Uno-Vorwürfe Drogengelder sollen Krisenbanken gerettet haben

Es sind schwere Vorwürfe gegen die Bankenbranche: Milliarden aus dem Drogenhandel seien zur Hochzeit der Finanzkrise ins internationale Bankensystem geflossen, erklärt das Uno-Büro zur Verbrechensbekämpfung. So manches Geldinstitut verdanke den Geldern gar das Überleben.

Drogenfund in Nicaragua: Geld aus der internationalen Kriminalität floss ins Finanzsystem
REUTERS

Drogenfund in Nicaragua: Geld aus der internationalen Kriminalität floss ins Finanzsystem


London - Hat die Bankenbranche während der Finanzkrise 2008 massiv von Geld aus kriminellen Quellen profitiert? Nach Recherchen des Uno-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (ONUDC) flossen im vergangenen Jahr Millionen und Milliarden aus dem internationalen Drogenhandel ins Finanzsystem.

Die Mittel aus der internationalen Kriminalität seien für manche Banken "in vielen Momenten das einzige flüssige Investitionskapital" gewesen, das zur Verfügung stand, sagte ONUDC-Leiter Antonio Maria Costa dem britischen "Observer". "Das war zu der Zeit, als das System praktisch paralysiert war wegen der Weigerung der Banken, sich untereinander Geld zu leihen."

Nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers am 15. September 2008 war der sogenannte Interbankenmarkt, auf dem sich die Geldinstitute gegenseitig mit Kapital versorgen, schlagartig ausgetrocknet. Dabei ist der ständige Finanzfluss überlebenswichtig für die Branche, oft wird er als Blutkreislauf der gesamten Wirtschaft bezeichnet. In dieser Situation sollen Drogengeldern einigen Geldhäusern über die Runden geholfen haben.

Costa sagte, er sei zum ersten Mal vor 18 Monaten von Nachrichtendiensten und Ermittlern darauf aufmerksam gemacht worden, dass Milliardengelder aus krimineller Herkunft auf diesen Markt geflossen seien. "Es gab Hinweise, dass manche Banken auf diese Weise gerettet wurden." Das Geld, das vornehmlich aus dem Drogenhandel stamme, sei auf diese Weise auch gewaschen worden. Nach Schätzungen der Uno werden weltweit im Drogenhandel weit mehr als 300 Milliarden Euro jährlich verdient.

Banker wehren sich gegen den Vorwurf

Banker reagierten zurückhaltend auf die Erklärung. Sicher, im vergangenen Jahr sei auf den Geldmärkten viel zu wenig Kapital gewesen, sagte ein Sprecher des britischen Bankenverbandes dem "Observer" - doch er sei überzeugt: "Zu einem Großteil wurde dieser Mangel von den Notenbanken ausgeglichen."

Costa wollte nicht erklären, welche Länder oder welche Kreditinstitute im vergangenen Jahr im Einzelnen von solchen Mitteln profitiert haben. Seine Behörde sei dazu da, Probleme zu benennen - es gehe nicht um Schuldzuweisungen, sagte der Drogenfachmann. Offenbar wurde er von Beamten aus der Schweiz, Großbritannien, Italien und den USA auf das Problem aufmerksam gemacht.

Inzwischen sei die Lage "sehr viel weniger ernst" als noch vor einigen Monaten, sagte Costa: Da die Finanzmärkte wieder angesprungen seien und die Banken das für ihre Geschäfte notwendige Kapital wieder leichter auftreiben können, seien sie nicht mehr auf Gelder aus zweifelhafter Herkunft angewiesen.

ase

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 35 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
poster 13.12.2009
1. ...
...dann stammt das Geld wenigstens aus der Realwirtschaft und wurde nicht auf Kosten der Allgemeinheit für die Banken gedruckt!
indosolar 13.12.2009
2. nun gut, was war zu erwarten
"Kapital", sagt der Quarterly Reviewer, "flieht Tumult und Streit und ist ängstlicher Natur. Das ist sehr wahr, aber doch nicht die ganze Wahrheit. Das Kapital hat einen horror vor Abwesenheit von Profit oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. "Kapital", sagt der Quarterly Reviewer, "flieht Tumult und Streit und ist ängstlicher Natur. Das ist sehr wahr, aber doch nicht die ganze Wahrheit. Das Kapital hat einen horror vor Abwesenheit von Profit oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens. Wenn Tumult und Streit Profit bringen, wird es sie beide encouragieren. Beweis: Schmuggel und Sklavenhandel." - P. J. Dunning, zitiert in Das Kapital, Band I, S. 801, Dietz-Verlag Berlin, 1961 Beweis: Schmuggel und Sklavenhandel." - P. J. Dunning, zitiert in Das Kapital, Band I, S. 801, Dietz-Verlag Berlin, 1961
Beutz 13.12.2009
3. ;-]
Zitat von sysopEs sind schwere Vorwürfe gegen die Bankenbranche: Milliarden aus dem Drogenhandel seien zur Hochzeit der Finanzkrise ins internationale Bankensystem geflossen, erklärt das Uno-Büro zur Verbrechensbekämpfung. So manches Geldinstitut verdanke den Geldern gar das Überleben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,666799,00.html
Wieso würde ich mich nicht wundern, wenn es denn so währe? Liebe Grüße.
Pinarello, 13.12.2009
4. Organisiertes Kapitalverbrechen!
Zitat von sysopEs sind schwere Vorwürfe gegen die Bankenbranche: Milliarden aus dem Drogenhandel seien zur Hochzeit der Finanzkrise ins internationale Bankensystem geflossen, erklärt das Uno-Büro zur Verbrechensbekämpfung. So manches Geldinstitut verdanke den Geldern gar das Überleben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,666799,00.html
Sage ich doch schon seit Jahren: Finanzwirtschaft = Organisiertes Kapitalverbrechen. Das eine klappt nicht ohne das andere, bezahlen müssen es die dummen Steuerzahler über die Staatsverschuldung und den Zinsendienst der jeweiligen Länder.
Felix Fabri 13.12.2009
5. Der Ruf nach mehr Geld gellt durch die Welt
Drogengelder zur Rettung der Banken - wie langweilig! Das ist keine Überraschung, eigentlich gar nichts Neues. Denn wer hat denn die Aufrüstung der Nazis finanziert und den II. Weltkrieg für das sogen. "3.Reich" finanziert? Bei Banken ist es meiner Erfahrung nach so: Sie trauen sich entweder gar nichts zu oder es ist ihnen alles zuzutrauen. Die geschichtliche Erfahrung belegt dies - da muss man kein Kommunist, um das zu bestätigen. Jeder anständige Gewerbetreibende um die Ecke wird das bestätigen. Dass Geldverleiher im Mittelalter zu den unehrlichen Berufen gehörte, zeigt schon eine gewisse Weltklugheit.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.