Fußball-WM 2022 Uno wirft Katar Versagen beim Kampf gegen Zwangsarbeit vor

Der Druck auf den WM-Ausrichter Katar wächst. Jetzt schaltet sich die Internationale Arbeitsorganisation ein. Das Uno-Gremium wirft den Verantwortlichen vor, beim Bau der Sportstätten die Konvention gegen Zwangsarbeit zu missachten.

WM-Baustelle in Katar: "Konvention besser umsetzen"
REUTERS

WM-Baustelle in Katar: "Konvention besser umsetzen"


London/New York - Nun kritisiert auch die Uno den Ausrichter der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 scharf: Katar versage bei der Umsetzung der Konvention gegen Zwangsarbeit, sagte Azfar Khan von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) der Uno dem britischen "Guardian". Khan ist bei der Organisation Experte für Arbeitsmigration in den arabischen Ländern.

Katar hatte die entsprechende ILO-Konvention im Jahr 2007 unterschrieben. Die Gesetze des Landes seien zwar adäquat, sagte Khan dem "Guardian", die Praxis sehe jedoch anders aus. Entgegen offizieller Zusicherungen würden in Katar Baustellen nicht angemessen kontrolliert. Zudem seien die Richtlinien Katars bezüglich der Arbeit von Migranten widersprüchlich.

Der "Guardian" hatte darüber berichtet, dass im beginnenden Bauboom vor der WM Tausende nepalesische Einwanderer unter extrem schlechten Bedingungen eingesetzt werden. Die Zeitung beruft sich auf Dokumente der nepalesischen Botschaft in Doha, wonach allein vom 4. Juni bis zum 8. August insgesamt 44 Arbeiter aus Nepal gestorben seien - mehr als die Hälfte davon an den Folgen eines Herzinfarkts oder Arbeitsunfalls. Derzeit sind etwa 1,2 Millionen Arbeiter aus dem Ausland in Katar, mit mindestens 500.000 weiteren Migranten wird gerechnet, wenn die Bauarbeiten an den Sportstätten intensiviert werden.

Das Wort der ILO-Experten hat Gewicht

"Die Katarer sind in der Pflicht, die Konvention besser umzusetzen", sagte Khan. "Viele Missstände, die Zwangsarbeit begünstigen, bestehen immer noch." Konkret bemängelte der ILO-Experte einige Details: So gäbe es keine ausreichende Planung für die Inspektion der Baustellen, zudem seien die Kriterien für die Überprüfung der Arbeitsbedingungen nicht eindeutig. Überdies seien die Inspektoren nicht angemessen geschult.

Die Kritik Khans hat Gewicht, da der ILO-Experte während der vergangenen zwei Jahre Katar eng begleitet hatte. Zudem hatte das Organisationskomitee für die WM 2022 betont, es erfreue sich eines regen Austausches mit der ILO über das Thema der Arbeitsbedingungen.

Auch der Internationale Gewerkschaftsbund IGB kritisierte Katar scharf. Es handele sich um "moderne Sklaverei", sagte IGB-Generalsekretärin Sharan Burrow. Die Todesrate sei in Wirklichkeit noch viel höher als bislang bekannt.

Inzwischen melden sich auch Vertreter der Profi-Fußballer zu Wort. Brendan Schwab, Asien-Chef von Fifpro, dem Dachverband der Fußballer-Gewerkschaften, sagte dem "Guardian": "Wenn die Berichte stimmen, muss der Fußball reagieren." Der Fußball-Weltverband Fifa habe mit der ILO im Kampf gegen Kinderarbeit bei der Produktion von Fußbällen zusammengearbeitet. Nun müsse dies auch dringend in Katar geschehen.

fdi



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insgesamt 66 Beiträge
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edelamsee 27.09.2013
1. Koalition der Anständigen
es sollte eine Koalition aller geben, die ein Zeichen gegen diese Ausgeburten setzten, in dem wir die WM boykottieren; sowohl im TV als auch physisch. Jeder, der dort hin geht, sollte öffentlich geächtet werden. Die Quataries sind auch die schlimmsten Metzler (natürlich nur mit Geld) im Syrienkrieg.
michaelkaloff 27.09.2013
2. Die FIFA ist nun einmal keine demokratisch legitimierte Institution.
Viel Spaß bei der WM 2022 wünsche ich. Vielleicht werden wir ja Weltmeister. Und darum geht es doch. Welcher Fan hat da noch Fragen?
Tiburon_Blanco 27.09.2013
3. Same Procedure......
Das alles wird die Herren Blatter und Co. nicht interessieren. Denen ist es egal wie viele Zwangsarbeiter dort unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten und krepieren. Hauptsache die WM findet so statt, wie diese korrupten Funktionäre sich das vorstellen. Und der Fußball? Für mich wäre jeder Fußballer ein Vorbild, der unter diesen Umständen, trotz Qualifikation und Platz im Kader sagt, dass ihm die Würde des Menschen wichtiger ist, als eine WM, die unter solchen Umständen stattfindet. Meine Befürchtung ist, dass am Ende wieder nur so Sprüche herauskommen, wie "Ich bin stolz für mein Land zu spielen und man sollte Politik und Sport auseinander halten".
felixhenn 27.09.2013
4. Das merken die erst jetzt.
Die FIFA hätte bei der Bewerbung Katars einfach mal die Gastarbeiter befragen müssen, die auf der arabischen Halbinsel arbeiten. Oftmals wird für Filipinos kein Lohn gezahlt. Einklagen ist nahezu unmöglich und wer aufmuckt kann mit Üblem rechnen. Und nach dem Rechtssystem wird die Aussage von Menschen, die keine Moslems sind, als weniger wert betrachtet. Um die WM nach Katar zu vergeben, müssen einige schon gewaltig viel Geld erhalten haben.
dirk van appeldorn 27.09.2013
5. wer A sagt...
wer einem solchen Land die WM zuspricht (der peinliche Blatter spielt dabei eine grosse Rolle), muss auch all die Nachteile eingeplant haben. Grossdemonstrationen in Brasilien, wo die Menschen dieses miserable Turnier nicht wollen, dann das Nachdenken darüber, die Quatar WM im Winter stattfinden zu lassen, jetzt die Sklavenarbeit Veröffentlichungen. Schiesst die FIFA endlich auf den Mond, obwohl sie ja dann 2026 die WM auf dem Mond einplanen.
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