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Plan: Union und SPD wollen Kliniken nach Qualität bezahlen

Ärzte vor einem Kreißsaal: Zu- und Abschläge nach Qualität geplant Zur Großansicht
DPA

Ärzte vor einem Kreißsaal: Zu- und Abschläge nach Qualität geplant

Krankenhäusern mit Qualitätsproblemen droht eine schlechtere Bezahlung. Union und SPD wollen die Finanzierung der rund 2000 Kliniken stärker als bisher an Behandlungserfolgen orientieren. Keine Fortschritte gibt es dagegen beim Streitthema Krankenversicherung.

Berlin - Klinikpatienten in Deutschland sollen künftig stärker vor Qualitätsmängeln im Operationssaal und auf der Station geschützt werden. Nach Darstellung der SPD sind sich Union und Sozialdemokraten weitgehend einig, dass an der Qualität orientierte Zu- und Abschläge bei der Krankenhausfinanzierung eingeführt werden sollen. Er sei selbst überrascht über die Fortschritte in den Koalitionsverhandlungen beim Thema Patientenversorgung, sagte der SPD-Verhandlungsführer für Gesundheit, Karl Lauterbach.

Bisher werden die rund 2000 Krankenhäuser nach festen Pauschalen bezahlt - egal, ob sie mehr oder weniger Behandlungserfolge haben. Künftig sollen unterschiedliche Daten über den Behandlungs- und Krankheitsverlauf einzelner Patienten zusammengeführt und zur Grundlage von Qualitätsbeurteilungen gemacht werden. "Deutschland ist das Land in Europa, das die meisten Qualitätsdaten erfasst", sagte Lauterbach. Bisher würden sie nicht systematisch ausgewertet.

CDU-Verhandlungsführer Jens Spahn hatte bereits mitgeteilt, dass künftig auch gemessen werden soll, wie die Behandlung nach der Entlassung aus der Klinik in einer Praxis weitergegangen ist: "Wie verläuft nach einer Hüft- oder Knieoperation die ambulante Versorgung? Treten Komplikationen auf?"

Bei Finanzierung der Krankenversicherung "nichts erreicht"

Eine Kopplung der Finanzierung an die Qualität wäre eine umfassende Neuerung und ein organisatorischer Kraftakt. Zwar gibt es schon bisher jedes Jahr einen offiziellen Report über die Qualität der verschiedenen Krankenhäuser. Aber selbst im zuständigen Gemeinsamen Bundesausschuss von Krankenkassen, Kliniken und Ärzten wird eingeräumt, dass die erfassten Daten nicht für ein umfassendes Bild ausreichen. Und die nun angestrebte Aufdeckung von Erfolgen und Problemen nach der Entlassung eines Patienten aus dem Krankenhaus wäre Neuland.

Lauterbach zufolge soll das nicht alles sein. "Wir sind übereingekommen, die Patienten besser zu informieren", sagte er. Versicherte sollen also besser selbst einschätzen können, ob Krankenhäuser wirklich gute Ergebnisse haben. Auf dem Feld der Arzneimittel hatten sich Union und SPD bereits auf Grundzüge geeinigt.

Bei den Kernfragen der künftigen Finanzierung der Krankenversicherung dominieren dagegen die Differenzen. "Da haben wir nichts erreicht", sagte Lauterbach. Dabei geht es darum, ob Versicherten auch künftig Zusatzbeiträge drohen und wie mit der Privaten Krankenversicherung umgegangen werden soll. Lauterbach sagte, die SPD wolle, dass Privatversicherte künftig in die gesetzliche Krankenversicherung zurückwechseln und dabei ihre Altersrückstellungen mitnehmen können. Dagegen stemmen sich CDU und CSU.

Zehn-tägige Pflegezeit geplant

Nach Darstellung der Sozialdemokraten soll es künftig auch eine kurze bezahlte Pflegezeit geben. "Eingebettet in eine große Pflegereform sollen Familien, die Angehörige pflegen, besser unterstützt werden", sagte die stellvertretende SPD-Vorsitzende Manuela Schwesig der "Rheinischen Post". Dafür solle die zehntägige Auszeit vom Job, die Angehörige heute schon in akuten Fällen nehmen können, künftig bezahlt werden.

Die Pflegeversicherungen sollen ihren Angaben zufolge verpflichtet werden, eine Lohnfortzahlung in Höhe des Krankengeldes zu leisten. "Wir rechnen damit, dass rund 50.000 Menschen eine solche zehntägige Pflegezeit in Anspruch nehmen werden", sagte Schwesig. Die Kosten beliefen sich dann auf jährlich 40 Millionen Euro. "Angesichts dessen, dass wir eine Pflegereform mit einer Beitragssatzerhöhung von 0,5 Prozentpunkten planen, die den Pflegekassen fünf Milliarden Euro einbringt, ist dies eine überschaubare Ausgabe", so Schwesig.

cte/dpa

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1. Absolute Fehlentwicklung...
Robin06 07.11.2013
Dann werden in Zukunft die Leute operiert, die keine Komplikationen erzeugen. Also Junge und Gesunde. Absolut hirnrissig...
2.
inci2 07.11.2013
Zitat von sysopDPAKrankenhäusern mit Qualitätsproblemen droht eine schlechtere Bezahlung. Union und SPD wollen die Finanzierung der rund 2000 Kliniken stärker als bisher an Behandlungserfolgen orientieren. Keine Fortschritte gibt es dagegen beim Streitthema Krankenversicherung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/union-und-spd-wollen-kliniken-nach-qualitaet-bezahlen-a-932270.html
Was hat denn das Follow-up mit der Behandlung im Krankenhaus zu tun? Führt man jetzt über die Hintertüre die Sippenhaft ein? Denn die ambulante Versorgung ist ja auf Wunsch der Politik vor Jahren schon den Hausärzten vor die Türe gekippt worden, um die Kosten im Krankenhaus zu senken, weil die Hausärzte das Follow-up aus ihrem Budget bestreiten müssen, und im Notfall bei Überschreitung dessen mit Regress bestraft werden. Und wie will man die Qualität denn messen? Welche Qualität soll das sein? Reicht die Gesundung des Patienten nicht mehr aus, als Qualitätskriterium? Fragen über Fragen.
3. zusatzbeiträge sind ökonomischer unsinn
Joda Bapu 07.11.2013
es keimt hoffung auf, dass die unsägliche zusatzbeitragsregelung abgeschafft wird. die erfahrungen mit zusatzbeiträgen haben doch gezeigt, dass kassen, die zusatzbeiträge erheben mussten einen aderlass in richtung der kassen hatten, die schon viele junge versichern. fatal daran ist, dass kassen für diese jungen und preissensibelen versicherten auch noch durch den mRSA-mechnismus überhöhte zuweisungen erhalten (überdeckt sind). dieses abfliesenden gelder fehlen dann bei den aderlasskassen zur deckung der krankheitskosten der in der regel unterdeckten kränkeren versicherten. das preissignal zusatzbeitrag funktioniert nicht und hat ausgedient. es entsolidarisiert, führt es doch dazu, dass kassen, die solche jungen gerne versichern, beiträge zurückerstatten oder schickimicki dafür anbieten können (z. b. karatekurse). die umfangreichen leistungen des deutschen gesundheitssystems, die ein wesentlicher bestandteil unseres sozialen friedens darstellen, werden auf 8 euro reduziert, obwohl doch der durchschnittsversicherte weit über 2000 euro aufbringen muss. zu den gesundheitskoalitionsverhandlungen empfehle ich folgenden song: http://www.aok-bv.de/politik/finanzierung/morbi-rsa/index_10237.html
4. Zusatzbeiträge sind ökonomischer Unsinn
Joda Bapu 07.11.2013
es keimt hoffung auf, dass die unsägliche zusatzbeitragsregelung abgeschafft wird. die erfahrungen mit zusatzbeiträgen haben doch gezeigt, dass kassen, die zusatzbeiträge erheben mussten einen aderlass in richtung der kassen hatten, die schon viele junge versichern. fatal daran ist, dass kassen für diese jungen und preissensibelen versicherten auch noch durch den mRSA-mechnismus überhöhte zuweisungen erhalten (überdeckt sind). dieses abfliesenden gelder fehlen dann bei den aderlasskassen zur deckung der krankheitskosten der in der regel unterdeckten kränkeren versicherten. das preissignal zusatzbeitrag funktioniert nicht und hat ausgedient. es entsolidarisiert, führt es doch dazu, dass kassen, die solche jungen gerne versichern, beiträge zurückerstatten oder schickimicki dafür anbieten können (z. b. karatekurse). die umfangreichen leistungen des deutschen gesundheitssystems, die ein wesentlicher bestandteil unseres sozialen friedens darstellen, werden auf 8 euro reduziert, obwohl doch der durchschnittsversicherte weit über 2000 euro aufbringen muss. zu den koalitionsverhandlungen empfehle ich folgenden sond sich anzuhören: AOK-Bundesverband - Politik - Finanzierung - Morbi-RSA - Prof. Dr. Klaus Jacobs (WIdO) zur Notwendigkeit des Morbi-RSA (04.07.13) (http://www.aok-bv.de/politik/finanzierung/morbi-rsa/index_10237.html)
5. Es ist ja dann auch zu erwarten,
na,na,na 07.11.2013
dass dieses Argument auch in der Politik eingeführt wird. Politiker sollen nach ihrer Qualität bezahlt werden. Wir werden sehen wie sich plötzlich der Bundestag auf über die Hälfte verkleinert, vor allem bei den Hauptdarstellern.
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