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Umstrittenes Privat-Darlehen: Wulff sparte Tausende Euro

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Ein fragwürdiger Privatkredit bringt Bundespräsident Christian Wulff in Bedrängnis. Wie viel Geld aber hat er damit eigentlich gespart? Nach Berechnung eines Finanzexperten dürfte es sich um eine fünfstellige Summe gehandelt haben.

Bundespräsident Christian Wulff: Mit Privatkredit Zehntausende Euro gespart Zur Großansicht
dapd

Bundespräsident Christian Wulff: Mit Privatkredit Zehntausende Euro gespart

Dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff ging es im Herbst 2008 wie Millionen Häuslebauern. Er brauchte einen Kredit, doch die Bedingungen waren ungünstig. Mitte September hatte die Pleite der Bank Lehman-Brothers die Finanzmärkte in eine Art Schockstarre versetzt. Wer sich damals Geld leihen wollte, musste viele Sicherheiten vorweisen. Wer welches übrig hatte, bekam nur relativ niedrige Guthabenzinsen. In dieser Situation kamen die Unternehmer-Gattin Edith Geerkens und Wulff zusammen: Sie konnte an den Zinsen verdienen, er bequem ein Haus finanzieren: Kaufpreis: 415.000 Euro.

Für Wulff war das nach Experten-Berechnungen ein gutes Geschäft. Im Oktober 2008 unterzeichneten der CDU-Politiker und seine Ehefrau Bettina einen Darlehensvertrag über 500.000 mit Edith Geerkens; wenngleich das Geld für den Kredit nach SPIEGEL-Informationen de facto von ihrem Gatten Egon Geerkens selbst stammen könnte.

Die Konditionen waren günstig: Bisherigen Informationen zufolge war der Kredit nicht an einen bestimmten Zweck gebunden und sollte fünf Jahre laufen. Die Vertragspartner vereinbarten vier Prozent Zinsen. Über die gesamte Laufzeit sollte Wulff nur die Zinsen zahlen - die Kreditsumme war erst am Ende fällig.

Wie hoch die Zinsen für einen klassischen Kredit bei einer Bank ausgefallen wären, lasse sich wenigstens annähernd bestimmen, sagt Jörg Sahr von der Zeitschrift "Finanztest". Im Oktober 2008 lagen demnach die Zinsen schon für Banken bei annähernd fünf Prozent.

Hauskäufer, die 40 bis 50 Prozent Eigenkapital mitbringen, können in der Regel damit rechnen, dass die Bank im besten Fall auf einen fünf Jahre laufenden Kredit nur eine geringe Marge von einem halben Prozent aufschlägt, sagt Sahr. Wer sich aber 120 Prozent des Kaufpreises leihe, wie es Wulff 2008 getan hat, muss dem Finanzexperten zufolge normalerweise Risikoaufschläge von einem bis anderthalb Prozent in Kauf nehmen. Wulff hätte also mit einem Zinssatz von 6 bis 6,5 Prozent rechnen müssen. Mit dem Privatkredit von vier Prozent hatte er also ein gutes Geschäft gemacht - in fünf Jahren hätte er zwischen 50.000 Euro und 60.000 Euro gespart.

Im Februar 2010 besorgte sich Wulff allerdings einen Kredit bei der BW-Bank und zahlte den Geerkens das Geld zurück. Ein Grund dafür könnte Druck von außen gewesen sein - die Umschuldung erfolgte erst, nachdem die Opposition im niedersächsischen Landtag kritisch nachgefragt hatte.

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1. Redlichkeit
wohlmein 17.12.2011
Zitat von sysopEin*fragwürdiger Privat-Kredit bringt Bundespräsident Christian Wulff in Bedrängnis. Wie viel Geld aber hat er damit eigentlich gespart? Nach Berechnung*eines Finanzexperten dürfte es sich um eine fünfstellige Summe gehandelt haben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,804327,00.html
Vom Staatsoberhaupt erwartet man Redlichkeit. Nicht mehr und nicht weniger.
2. Rudert der SPIEGEL zurück
Palmstroem 17.12.2011
Zitat von sysopEin*fragwürdiger Privat-Kredit bringt Bundespräsident Christian Wulff in Bedrängnis. Wie viel Geld aber hat er damit eigentlich gespart? Nach Berechnung*eines Finanzexperten dürfte es sich um eine fünfstellige Summe gehandelt haben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,804327,00.html
In diesem Artikel wimmelt es geradezu von "könnte" und "dürfte"! Nach der Erklärung der Eheleute Geerkens, daß entgegen anderslautenden Darstellungen der Kredit sehr wohl von der Ehefrau stammte, sollte der SPIEGEL endlich Beweise auf den Tisch legen. Stattdessen nun hypotethische Berechnungen zu liefern ist für guten investigativen Journalismus zu wenig!
3. :-)
-volver- 17.12.2011
Also gut. Herr Wulff hat also ein endfällliges Darlehen mit einem Zinsatz von 4 Prozent Zinsen aufgenommen... von einem Geschäftsmann. Ok... wo ist das Problem? Dass er damals als Ministerprasident die unwahrheit gesagt hat? Gut, das verstehe ich. Aber was an einem Darlehen - auch wenn es privat vergeben ist - so brisant ist, leuchtet mir nicht ganz ein.
4. Viel Lärm um nichts!
methusa 17.12.2011
Zitat von sysopEin*fragwürdiger Privat-Kredit bringt Bundespräsident Christian Wulff in Bedrängnis. Wie viel Geld aber hat er damit eigentlich gespart? Nach Berechnung*eines Finanzexperten dürfte es sich um eine fünfstellige Summe gehandelt haben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,804327,00.html
Was ist denn wirklich passiert? Statt auf dem Bankensektor hat sich ein Hauskäufer auf dem privaten Markt ein günstiges Darlehen besorgt. So what?
5. niedrige Guthabenzinsen
abumachuf 17.12.2011
Tatsächlich könnte es für beide Seiten ein gutes Geschäft gewesen sein, nämlich dann, wenn der Unternehmer von den Banken weniger Zinsen als von Wulff erhalten hätte. Und Sie schreiben auch "bekam nur relativ niedrige Guthabenzinsen." Dann sind Privatkredite ein legitimes Mittel, um die Margen der Banken zu umgehen.
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