Unabhängigkeit von China und Co.: Brüssel startet Rohstoffoffensive

Allzu viele Rohstoffe gibt es in Europa nicht, trotzdem will die EU-Kommission den heimischen Abbau forcieren. Grund ist die hohe Importabhängigkeit von Ländern wie China - die Industrie fürchtet bereits einen Ressourcen-Engpass.

Eisenerzmine (in Australien): Europa fürchtet um seine Rohstoffversorgung Zur Großansicht
REUTERS

Eisenerzmine (in Australien): Europa fürchtet um seine Rohstoffversorgung

Brüssel - Die Europäische Union will den Abbau von Industriemineralien in Europa forcieren. Die Mitgliedstaaten müssten dafür die Voraussetzungen schaffen, fordert die EU-Kommission in einem am Mittwoch vorgelegten Strategiepapier. Unter anderem sollten Genehmigungsverfahren für den heimischen Rohstoffabbau verkürzt werden.

Hintergrund ist der Wettlauf mit den Schwellenländern um die weltweiten Ressourcen. Nationen wie China fragen immer mehr Rohstoffe nach, gleichzeitig erschweren Exportbeschränkungen den internationalen Handel. Hauptstreitpunkt waren in jüngster Zeit die sogenannten Seltenen Erden - spezielle Metalle, die für Hightech-Produkte nötig sind und die bisher vor allem in China abgebaut werden.

Laut Schätzungen finden sich immerhin sieben Prozent der weltweiten Vorkommen von Seltenen Erden auf dem Gebiet der EU. "Wir wollen das Potenzial finden", sagte EU-Industriekommissar Antonio Tajani.

Kritik kommt von internationalen Organisationen

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) begrüßte die Initiative der Europäischen Union. Es müsse jedoch der gesetzliche Rahmen - beispielsweise für Genehmigungsverfahren - angepasst werden, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben.

Experten zweifeln allerdings, ob die bislang nicht genutzten Vorkommen in Europa kostendeckend gefördert werden können. Laut EU-Kommission soll der Abbau von Ressourcen auf dem eigenen Gebiet "in wirtschaftlich vernünftiger Weise" erfolgen.

Um eine sichere Rohstoffversorgung zu garantieren, setzt Brüssel an drei Punkten an:

  • Neben der Rohstoffförderung in der EU gehört dazu
  • die "Rohstoffdiplomatie"
  • sowie verstärktes Recycling.

Entwicklungsländer, vor allem Afrika, sollen beim Abbau und beim Transport von Rohstoffen Hilfe von der EU bekommen. Mit Handelsabkommen will sich Europa außerdem Zugang zu den wichtigen Vorkommen sichern. Mit Blick auf China ist geplant, gegen Exportbeschränkungen vor der Welthandelsorganisation WTO vorzugehen. China hatte jüngst strenge Ausfuhrquoten für Seltene Erden erlassen, was die Preise nach oben schnellen ließ. Internationale Hilfsorganisationen kritisieren diesen Ansatz des Brüsseler Strategiepapiers und sprechen von "Ressourcenraub", der die Entwicklungsländer in Armut stürze.

Dritter Pfeiler ist das verstärkte Recycling und die bessere Nutzung von Rohstoffen. Dies werde helfen, "wertvolle Mineralien wieder zu nutzen und Energie zu sparen", heißt es in dem EU-Papier.

Frankreich fordert strenge Regeln gegen Spekulanten

Ursprünglich wollte die EU ihre Strategie bereits vergangene Woche veröffentlichen. Doch auf Druck von Frankreich wurde das Thema Agrarrohstoffe und Spekulation überarbeitet. "Es ist ganz klar, dass das Handeln an Märkten ein Grund für Preissteigerungen ist", sagte EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos. Deshalb plane die EU Vorgaben, um "Transparenz und Stabilität an den Rohstoffmärkten zu sichern".

EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier verwies auf die EU-Regulierung der Finanzmärkte sowie auf die drei neuen EU-Finanzaufsichtsbehörden für Banken, Versicherungen und Börsen. "Wir wollen Grenzen setzen", sagte Barnier.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) warnte hingegen davor, die Initiative mit anderen Anliegen zu vermengen. "Aus diesem Grund sind wir dagegen, dass Bausteine aus der Finanzmarktregulierung zukünftig Bestandteil der EU-Rohstoffinitiative werden", sagte der Vorsitzende des BDI-Ausschusses für Rohstoffpolitik Ulrich Grillo.

wal/dpa-AFX

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 31 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. öder EU - Moloch kreisste und
sic tacuisses 02.02.2011
Zitat von sysopAllzu viele Rohstoffe gibt es in Europa nicht, trotzdem will die EU-Kommission den heimischen Abbau forcieren. Grund ist die hohe Importabhängigkeit von Ländern wie China - die Industrie fürchtet bereits einen Ressourcen-Engpass. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,743174,00.html
gebahr eine Maus....................
2.
shokaku 02.02.2011
Zitat von sysopUnter anderem sollten Genehmigungsverfahren für den heimischen Rohstoffabbau verkürzt werden.
lol Da friert aber hierzulande eher die Hölle zu. Oder es finden sich strategisch günstig Feldhamster, Juchtenkäfer oder Steinbeisser.
3. Ein guter Ansatz
Europa! 02.02.2011
Zitat von sysopAllzu viele Rohstoffe gibt es in Europa nicht, trotzdem will die EU-Kommission den heimischen Abbau forcieren. Grund ist die hohe Importabhängigkeit von Ländern wie China - die Industrie fürchtet bereits einen Ressourcen-Engpass. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,743174,00.html
Ein vernünftiges Ressourcen-Management ist entscheidend für Europas Zukunft. Man kann nur hoffen, dass die Kommission hier noch stärker aktiv wird. Eine verbesserte Wertstoff-Nutzung wäre dabei sehr wichtig. Ländern wie Italien schaden sich selbst mit ihrer korrupten Müllpolitik.
4. Na ja !
mauskeu 02.02.2011
Zitat von sysopAllzu viele Rohstoffe gibt es in Europa nicht, trotzdem will die EU-Kommission den heimischen Abbau forcieren. Grund ist die hohe Importabhängigkeit von Ländern wie China - die Industrie fürchtet bereits einen Ressourcen-Engpass. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,743174,00.html
Das wäre sinnvoller als so manche andere Aktion. Ich denke da z.B. an die Schwächung der Starken.
5.
ohne_sorge 02.02.2011
Oh Mann, seit gut 5 Jahren kauft China sämtliche Rohstoffreservoirs in der ganzen Welt auf (klar, die Importdollars sind ja bald eh nix mehr Wert) und schon hat Brüssel kapiert, dass China ein Monopol in Rohstoffen anstrebt. Kapiert eigentlich mal jemand, dass Amerika und Europa international nicht wirklich klug agieren? Vor lauter Kampf gegen den Terror verpennen wir im "Westen" unsere Zukunft...
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Staat & Soziales
RSS
alles zum Thema EU-Kommission
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 31 Kommentare
Fotostrecke
Knappe Rohstoffe: Diesen Branchen drohen Engpässe

Fotostrecke
Neue Technologien: Um diese Rohstoffe kämpfen die Firmen