Umstrittenes Großprojekt: Bahn rechnet mit Kostenschub für Stuttgart 21

Die Gegner von Stuttgart 21 sehen sich bestätigt: Das Großprojekt wird laut Bahn 370 Millionen Euro teurer als bislang kalkuliert. Damit liegen die Kosten zwar noch im vertraglichen Rahmen - der Puffer ist aber zur Hälfte aufgebraucht.

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Stuttgart-21-Gegner: Neue Risiken, höhere Kosten

Stuttgart - Über Monate zogen sich Schlichtung und Stresstest hin, im November folgt nun noch eine Volksabstimmung: Nichts hat die Streithähne bei Stuttgart 21 bislang versöhnen können. Statt sich anzunähern, scheinen sich die beiden Lager immer störrischer zu bekämpfen. Für die Gegner des neuen, unter die Erde gelegten Bahnhofs dürfte die korrigierte Kostenrechnung daher wie eine Bestätigung sein, ganz nach dem Motto: Wir haben es ja immer schon gesagt.

Denn die Bahn deutet nun an, dass das Großprojekt in der baden-württembergischen Landeshauptstadt 370 Millionen Euro teurer werden dürfte. Das wurde informell nach einer Sitzung des Bahn-Aufsichtsrats bekannt.

Beim Konzern wird diese Schätzung recht kühl kommentiert: Immerhin bleibe man immer noch deutlich unter der vereinbarten Obergrenze von 4,5 Milliarden Euro. Allerdings ist der Puffer von insgesamt 760 Millionen Euro nun bereits knapp zur Hälfte aufgebraucht. Und bei den genannten 370 Millionen Euro sind auch nur Risiken aus der Planung und bisherigen Auftragsvergabe enthalten.

Richtig teuer könnte es allerdings noch mal werden, wenn die eigentlichen Bauarbeiten Mitte 2012 beginnen. Für diesen Zeitraum seien allerdings "derzeit keine verlässlichen Summen zu möglichen Risiken zu ermitteln", zitiert die "Welt" Mitglieder des Bahn-Kontrollgremiums.

Bahn-Verantwortliche verschärfen den Ton

Die Zeitung berichtet weiter, bei mehreren großen Auftragsvergaben sehe sich die Bahn "voll im Plan". Doch es gebe Fälle, die nicht so glattliefen, zum Beispiel bei einem Tunnelprojekt. Das werde wohl nach aktuellem Stand deutlich teurer als gedacht. Hinzu kämen Mehrausgaben für die Planung.

Vor dem Treffen mit Vertretern von Stadt und Landesregierung am Freitag verschärften einige Vertreter des Bahn-Aufsichtsrats nun den Ton: Man sei nicht bereit, die Kosten der Vorschläge aus dem Schlichterspruch des Vermittlers Heiner Geißler zu übernehmen. Außerdem werde die Bahn an der Tieferlegung des Bahnhofs festhalten, egal wie der Volksentscheid im November ausgeht, zitiert die "Welt" eine namentlich nicht genannte Person.

Ein Affront für die Projektgegner, der auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE im Konzern trocken kommentiert wird: "Da alle Umfragen eine klare Mehrheit für Stuttgart 21 vorhersagen, stellt sich diese Frage überhaupt nicht." Insgesamt machen die Bahn-Verantwortlichen den Eindruck, als reiche es ihnen langsam mit den ewigen Diskussionen. Wie dieser Kurs bei der grün-roten Landesregierung von Winfried Kretschmann ankommt, dürfte bereits beim Treffen am Freitag zu beobachten sein.

cte/dapd

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insgesamt 87 Beiträge
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1. wsd
Juergen Wolfgang, 23.09.2011
Zitat von sysopDie Gegner von Stuttgart 21 sehen sich bestätigt: Das Großprojekt wird laut Bahn 370 Millionen Euro teurer als bislang kalkuliert. Damit liegen die Kosten zwar noch im vertraglichen Rahmen*- der Puffer ist aber zur Hälfte aufgebraucht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,787958,00.html
Heute 370 Mio. Morgen 500 Mio. übermorgen 1000 Mio. Die Bahn macht das nach Art Salamitaktik. Scheibchen für Scheibchen rausrücken mit der Wahrheit. Je nach Baufortschritt. Dann ist ein Baustopp nicht mehr möglich. Und der Mappus sowie die Gönner wussten davon, da bin ich sicher!! Schauen wir mal...... Ich werde hoffentlich das Ergebniss erleben und dann sehen was S21 tatsächlich gekostet hat!! Aber dann wird natürlich keiner die Konsequenzen tragen und Verantwortung schon gar nicht. Der dumme Steuerzahler wird es den Provitören hinterher schmeisen!
2. ...
dickebank, 23.09.2011
Zitat von sysopDie Gegner von Stuttgart 21 sehen sich bestätigt: Das Großprojekt wird laut Bahn 370 Millionen Euro teurer als bislang kalkuliert. Damit liegen die Kosten zwar noch im vertraglichen Rahmen*- der Puffer ist aber zur Hälfte aufgebraucht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,787958,00.html
Aufschlussreich ist doch nur die Frage, welche Kosten werden dem Bhf. und welche den Zu- bzw. Ableitungstunneln zugerechnet. Die Kosten für den Bhf. sind überschaubar. Die Schwaben stecken in einer Zwickmühle, aus der sie nicht rauskommen. Über den Bhf. dürfen sie vielleicht noch landesintern abstimmen (Volksbefragung), aber über die Streckenführung eben nicht. Wenn die bahn den verkehr unterirdisch durch Stuttgart leitet ist das ihr Problem. Wenn die Stuttgarter keinen Tiefbahnhof wollen ist das ihr Problem. warum sich jetzt die Stuttgarter Wurbürger mit der Bahn streiten ist mir nicht ersichtlich. Sollen doch die wutbürger den Bahnhof und das Gleisvorfeld von der Bahn kaufen, die Bahn kann ihr Vorhaben ja immer noch darunter erstellen. Sie muss sich nur bei der Grundstücksübertragung die entsprechenden rechte sichern.
3. ....
Wolf_68, 23.09.2011
Zitat von sysopDie Gegner von Stuttgart 21 sehen sich bestätigt: Das Großprojekt wird laut Bahn 370 Millionen Euro teurer als bislang kalkuliert. Damit liegen die Kosten zwar noch im vertraglichen Rahmen*- der Puffer ist aber zur Hälfte aufgebraucht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,787958,00.html
....wie nicht anders zu erwarten war. Und ich behaupte, die 370 Millionen werden auch nicht langen.
4. Erinnern wir uns nicht an andere weit überschrittene Kostenvoranschläge?
Themostikles 23.09.2011
Wie war das denn mit dem EURO-Fighter? Wie wurde der veranschlagt und wie dann bezahlt? Was ist mit der Lachnummer der Hamburger Elb Symphonie? http://de.wikipedia.org/wiki/Elbphilharmonie * In ersten Planungen wurde von 77 Millionen Euro ausgegangen. * Bei Baubeginn von 114 Millionen Euro. * Im Jahr 2008 ging man von 323 Millionen Euro aus. * Im Jahr 2011 wurden die Gesamtkosten auf 476 Millionen Euro veranschlagt. Genau wegen dieser bei allen Bürgern bekannten Kostenexplosionen bei öffentlichen Vorhaben ist Stuttgart gegen das Bauvorhaben. Denn natürlich wird mit allen Mitteln getrickst. Das kam auch bei der Anhörung heraus: es waren keine belastbaren Zahlen vorhanden. Und das mit voller Absicht. In einer Salamitaktik kommt die Wahrheit allmählich ans Licht, wobei dann mit dem Finger auf das Gegenüber gewiesen wird: Der hat teure Nachbesserungen verlangt! Das ist der Grund für die Kostenexplosion. Immer das gleiche Vorgehen, nur in Stuttgart wohnen die Cleverles, und die haben es sofort gemerkt. Ich bin übrigens aus Norddeutschland. Grüsse nach Stuttgart, zeigt es ihnen!
5. L`´´etat c`est moi!
Werner655 23.09.2011
Zitat von sysopDie Gegner von Stuttgart 21 sehen sich bestätigt: Das Großprojekt wird laut Bahn 370 Millionen Euro teurer als bislang kalkuliert. Damit liegen die Kosten zwar noch im vertraglichen Rahmen*- der Puffer ist aber zur Hälfte aufgebraucht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,787958,00.html
Man sei nicht bereit, die Kosten der Vorschläge aus dem Schlichterspruch des Vermittlers Heiner Geißler zu übernehmen. Außerdem werde die Bahn an der Tieferlegung des Bahnhofs festhalten, egal wie der Volksentscheid im November ausgeht, zitiert die "Welt" eine namentlich nicht genannte Person. [QUOTE=sysop;8777628] "Egal wie der Volksentscheid ausgeht"...das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen! Die gierigen Wölfe streifen die letzten Fetzen ihres Schaaffelles ab. Nicht wirklich überraschend und wieder einmal ein Indiz dafür, wer in unserem Land glaubt das Sagen zu haben, und es möglicherweise diese Macht bereits durchgängig hat. Gewohnheitsrecht gewissermaßen...
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