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Umstrittene Thesen: DIW-Forscher entschärfen Fachkräftestudie

Der Arbeitsmarktexperte vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung bezeichnet den Fachkräftemangel in einer Studie als "Fata Morgana". Dumm nur, dass sein Chef vorher das Gegenteil gesagt hat. Jetzt veröffentlichen die Berliner Forscher einen überarbeiteten Text.

DIW-Arbeitsmarktexperte Brenke: Nicht erreichbar Zur Großansicht
Mike Schmidt

DIW-Arbeitsmarktexperte Brenke: Nicht erreichbar

Hamburg - Etwas für Statistik-Liebhaber ist der wöchentliche Bericht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung normalerweise. In dieser Woche ist das jedoch völlig anders. Der Grund: DIW-Arbeitsmarktforscher Karl Brenke hat eine Studie mit dem ohnehin schon umstrittenen Titel "Fata Morgana Fachkräftemangel" erarbeitet. Doch das eigentlich Problem ist, dass Brenkes Thesen so gar nicht zu früheren Aussagen von DIW-Präsident Klaus Zimmermann passen wollen.

SPIEGEL ONLINE hatte am Dienstag vorab über Brenkes Studie berichtet - und damit den Wirbel ausgelöst. Das DIW reagierte prompt - und verschob die ursprünglich für denselben Tag geplante Veröffentlichung auf Donnerstag. "Es gab einen hausinternen Diskussionsbedarf", erklärt DIW-Sprecher Carel Mohn den Rückzieher auf Anfrage. "Jetzt ist eine Textfassung gefunden worden, die Herrn Brenkes und Herrn Zimmermanns Meinung kompatibel macht."

Der Arbeitsmarktexperte Brenke hatte in seiner Studie einen akuten Fachkräftemangel bezweifelt. In wachstumsstarken Gebieten in Süddeutschland könnten zwar Arbeitskräfte fehlen - aber insgesamt sei in der Bundesrepublik kein knappes Angebot zu belegen. Denn Löhne für Fachkräfte sind kaum gestiegen, wie es bei Engpässen üblich wäre, es gibt auch mehr Arbeitslose mit Qualifizierung als offene Stellen und mehr Studienabsolventen in Technik und Naturwissenschaften.

Diese Aussagen wiedersprechen nicht nur jenen aus Politik, Wirtschaft und anderen Forschungsinstituten, sie stehen auch konträr zu Zimmermann. Der hatte erst im Sommer massiv für gelockerte Zuwanderungsregeln geworben, weil der Fachkräftemangel sonst den Aufschwung abwürgen könne.

Beim DIW wiegelt man die Dissonanzen allerdings ab: Es handle sich nur um minimale Abweichungen im Tenor. Die umstrittene Studie beziehe sich auf den Status quo, die Aussagen des Präsidenten auf die Zukunft.

So ist in der neuen Fassung der Studie nachträglich eine Passage eingefügt worden, die genau dies deutlich machen soll: "Die zeitliche Perspektive ist die aktuelle Situation - mit Blick auf die Ausbildung der nächsten vier bis fünf Jahre. Mittel- und längerfristige Trends sind nicht das Thema dieses Berichts."

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1. bla
allerfreund, 17.11.2010
---Zitat--- *Aus dem Artikel:* Die umstrittene Studie beziehe sich auf den Status quo, die Aussagen des Präsidenten auf die Zukunft. ---Zitatende--- Er kann in die Zukunft sehen! Deswegen ist er wohl "Praesident" und nicht bloss ein einfacher, detailversessener Sachbearbeiter.
2. Ups, da hat wohl ein übereifriger Mitarbeiter...
hman2 17.11.2010
...den Chef beim Lügen erwischt. Peinlich, wenn rauskommt, dass das DIW mal wieder heiße Luft abgesondert hat. Denn es stimmt: Wenn wir wirklich einen Fachkräftemangel hätten, wie von vielen behauptet, dann müssten _jetzt_ die Fachkräftegehälter steigen. Tun sie aber nicht.
3. Streik
Mickel 17.11.2010
Zitat von sysopDer Arbeitsmarktexperte vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung bezeichnet den Fachkräftemangel in einer Studie als "Fata Morgana". Dumm nur, dass sein Chef vorher das Gegenteil gesagt hat. Jetzt veröffentlichen die Berliner Forscher einen überarbeiteten Text. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,729674,00.html
Aha, den Abschwung abwürgen. So viele Wahrheit in einem Artikel. Respekt.
4. Das zeigt
ElOmda 17.11.2010
mal wieder was man von Experten halten soll. Die stehen mit beiden Beinen fest in der Luft, können hinterher genau erklären warum sie vorher Unrecht hatten und meinen sie hätten alle Weisheit der Welt gefressen. Überbezahlte Dilettanten, Quacksalber und Besserwisser. Interessenvertreter und Lobbyisten. Und schon Scheiß wird auch noch bezahlt. Gestern zum Thema die IHK und die Handwerkskammer in Kassel befragt : Wir haben keine Zahlen und wissen nichts. Eine Kreishandwerkerschaft: Wir haben keine Zahlen. Die BA soll se wissen. Die BA vermittelt wie die ARGE auf Stellen die schon lange besetzt sind weil alle Zahlen nicht aktuell sind. Ursache u. a. wer eine Stelle besetzt hat löscht nicht zwangsweise im Internet. Der Leiter der ARGE im gleichen Kreis in Nordhessen in einem Interview: "Zahlen darüber, wie erfolgreich das Mobil tatsächlich ist, gemessen an erfolgreichen Vermittlungen, gibt es nicht." http://www.hna.de/nachrichten/schwalm-eder-kreis/melsungen/fall-fuers-job-mobil-891097.html Von tuten und blasen keine Ahnung. Aber tröten !
5. Klare Taktik
demophon 17.11.2010
Zitat von hman2...den Chef beim Lügen erwischt. Peinlich, wenn rauskommt, dass das DIW mal wieder heiße Luft abgesondert hat. Denn es stimmt: Wenn wir wirklich einen Fachkräftemangel hätten, wie von vielen behauptet, dann müssten _jetzt_ die Fachkräftegehälter steigen. Tun sie aber nicht.
Genau. Und damit sie nicht steigen müssen, will die Wirtschaftslobby Fachkräfte aus dem Ausland ins Land holen, um immer ein Überangebot an Arbeitskräften zu bewahren.
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