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Arm und Reich: Ungleichheit bei Einkommen nimmt wieder zu

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Einkaufspassage in Frankfurt: Unterschiede beim Einkommen steigen wieder

Jahrelang waren hohe und niedrige Einkommen ähnlich schnell gestiegen - jetzt aber nimmt die Ungleichheit wieder deutlich zu. Das belegen neue Zahlen.

In den vergangenen Jahren war es das Mantra wirtschaftsnaher deutscher Ökonomen: "Ja, die Ungleichheit ist über viele Jahre in allen Bereichen gestiegen, aber seit 2005 gibt es eine deutliche Trendwende." Seitdem stagniere die Ungleichheit, ja teilweise gehe sie sogar zurück. So sagte es etwa Michael Hüther, Chef des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln (IW) vor drei Jahren bei einem SPIEGEL-ONLINE-Streitgespräch mit dem Armutsforscher Christoph Butterwegge. Das sei, so führte Hüther aus, durch statistische Indikatoren belegt.

Tatsächlich stützten diese statistischen Indikatoren damals diesen Befund für die Jahre von 2005 bis 2010. Jüngere Berechnungen zeigen aber: In den Jahren nach 2010 nahm die Ungleichheit in Deutschland wieder zu. Konkret wird das am sogenannten Gini-Koeffizienten zur Einkommensverteilung deutlich, auf den sich auch Hüther bezog. Diese statistische Größe ist laut einer aktuellen Studie des gewerkschaftsnahen Forschungsinstituts WSI von 2010 bis 2012 um 2,9 Prozent gestiegen, von 0,280 auf 0,288.

Der Gini-Koeffizient gibt Auskunft darüber, wie groß die Unterschiede bei den Einkommen in einem Land sind: Liegt er bei 0, würden alle Bewohner ein gleich hohes Einkommen beziehen. Liegt er bei seinem Maximalwert von 1, würde eine einzige Person das gesamte Einkommen des Landes beziehen. Grundlage der Berechnung ist eine umfangreiche, regelmäßige Befragung von mehr als 12.000 Privathaushalten, das sogenannte Sozio-ökonomische Panel (SOEP).

Etwas verwirrend ist: Je nach Methode kann die Berechnung auch bei gleicher Datengrundlage zu leicht unterschiedlichen Werten für den Gini-Koeffizienten führen. So ziehen einige Statistiker etwa zusätzliche Daten für extrem hohe oder niedrige Einkommen aus anderen Quellen hinzu, weil sie diese im SOEP nicht ausreichend widergespiegelt sehen. Die Angaben des Statistischen Bundesamts oder der OECD zum Gini-Koeffizienten in Deutschland weichen daher leicht von den Angaben des WSI ab.

Dennoch bestätigen auch die offiziellen Zahlen des Statistischen Bundesamts den Befund des WSI: Die Ungleichheit bei den Einkommen in Deutschland nimmt tendenziell wieder zu. Allein von 2012 zu 2013 betrug der Anstieg der Ungleichheit den Bundesstatistikern zufolge 4,95 Prozent (Gini-Koeffizient 2012: 0,283 / 2013: 0,297).

Während die Unterschiede zwischen den Einkommen in Deutschland erst seit einigen Jahren wieder ansteigen, hatte sich diese Entwicklung bei den Vermögen ohnehin durchgehend fortgesetzt. Allein dadurch wird auch ein Teil der Trendwende bei den Einkommen plausibel: Für Kapitalerträge - von denen zumeist die Vermögenden profitieren - gelten niedrigere Steuersätze als für hohe Arbeitseinkommen. Zudem sind gerade die Mieten in den vergangenen Jahren stark gestiegen, also auch die Einnahmen privater Immobilienbesitzer.

Das WSI fordert daher auch, die pauschale Abgeltungssteuer abzuschaffen und Kapitalerträge stattdessen wie Arbeitseinkommen zu besteuern. Zudem solle die Erbschaftsteuer so reformiert werden, dass reiche Haushalte im Endeffekt höher besteuert werden.

fdi

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 143 Beiträge
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1. Gini-Koeffizient und nicht Gina-Koeffizient
gregpeters 26.11.2015
Die richtige Schreibweise lautet "Gini-Koeffizient" (mit einem i).
2. Gina (Lollobrigida?)
pubeskop 26.11.2015
Muss man erstmal schaffen, konsequent im ganzen Artikel Gina statt Gini zu schreiben. Das führt deutlich vor Augen: Es ist kein Verschreiber, sondern der Autor hat davon vor dem Verfassen des Artikels noch nie etwas gehört. Entwickelt wurde der Gini-Index übrigens vom Italiener Corrado Gini.
3. Die übernächste Generation...
_alexander_ 26.11.2015
der Rentner wird nichts mehr zu lachen haben. Schön jedoch, dass die Pensionen "sicher" bleiben werden. Die Frage ist, wer für diese Pensionen aufkommen wird, denn 1,3 bis 1,8 Billionen Euro innerhalb der nächsten 15 Jahre werden nicht so einfach zu "erwirtschaften" sein.
4. Arbeit lohnt sich in Deutschland nicht
mictann 26.11.2015
Dann lieber z.B. auf den Niedergang anderer Volkswirtschaften an der Börse zocken. Das witrd vom Staat belohnt. Wer arbeitet ist selber schuld. Da zeigt sich, was deutsche Werte sind, die wir für soooooo erhaltenswert halten. Einfach nur dummes Geschwätz unserer "Eliten"
5. na und...
fatherted98 26.11.2015
...laut Raffelhüschen sind die Deutschen viel viel viel viel glücklicher als letztes Jahr....merke Geld macht nicht glücklich...deshalb muss man auch nicht viel verdienen...wenn es grade mal für ein Stück Brot und eine Bretterbude reicht, ist das doch schon mehr als genug...
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