt hat. In der probezeit kann ich das ja noch verstehen, aber danach nicht mehr. Ich denke viele rennen in die Firma weil die sich fuer unverzichtbar halten, was aber nie so ist.
Flinsenberger 05.02.2013
2. Des wenn einer macht
Des wenn einer macht, der darf sich was anhören. Den ganzen Betrieb anstecken und nur die Hälfte leisten. Na merci.
textasy 05.02.2013
3. Definiere Krankheit...
Lieber den Ball flach halten und nicht gleich dauerhaft beeinträchtigte Leistungsfähigkeit orakeln. Was von den Befragten als Krankheit bewertet wurde, war in einer nicht ermittelbaren Anzahl wohl eher Befindlichkeitsstörung. Es kann durchaus besser sein, auch mit einer leichten Erkältung oder einem drückenden Kopf business as usual zu betreiben, anstatt sich zu Hause selbst leid zu tun. Im übrigen soll es auch Leute geben, die trotz Gesundheit nicht zur Arbeit gehen...
anon11 05.02.2013
4.
Zitat von sysopCorbisBei den Kollegen kommt das oft nicht gut an, beim Chef vielleicht eher: Jeder zweite Angestellte geht krank zur Arbeit. Laut einer Studie stehen die Betroffenen häufig unter Leistungs- und Zeitdruck. Forscher warnen vor Langzeitfolgen, die am Ende auch den Arbeitgebern schaden könnten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/umfrage-zum-job-deutsche-gehen-krank-zur-arbeit-a-881623.html
Und wenn es dann später mal krankheitsbedingt nicht mehr geht, heisst es "so schlimm kann es ja nicht sein, sie hatten all die Jahre ja kaum Fehlzeiten" Wenn ich krank bin, bin ich krank. Kollegen die meinten die Krankkschreibung eines anderen Kollegen öffentlich anzuzweifeln und ihn als Blaumacher verleumdeten, haben eine Abmahnung kassiert. Seit dem ist im Kollegenkreis eh Ruhe bezüglich solcher Themen.
Gaston 05.02.2013
5. Bei Kollegen
kommt dieser "Präsentismus" zwangsläufig oft sehr wohl gut an, besonders etwa im Gesundheitswesen, da diese bei der meist sehr dünnen Personaldecke einspringen müssen. Diese Kollegialität ist doch meist auch der Grund vieler Angestellter, krank zur Arbeit zu kommen - insbesondere im Schichtdienst.
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