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28. April 2010, 17:50 Uhr

Unruhe an den Märkten

Rating-Agentur S&P stuft auch Spanien herab

Schlechte Nachricht für Spaniens Premier Zapatero: Die Rating-Agentur Standard & Poor's hat die Kreditwürdigkeit des Landes auf den dritthöchsten Wert AA heruntergestuft. Die Märkte reagierten erschrocken: Der Euro-Kurs stürzte nach der Bekanntmachung nach unten, der Dax gab nach.

Madrid - Vor kurzem war er noch ein Horrorszenario, jetzt scheint ein europäischer Dominoeffekt Tag für Tag realistischer zu werden: Die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) hat auch die Kreditwürdigkeit von Spanien um eine Note gesenkt. Das Rating werde von 'AA+' auf "AA" reduziert, teilte das Unternehmen am Mittwoch in London mit.

Grund dafür sei, dass die Periode eines schleppenden Wachstums in dem Land länger andauern werde als bislang erwartet. Man gehe nun von einem durchschnittlichen Wachstum von 0,7 Prozent in den Jahren von 2010 bis 2016 aus, nach bislang erwarteten ein Prozent. Zudem sei der Ausblick für Spanien negativ. Dies bedeute, dass eine weitere Herabstufung möglich sei, falls sich die Finanzlage Spaniens schlechter als bislang von S&P vorhergesagt entwickele. Das Land müsse weitere Sparmaßnahmen ergreifen. Die Regierung in Madrid versicherte, sie werde alles tun, um ihre Sparziele zu erreichen.

Die Agentur Fitch erklärte unterdessen, sie halte an ihrem Rating "AAA" für Spanien und einem "stabilen" Ausblick fest. Die Regierung habe ein umfassendes Sparprogramm aufgelegt. Die Agentur Moody's wollte sich zunächst nicht äußern.

Finanzmarkt-Experten sagten, die Herabstufung Spaniens habe sich nach den Entwicklungen bei Griechenland und Portugal abgezeichnet. Solche Mitteilungen seien etwas, was Anleger auch in Zukunft erwarten müssten, sagte etwa Carl Birkelbach vom US-Finanzhaus Birkelbach Investment Securities. "Ich glaube, damit werden wir über Jahre leben müssen und ich gehe auch von einem weiteren Wertverfall beim Euro aus." Dieser werde aber nicht "desaströs" sein. Im Vergleich zur weltweiten Finanzkrise vor rund einem Jahr sei die gegenwärtige Krise als eher klein einzustufen.

Aufnahme von Schulden verteuert sich

Joseph Brusuelas von Brusuelas Analytics sagte, die Entwicklung zeige die Sorge vor einer Ausweitung der Finanzkrise in Europa. "Ich erwarte weitaus größere Hilfspakete für Griechenland und Portugal und auch bald Verhandlungen darüber, wie einer Ausweitung der Finanzkrise innerhalb Europas begegnet werden kann."

Am Dienstag hatte Standard & Poor's (S&P) bereits Portugal und Griechenland herabgestuft. Portugals Langzeit-Rating wurde um zwei Stufen auf "A-" gesenkt. Damit ist das Euro-Land noch vier Stufen vom spekulativen "Ramsch-Status" entfernt, den Griechenland nun hat. Analysten verwiesen darauf, dass Spanien im Vergleich dazu selbst mit dem gesenkten "AA"-Rating noch in einer wesentlich komfortableren Situation sei. Dennoch werde sich dadurch für die Regierung in Madrid die Aufnahme von Schulden nun verteuern.

Die Abstufung des Kredit-Ratings hat den Euro am späten Mittwochnachmittag auf ein neues Jahrestief geschickt. Die Gemeinschaftswährung fiel bis auf 1,3114 US-Dollar, das ist der tiefste Stand seit einem Jahr. Im weiteren Handelsverlauf holte er einen Teil der Verluste wieder auf und wurde zuletzt mit 1,3215 US-Dollar gehandelt.

Bereits vor der Abstufung hatte eine mögliche Zuspitzung der prekären Lage hoch verschuldeter Mitglieder der Euro-Zone wie Griechenland und Portugal den Euro belastet. Vor allem die politische Diskussion in Deutschland über Hilfen für Griechenland stand den ganzen Handelstag über im Fokus der Währungsmärkte. Am Nachmittag kündigten die Chefs der mit der griechischen Regierung verhandelnden Institutionen und die Bundesregierung an, Finanzhilfen für Griechenland so rasch wie möglich auf den Weg zu bringen.

Auch der deutsche Aktienmarkt hat am Mittwoch zum zweiten Mal in Folge Verluste erlitten. Der Dax fiel um 1,22 Prozent auf 6084,34 Punkte. Der MDax gab um 1,49 Prozent auf 8218,73 Punkte nach. Der TecDax verlor 2,6 Prozent auf 799,81 Punkte.

böl/Reutersdpa-AFX/ddp/Dow Jones

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