Unep-Bericht Investitionsrekord bei erneuerbaren Energien

Erneuerbare Energien sind weltweit auf dem Vormarsch. 2011 erlebte die grüne Branche einen Investitionsboom - insgesamt wurden 257 Milliarden Dollar investiert. Vor dem Umweltgipfel "Rio+20" gilt die Zahl als positives Signal - zur Konferenz äußern sich Experten pessimistisch.

Erneuerbare Energien: Weltweit wurde investiert wie nie zuvor - Deutschland liegt im Trend
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Erneuerbare Energien: Weltweit wurde investiert wie nie zuvor - Deutschland liegt im Trend


Rio de Janeiro - Noch nie zuvor wurde weltweit so viel Geld für Solarenergie, Windkrafträder und Biogasanlagen ausgegeben wie im vergangenen Jahr. 257 Milliarden Dollar flossen in die grüne Energiebranche, dies geht aus einem am Montag vorgestellten Bericht des Uno-Umweltprogramms Unep hervor. Es ist ein Plus von 17 Prozent im Vergleich zu 2010.

Die Investitionssumme liege um 94 Prozent höher als 2007, dem Jahr vor der weltweiten Finanzkrise, hieß es in dem Bericht "Global Trends in Renewable Energy Investment". Unep-Chef Achim Steiner sieht den Rekord als deutliches Signal an die Staats- und Regierungschefs vor dem Uno-Nachhaltigkeitsgipfel "Rio+20", der kommende Woche im brasilianischen Rio de Janeiro beginnt. Bei dem Treffen kommen Staaten aus aller Welt zusammen, um über Nachhaltigkeit, Entwicklung und Umwelt zu beraten. Aber auch Chancen des "grünen Wirtschaftens" sowie institutionelle Fragen stehen auf der Agenda.

Dem Unep-Bericht zufolge war China - ohne Wasserkraft gerechnet - mit 52 Milliarden Dollar erneut größter Investor in grüne Energien. Es folgten die USA mit 51 Milliarden Dollar. In Regionen betrachtet entfällt das größte Investitionsvolumen mit 101 Milliarden Dollar auf Europa. Deutschland ist den Angaben zufolge drittgrößter Markt für Investitionen in erneuerbare Energien. 12,2 Prozent des gesamten Endenergieverbrauchs und 20 Prozent des Stromverbrauchs seien 2011 in Deutschland aus erneuerbaren Energiequellen gedeckt worden.

Unep hofft auf bis zu 60 Millionen neuer Jobs

Die grüne Branche schafft einem weiteren Uno-Bericht zufolge Beschäftigung: Inzwischen arbeiteten weltweit mehr als fünf Millionen Menschen im Bereich erneuerbare Energien. "Das Potential für weitere Arbeitsplätze ist und bleibt ein Haupttreiber für politische Maßnahmen, die eine Erhöhung des Anteils der Erneuerbaren im Energie-Mix begünstigen", sagte Mohamed El-Ashry, Vorsitzender des Netzwerkes für erneuerbare Energien des 21. Jahrhunderts.

In den kommenden 20 Jahren könnten bis zu 60 Millionen neuer Jobs durch grünes Wachstum entstehen, heißt es in einer kürzlich von der Unep und der Internationalen Arbeitsorganisation vorgelegten Studie. Der Chef des Umweltprogramms, Achim Steiner, wertete dies als Beleg dafür, dass dies Chancen biete für weitere Millionen Menschen, Armut zu überwinden und ihre Lebensbedingungen zu verbessern. "Wir müssen uns nicht zwischen Umweltschutz und Jobwachstum entscheiden", betonte auch ILO-Direktor Juan Somavia.

Weizsäcker pessimistisch vor Rio-Gipfel

Auch wenn Investitions- und Beschäftigungszahlen gut aussehen - vor dem Rio-Gipfel gibt es auch negative Stimmen: Kurz vor Beginn der Uno-Konferenz hat sich der Wissenschaftler Ernst Ulrich von Weizsäcker pessimistisch über den Ausgang des Gipfels geäußert. "Die Umwelt wird überall mit Füßen getreten. Insofern kann man nicht erwarten, dass bei dieser Konferenz etwas herauskommt", sagte der frühere Vorsitzende des Umweltausschusses. Mit Ausnahme der Europäer und einiger weniger Entwicklungsländer habe niemand ein sichtbares Interesse an einem Erfolg des Gipfels.

Von Weizsäcker kritisierte, dass der Umweltaspekt bislang vernachlässigt werde. Vor allem Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika setzten einseitig auf das Thema Wachstum. Dass "Grünes Wachstum" auch Chancen enthalte, werde kaum erwähnt.

Denn trotz der vergleichsweise hohen Investitionen in erneuerbare Energien gestalten sich die internationalen Verhandlungen schwierig: Vor allem die EU drängt auf eine Verankerung des Prinzips der "Green Economy" und will hierfür klare Ziele festlegen. Unter anderem die USA, Kanada und Japan lehnen dies jedoch ab. Viele Entwicklungsländer sorgen sich wiederum, dass sich die Industriestaaten mit grünen Technologien lediglich neue Märkte schaffen wollten. Auch fürchten sie, dass durch strenge Umweltauflagen neue Handelshemmnisse entstehen könnten.

lei/dpa/dapd



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Palmstroem 11.06.2012
1. Gigantische Aufgabe
Zitat von sysopDPAErneuerbare Energien sind weltweit auf dem Vormarsch. 2011 erlebte die grüne Branche einen Investitionsboom - insgesamt wurden 257 Milliarden Dollar investiert. Vor dem Umweltgipfel "Rio+20" gilt die Zahl als positives Signal - zur Konferenz äußern sich Experten pessimistisch. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,838116,00.html
Auch wenn dieses Investitionsvolumen postiv ist, sollte man realistisch bleiben. Laut Bundesumweltamt liegt der Anteil der sonstigen erneuerbaren Energieträger wie zum Beispiel Geothermie, Solar, Wind und Gezeitentrotz der jährlichen Zuwachsrate von über 8% in den letzten 30 Jahren bei unter 1%. Das heißt Gesamtinvestitionen von rund 2,5 Billionen Dollar reichen für gerade mal ein Hundertsel des Weltenprimärergieversorgung. Wollten wir nur 50% davon bis 2050 durch die Erneuerbaren Energien ersetzen bedarf es Investitionen in Höhe von circa 125 Billionen Dollar. Das zeigt das Ausmaß dieser gigantischen Aufgabe!
m a x l i 11.06.2012
2. Nichts wird einem geschenkt
Zitat von PalmstroemAuch wenn dieses Investitionsvolumen postiv ist, sollte man realistisch bleiben. Laut Bundesumweltamt liegt der Anteil der sonstigen erneuerbaren Energieträger wie zum Beispiel Geothermie, Solar, Wind und Gezeitentrotz der jährlichen Zuwachsrate von über 8% in den letzten 30 Jahren bei unter 1%. Das heißt Gesamtinvestitionen von rund 2,5 Billionen Dollar reichen für gerade mal ein Hundertsel des Weltenprimärergieversorgung. Wollten wir nur 50% davon bis 2050 durch die Erneuerbaren Energien ersetzen bedarf es Investitionen in Höhe von circa 125 Billionen Dollar. Das zeigt das Ausmaß dieser gigantischen Aufgabe!
In der Tat gigantisch! Aber Ihre einfache Rechnung geht davon aus, dass was wir heute an Solarzellen, Windrädern usw. installieren, auch in 10 oder 20 oder gar 40 Jahren technisch immer noch der letzte Schrei sind, dass die Produktion und Installation mit zunehmendem Volumen nicht effektiver wird, dass es keinen weiteren wissenschaftlichen Fortschritt geben wird. Ganz so pessimistisch sollte man es vielleicht nicht sehen! Aber Sie haben ganz recht, dass die notwendigen Veränderungen nicht als Geschenk vom Himmel fallen. Dass nach diesen Investitionen man nie wieder Geld für Öl, Kohle, Gas oder Uran ausgeben muss und die Umwelt weniger verpestet wird, sind doch für fast alle Menschen gute Aussichten.
karl-felix 17.06.2012
3. Auch
Zitat von PalmstroemAuch wenn dieses Investitionsvolumen postiv ist, sollte man realistisch bleiben. Laut Bundesumweltamt liegt der Anteil der sonstigen erneuerbaren Energieträger wie zum Beispiel Geothermie, Solar, Wind und Gezeitentrotz der jährlichen Zuwachsrate von über 8% in den letzten 30 Jahren bei unter 1%. Das heißt Gesamtinvestitionen von rund 2,5 Billionen Dollar reichen für gerade mal ein Hundertsel des Weltenprimärergieversorgung. Wollten wir nur 50% davon bis 2050 durch die Erneuerbaren Energien ersetzen bedarf es Investitionen in Höhe von circa 125 Billionen Dollar. Das zeigt das Ausmaß dieser gigantischen Aufgabe!
wenn die Zahlen umstritten sind, man sollte realistisch bleiben. Fast 80% des weltweiten End-energieverbrauchs gingen 2008 auf die Kappe der endlichen Rohstoffe. Nur knapp 19% waren erneuerbare Energien(Quelle: REN21 2010). Was los ist, wenn die endlichen Rohstoffe enden, können Sie sich selber kaum vorstellen. Es wird Zeit, dass wir uns tummeln. Ohne unendliche,erneuerbare,möglichst Brennstoffkostenfreie Energieträger geht der Ofen flugs aus.
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