Referendum zur Unabhängigkeit Schottland ohne Pfund - aber mit Euro

Die britische Regierung hat eine Währungsunion mit einem unabhängigen Schottland ausgeschlossen. Können die Schotten auch ohne Pfund den Alleingang wagen? Die Wirtschaft wäre solide genug, aber das Land müsste wohl der Euro-Zone beitreten.

Von , London

Schatzkanzler Osborne in Edinburgh: Droht mit dem Rauswurf aus dem Pfund
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Schatzkanzler Osborne in Edinburgh: Droht mit dem Rauswurf aus dem Pfund


George Osborne war extra in die schottische Hauptstadt gereist, um seiner Drohung maximale Wirkung zu verschaffen. Eine Währungsunion zwischen Großbritannien und einem unabhängigen Schottland sei ausgeschlossen, erklärte der britische Schatzkanzler am Donnerstag in Edinburgh. Ein solches Konstrukt wäre "instabil" und würde nicht funktionieren.

Es war eine überparteiliche Machtdemonstration. Gleich nach der Rede schlossen sich der liberal-demokratische Finanzstaatssekretär Danny Alexander und der Schatten-Finanzminister der Labour-Partei, Ed Balls, dem Konservativen Osborne an. Die Botschaft des Trios war unmissverständlich: Sollten die Schotten beim Referendum am 18. September für die Unabhängigkeit stimmen, müssten sie dem Pfund Goodbye winken - egal, wer in London regiert.

Die Nationalisten in Schottland reagierten empört auf das "Mobbing" aus London. Dies sei bloß ein Bluff, um die Wähler zu verschrecken, sagte Separatistenführer Alex Salmond. Nach dem Referendum werde man sich an einen Tisch setzen und über das Pfund verhandeln. In ihrem Fahrplan zur Unabhängigkeit hatte die schottische Regierung die Beibehaltung der Währung versprochen.

Doch spricht einiges dafür, dass Osbornes Warnung keine leere Drohung ist. Experten halten eine Währungsunion für unrealistisch, weil sie eine weitreichende wirtschaftspolitische Koordinierung und Risikoteilung erfordern würde. Diesen Preis wollen weder London noch Edinburgh zahlen.

Bankensektor größer als in Irland oder Zypern

Aber könnte Schottlands Wirtschaft auch ohne Pfund überleben? Die naheliegende Antwort ist Ja. Andere kleine Volkswirtschaften haben schließlich auch ihre eigene Währung. Doch ist der Fall Schottland etwas komplizierter: Die Bilanzsumme der hiesigen Banken ist zwölfmal so groß wie die schottische Wirtschaftsleistung. Die Branche ist damit noch überdimensionierter als die Bankensektoren von Irland, Island oder Zypern. Das ist kein Problem, solange eine große Notenbank wie die Bank of England ein Sicherheitsnetz bereithält. Doch ohne diesen Rückhalt droht Schottland im Fall einer Bankenpleite der Staatsbankrott. Die Rettung der Royal Bank of Scotland etwa hätte Edinburgh überfordert.

Eine eigene Währung wäre für Schottland daher nur vertretbar, wenn der Bankensektor deutlich schrumpfen würde. Die Branche trägt aber neun Prozent zur schottischen Wirtschaftsleistung bei und schafft sieben Prozent der Arbeitsplätze. Auf diesen Wachstumsmotor werden die Schotten ungern verzichten.

Als Alternative bliebe dann nur der Beitritt zur Euro-Zone - und der Schutz durch die Europäische Zentralbank (EZB). Dieses Szenario wäre im Fall der schottischen Unabhängigkeit am wahrscheinlichsten. Als neues EU-Mitglied müsste sich Schottland ohnehin zum Euro-Beitritt verpflichten. Diese Tatsache jedoch will die schottische Regierung ihren Wählern nicht eingestehen. Der Euro ist in Schottland ebenso unpopulär wie im Rest Großbritanniens, 80 Prozent wollen das Pfund behalten.

Boomender Exportsektor

Die britische Regierung setzt darauf, dass die Angst vor dem Euro so groß ist, dass die Schotten schon deshalb für einen Verbleib im Vereinigten Königreich stimmen werden.

Die Währungsfrage ist zweifellos ein Schwachpunkt der Nationalisten. Doch abgesehen davon könnte Schottland wirtschaftlich den Alleingang wagen. Die Einnahmen aus den Ölplattformen in der Nordsee, die bislang in den britischen Staatshaushalt fließen, würden überwiegend dem schottischen Etat zugutekommen. Der Großteil des britischen Schuldenbergs hingegen würde in London bleiben. Die schottischen Staatsfinanzen wären daher gesünder als die britischen.

Auch ist Schottland laut der Beratungsfirma Ernst & Young nach London der beliebteste Standort für ausländische Investoren in Großbritannien. Zwar würden einige Unternehmen, nicht zuletzt aus der Finanzbranche, nach der Unabhängigkeit wohl gen Süden abwandern. Aber die schottische Regierung will nach dem Vorbild Irlands durch Steuersenkungen dagegenhalten.

Schon jetzt hat Schottland einen florierenden Exportsektor: Neben Ölprodukten werden vor allem Lebensmittel (Whisky, Lachs, Fleisch), aber auch Maschinen, Elektronik und Dienstleistungen verkauft. Ein weiterer Boomsektor ist der Tourismus. "Schottland kann auf seinen eigenen Füßen stehen", sagt Michael Fry, Gründer der Kampagne "Wealthy Nation".

Doch soll es so weit kommen, müssten die Schotten wohl erst ihre Aversion gegen den Euro ablegen.



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insgesamt 126 Beiträge
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sysiphus-neu 13.02.2014
1. Daumen drücken
Ich gönne den Schotten ihre Unabhängigkeit. Noch mehr aber gönne ich dem ehemaligen Empire das Schrumpfen auf die englischen Landesgrenzen des 17.Jahrhunderts. Hochmut kommt eben oft vor dem Fall...
spontifexmaximus 13.02.2014
2. Wie schön...
...wäre es doch, wenn wir endlich die Queen auf dem Euro hätten. Also los, ihr Schotten, verweigert euch dem Euro nicht!
monolithos 13.02.2014
3. Kleinbritannien ohne Euro, Schottland mit Euro!
Natürlich wird die Euro-Zone Schottland als neues Mitglied willkommen heißen. Soll das verbleibende Kleinbritannien doch sehen, wie weit es mit seinem Pfund kommt! Wenn der Euro seine Kinderkrankheiten mal ausgekriselt hat, wird man in London erkennen, dass es falsch war, mit der Euro-Ablehnung die Schotten aus dem Vereinten Königreich rauszuekeln. Am besten verlässt Kleinbritannien dann auch die EU, gegen die sie ohnehin zu sehr wettern.
sacuricius 13.02.2014
4. Warum nicht?
Der Euro wäre für Schottland eine gute Alternative, insbesondere wenn sie sich dem kont
Am_Rande 13.02.2014
5. Euro-Einführung frühestens im Jahr 2019
Mal sehen: - die Schottische Nationalpartei (SNP) strebt den 16. März 2016 als Tag der Unabhängigkeit an. - die Konvergenzkriterien der EU sehen eine Mindestfrist von 2 Jahren vor, bevor sich eine Währung als reif für den Euro erwiesen hat. Also kann Schottland frühestens am 01. Januar 2019 den Euro einführen. 5 Jahre sind eine lange Zeit in der Politik.
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