Effizienz-Initiative Altmaier bricht Stromspar-Versprechen

Bis zu 100 Millionen Euro wollte Umweltminister Altmaier 2013 zusätzlich ausgeben, um privaten Haushalten beim Stromsparen zu helfen. Jetzt muss die Bundesregierung zugeben: Bislang ist nur ein kleiner Bruchteil geflossen - unter anderem in eine Webseite, die kaum jemand kennt.

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Umweltminister Altmaier (im Oktober 2012): Schöne Prosa, wenig Konkretes
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Umweltminister Altmaier (im Oktober 2012): Schöne Prosa, wenig Konkretes


Hamburg/Berlin - Peter Altmaier (CDU) erlebte im vergangenen Herbst etwas eher Seltenes: Er wurde von vielen Seiten gelobt. Der Bundesumweltminister hatte eine Stromsparinitiative gestartet und dazu unter anderem Verbraucherschützer, Kirchen, die Energiewirtschaft und Kommunen zu einem Runden Tisch zusammengerufen. Gemeinsam will man private Haushalte dabei unterstützen, Strom zu sparen - vor allem durch intensive Beratung, aber auch durch Zuschüsse zu energieeffizienten Haushaltsgeräten für Einkommensschwache.

Altmaier wollte sich das einiges kosten lassen. Nach der bislang letzten Sitzung der Runden Tisches am 21. November 2012 verkündete er öffentlich, "dass der Bundesumweltminister im nächsten Jahr zusätzlich zwischen 50 und 100 Millionen Euro in die Hand nehmen wird, um das Thema Stromsparen weiter voranzubringen" (Hier ein Video des Auftritts). Doch passiert ist bislang wenig. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Fraktion hervor, die SPIEGEL ONLINE vorliegt.

Auf die Frage, welche konkreten Maßnahmen durchgeführt oder geplant werden, verweist die Bundesregierung nur auf eine vom Umweltministerium zusätzlich finanzierte: die Internetplattform der Stromsparinitiative, die im November 2012 eingerichtet wurde. Kostenpunkt: 600.000 Euro. Auf ihr erhalten Verbraucher Energiespartipps und können unter anderem per interaktivem "StromCheck" prüfen, wie hoch ihr Verbrauch im Vergleich ist und wo sie möglicherweise sparen können. Zudem bietet die Seite eine Suche nach einer persönlichen Energieberatung vor Ort, wie sie etwa Verbraucherzentralen oder die Caritas anbieten.

600.000 Euro für 10.000 Suchen nach Vor-Ort-Beratung

Das Problem ist nur: Kaum ein Verbraucher verirrt sich auf die Seite, und noch weniger nutzen deren Angebote. Insgesamt verzeichnete sie der Bundesregierung zufolge von November 2012 bis Mai 2013 exakt 76.558 Besuche - mit abnehmender Tendenz. Riefen im November noch mehr als 25.000 Besucher die Seite auf, waren es im Mai nur noch knapp 6000. Laut der Statistik auf der Seite haben in den knapp acht Monaten des Bestehens bislang nicht einmal 30.000 Nutzer den "StromCheck" durchgeführt, davon mehr als die Hälfte allein im vergangenen November. Seit April machen ihn nicht einmal mehr tausend Besucher im Monat. Und nur 10.139-mal wurde bislang nach einer Stromberatung vor Ort gesucht.

Obwohl die von der Bundesregierung genannten 600.000 Euro nur einen Bruchteil der von Altmaier in Aussicht gestellten zusätzlichen 50 bis 100 Millionen Euro darstellen, erscheint die Website gemessen an ihrem bisherigen Erfolg ziemlich teuer: Jede Suche nach Vor-Ort-Beratung kostete demnach bislang 60 Euro Steuergeld. Wohlgemerkt: Die Suche nach einer Dienstleistung, die sich auch via Google ziemlich einfach finden lässt.

Zudem ist offenbar völlig unklar, wie viele der Nutzer nach der Suche überhaupt eine Energieberatung in Anspruch genommen haben - geschweige denn, ob es eine vom Ministerium geförderte war. "Im Rahmen einer Evaluierung soll ermittelt werden, wie viel Prozent dieser Anfragen zu einer Beratung vor Ort führten", schreibt die Bundesregierung in der Antwort auf die Kleine Anfrage. Wobei die Evaluation noch einmal Steuergeld kosten dürfte.

Auf Nachfrage verweist das Bundesumweltministerium jedoch darauf, dass ein Posten in der Antwort auf die Kleine Anfrage schlicht vergessen worden sei: Die Beratung für einkommensschwache Haushalte, die unter anderem durch die Caritas durchgeführt werde. Das Projekt besteht grundsätzlich schon länger, in diesem Jahr sei es das Ziel, 150.000 Haushalte zusätzlich zu beraten. Insgesamt stünden für das Projekt in diesem Jahr 18 Millionen Euro zur Verfügung. Allerdings ist unklar, wie viel Geld das Ministerium dafür in diesem Jahr auch wirklich mehr ausgibt als 2012 - Altmaier hatte ja ausdrücklich von zusätzlichen Mitteln gesprochen. Zudem stellt das Ministerium vage weitere Förderprojekte in Aussicht, die sich "möglicherweise durchaus noch in diesem Jahr" ergeben könnten.

Von den Grünen erntet Altmaier für diese Bilanz harsche Kritik: "Mit seiner großspurig angelegten 'Kampagne' hat Altmaier gerade mal 0,25 Promille der 40 Millionen Haushalte erreicht. Das erinnert mehr an homöopathische Behandlungsformen als an flächendeckende Energieberatung", sagt Oliver Krischer, Energieexperte der Bundestagsfraktion.

"Reine Werbeveranstaltung für den Umweltminister"

Auch einige Teilnehmer der Stromsparinitiative zeigen sich von Altmaier enttäuscht. An diesem Mittwochvormittag trafen sich Vertreter von ihnen im Umweltministerium. Dabei wurde auch über eine gemeinsame Charta gestritten. Einige Verbände halten den vom Umweltministerium vorgelegten Entwurf für derart dürftig, dass sie nach Informationen von SPIEGEL ONLINE die Unterschrift verweigern wollen.

Dazu gehört die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Zwar sei es grundsätzlich der richtige Weg, viele gesellschaftliche Akteure zu vernetzen, um Verbrauchern beim Stromsparen zu helfen. "Das unterstützen wir ausdrücklich", sagt deren Klimaschutzexperte Udo Sieverding SPIEGEL ONLINE. Dennoch werde man eine derartige Charta "nicht unterschreiben, weil sich das Bundesumweltministerium darin abseits schöner Prosa zu keinen konkreten Maßnahmen verpflichtet".

Als Beispiele für solche Maßnahmen nennt Sieverding unter anderem eine Abwrackprämie für alte und stromfressende Kühlschränke oder Heizungspumpen sowie eine verstärkte Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsministerium. "Doch dazu enthält das Papier nichts." Sieverdings Fazit: "In dieser Form ist es kurz vor den Bundestagswahlen eine reine Werbeveranstaltung für den Umweltminister."



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Seite 1
townsville 03.07.2013
1. 600.000
Für diesen Typo3-Schund? Ach, öffentliche Aufträge müsste man haben...
warndtbewohner 03.07.2013
2. Oh man greift sich an den Kopf........
wenn ich diesen Fettwanst, Schonredner, Schaumschläger und Blender seh hab ich schon genug. Wieso kann man mit dem Politik machen???
spiegelleser987 03.07.2013
3. Ich habe mal die ...
Zitat von sysopDPABis zu 100 Millionen Euro wollte Umweltminister Altmaier 2013 zusätzlich ausgeben, um privaten Haushalten beim Stromsparen zu helfen. Jetzt muss die Bundesregierung zugeben: Bislang ist nur ein kleiner Bruchteil geflossen - unter anderem in eine Webseite, die kaum jemand kennt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/umweltministerium-gab-bislang-sehr-wenig-fuer-stromsparinitiative-aus-a-909161.html
Ich habe mal die 1000-Euro-Stromspar-Wettbewerbs-Seite besucht. Das lohnt sich wirklich. Zumindest für Saturn. Die stehen dort als Sponsor und bieten stromsparende Waschmaschinen, Kühlschränke, ... an
stranzjoseffrauss 03.07.2013
4. Abwärmekonzepte
kann der Herr Altmeier glaubhaft persönlich darstellen.
hanswolfgangsieger 03.07.2013
5. Altmeier und seine Verbrechen
Zitat von sysopDPABis zu 100 Millionen Euro wollte Umweltminister Altmaier 2013 zusätzlich ausgeben, um privaten Haushalten beim Stromsparen zu helfen. Jetzt muss die Bundesregierung zugeben: Bislang ist nur ein kleiner Bruchteil geflossen - unter anderem in eine Webseite, die kaum jemand kennt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/umweltministerium-gab-bislang-sehr-wenig-fuer-stromsparinitiative-aus-a-909161.html
Es ist bei den Schwarzen immer daselbe, große Klappe und nichts dahinter. Was hat der Unweltenminister bis heute positives auf den Weg gebracht, außer heiße Luft rein garnichts. Diese unsägliche Regierung soll endlich den Hut nehmen und nicht immer den kleinen Leuten das Geld aus dem A... ziehen. Eine Rentenerhöhung von 0,25% ist das Ergebnis von Misswirtschaft der SCHWARZ-GELBEN Regierung und es wird Zeit diese Armleuchter endlich auf die harte Oppositionsbank zuschicken und die FDP soll im Nichts verschwinden, den solche Dummschwätzer brauchen wir nicht.
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