Studie zu Uno-Abstimmungen USA entfremden sich von Verbündeten

Den Tweets folgen Taten: In Donald Trumps erstem Amtsjahr haben die USA in der Uno häufiger gegen Partner gestimmt als unter anderen Präsidenten. Besonders auffällig ist die Spaltung in Wirtschaftsfragen.

Uno-Vollversammlung im Jahr 2015
AFP

Uno-Vollversammlung im Jahr 2015


Das Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und anderen westlichen Ländern war schon mal deutlich besser. Das wurde gerade wieder beim Treffen der G20-Finanzminister in Buenos Aires deutlich, wo es erneut zu Konflikten über die Handelspolitik kam. Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump beim Nato-Gipfel in Brüssel und beim G7-Treffen in Kanada mit scharfer Kritik an Partnerländern für Aufsehen gesorgt.

Dass sich die Spaltung nicht auf Rhetorik beschränkt, zeigt eine neue Studie des Ifo-Instituts zum Abstimmungsverhalten in der Uno-Generalversammlung von den Mitgliedsländern der G7, Nato, OECD sowie der Gruppe der westeuropäischen und anderen Staaten in der Uno (WEOG). Datengrundlage waren alle 5599 Resolutionen in der Uno-Generalversammlung seit dem Jahr 1946, über die die Vereinigten Staaten abgestimmt haben.

"Trump steht besser da, als man erwarten würde"

"Die Übereinstimmungsrate bei Uno-Resolutionen sank um bis zu 13,2 Prozentpunkte im Vergleich zum Durchschnitt des ersten Amtsjahres aller US-Präsidenten vor Trump", sagte Niklas Potrafke, Leiter des ifo Zentrums für öffentliche Finanzen und politische Ökonomie. "Insbesondere bei Themen der ökonomischen Entwicklung wichen die Positionen stark ab."

In der Uno-Generalversammlung wird regelmäßig über wirtschaftliche Themen rund um Außenhandel und entwicklungspolitische Fragen abgestimmt. Im Jahr 2017 stimmte laut Ifo keines der westlichen Länder bei Fragen zur ökonomischen Entwicklung im Einklang mit den Vereinigten Staaten.

Im Vergleich zu ökonomischen Fragen waren beispielsweise bei Resolutionen zur Rüstungskontrolle die Übereinstimmungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Westen deutlich größer. Die verbleibenden Gemeinsamkeiten erklären, warum die Abstimmungsdifferenzen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Westen unter Trump insgesamt kleiner waren als in den Anfangsjahren der US-Präsidenten Bush senior und Bush junior.

"Donald Trump steht also überraschenderweise besser da, als man aufgrund der medialen Darstellung erwarten würde", sagt Potrafke. Die meisten Abstimmungen in der Generalversammlung finden allerdings im Herbst statt. "Zu vermuten ist, dass der gegenwärtig von Donald Trump angezettelte Handelskrieg zu einer weiteren Entfremdung zwischen den Vereinigten Staaten und den westlichen Verbündeten führt."

dab



insgesamt 8 Beiträge
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Gebr.Engels 23.07.2018
1. Global denken
Das Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und den "westlichen Verbündeten" könnte wesentlich besser sein, wenn es China (und Südostasien) nicht gäbe, wo alles produziert wird was der Westen braucht, und wo die (zuckünftigen) Besitzer eines Großteils der Europäischen und Amerikanischen Unternehmen sitzen, -mann sollte hierbei die gegenwärtige Entwicklung nur ein paar Jahre weiterdenken-. Dieses wäre an sich weiter nicht problematisch, wenn Europa und USA nicht so unsolidarisch mit ihren niedergehenden Schichten umgehen würden (nämlich den Arbeitern), und diesen auch ein Stück von den -dank to big to fail- weitgehend risikolosen globalen Bankgewinnen zukommen lassen würden, denn Trump (und Konsorten) sind nur das Symptom, und nicht die Ursache der Erkrankung.
Affenhirn 23.07.2018
2. Dünne Faktenlage
Obwohl den Fakten nach wenig Negatives über Trump kommt, wird am Ende wieder mit "Spökenkiekerei" über Trump gehetzt. Ist wieder Sommerloch und bietet Trump nicht so schon genug Angriffsfläche?
neanderspezi 23.07.2018
3. Die Konfliktsituation hat doch nichts mit Spaltungsirresein zu tun
Die Behandlung von Wirtschaftsfragen ist dank diesem genialen Trump beim globalen Informationsaustausch endlich auf Tweet-Niveau angelangt. Selbst bei Verdauungsstörungen oder anderweitigen Ausfallerscheinungen des Tweet-Fetischisten im Weißen Haus reagieren die Teilnehmer am Wirtschaftskarussell sehr besorgt und überlegen sich krampfhaft, ob sie auf die gezwitscherten Beschwerden mit medizinischen Ratschlägen zur Abführung oder einer Kontraindikation erwidern sollen. Der Empfänger fühlt sich nun erst recht verschaukelt und dramatisiert fortwährend die Malaise in die er sich immer mehr hineinsteigert.
emobil 23.07.2018
4. Faktenlage
Zitat von AffenhirnObwohl den Fakten nach wenig Negatives über Trump kommt, wird am Ende wieder mit "Spökenkiekerei" über Trump gehetzt. Ist wieder Sommerloch und bietet Trump nicht so schon genug Angriffsfläche?
Allein schon die geisteskranken Twitters dieses Präsidentendarstellers reichen m.E. schon völlig als "Faktenlage" aus. Die sind doch Fakt, oder? Damit hat die US-Politik ein noch nie da gewesenes Tiefst-Niveau erreicht. Für Sie sind das nicht "Fakten" genug?
mostly_harmless 23.07.2018
5.
Zitat von AffenhirnObwohl den Fakten nach wenig Negatives über Trump kommt, wird am Ende wieder mit "Spökenkiekerei" über Trump gehetzt. Ist wieder Sommerloch und bietet Trump nicht so schon genug Angriffsfläche?
Och, ich find die Vervierfachung der Drohnenangriffe und die damit verbundene immense Erhöhung der zivilen Opfer, die rekordverdächtige Erhöhung des Rüstungsetats, die mutwillig erzeugten Spannungen mit Nordkorea und nun mit Iran, etc, pp. eigentlich gehr als genug Negatives. Aber sind wir ehrlich: Die parallele Realität der Trump-Fans ist ohnehin nicht zu durchdringen. Und schon gar nicht mit Fakten.
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