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Unruhe an den Märkten: Rating-Agentur S&P stuft auch Spanien herab

Schlechte Nachricht für Spaniens Premier Zapatero: Die Rating-Agentur Standard & Poor's hat die Kreditwürdigkeit des Landes auf den dritthöchsten Wert AA heruntergestuft. Die Märkte reagierten erschrocken: Der Euro-Kurs stürzte nach der Bekanntmachung nach unten, der Dax gab nach.

Spaniens Premier Zapatero: Herabstufung nach monatelanger Krise Zur Großansicht
REUTERS

Spaniens Premier Zapatero: Herabstufung nach monatelanger Krise

Madrid - Vor kurzem war er noch ein Horrorszenario, jetzt scheint ein europäischer Dominoeffekt Tag für Tag realistischer zu werden: Die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) hat auch die Kreditwürdigkeit von Spanien um eine Note gesenkt. Das Rating werde von 'AA+' auf "AA" reduziert, teilte das Unternehmen am Mittwoch in London mit.

Grund dafür sei, dass die Periode eines schleppenden Wachstums in dem Land länger andauern werde als bislang erwartet. Man gehe nun von einem durchschnittlichen Wachstum von 0,7 Prozent in den Jahren von 2010 bis 2016 aus, nach bislang erwarteten ein Prozent. Zudem sei der Ausblick für Spanien negativ. Dies bedeute, dass eine weitere Herabstufung möglich sei, falls sich die Finanzlage Spaniens schlechter als bislang von S&P vorhergesagt entwickele. Das Land müsse weitere Sparmaßnahmen ergreifen. Die Regierung in Madrid versicherte, sie werde alles tun, um ihre Sparziele zu erreichen.

Die Agentur Fitch erklärte unterdessen, sie halte an ihrem Rating "AAA" für Spanien und einem "stabilen" Ausblick fest. Die Regierung habe ein umfassendes Sparprogramm aufgelegt. Die Agentur Moody's wollte sich zunächst nicht äußern.

Finanzmarkt-Experten sagten, die Herabstufung Spaniens habe sich nach den Entwicklungen bei Griechenland und Portugal abgezeichnet. Solche Mitteilungen seien etwas, was Anleger auch in Zukunft erwarten müssten, sagte etwa Carl Birkelbach vom US-Finanzhaus Birkelbach Investment Securities. "Ich glaube, damit werden wir über Jahre leben müssen und ich gehe auch von einem weiteren Wertverfall beim Euro aus." Dieser werde aber nicht "desaströs" sein. Im Vergleich zur weltweiten Finanzkrise vor rund einem Jahr sei die gegenwärtige Krise als eher klein einzustufen.

Aufnahme von Schulden verteuert sich

Joseph Brusuelas von Brusuelas Analytics sagte, die Entwicklung zeige die Sorge vor einer Ausweitung der Finanzkrise in Europa. "Ich erwarte weitaus größere Hilfspakete für Griechenland und Portugal und auch bald Verhandlungen darüber, wie einer Ausweitung der Finanzkrise innerhalb Europas begegnet werden kann."

Am Dienstag hatte Standard & Poor's (S&P) bereits Portugal und Griechenland herabgestuft. Portugals Langzeit-Rating wurde um zwei Stufen auf "A-" gesenkt. Damit ist das Euro-Land noch vier Stufen vom spekulativen "Ramsch-Status" entfernt, den Griechenland nun hat. Analysten verwiesen darauf, dass Spanien im Vergleich dazu selbst mit dem gesenkten "AA"-Rating noch in einer wesentlich komfortableren Situation sei. Dennoch werde sich dadurch für die Regierung in Madrid die Aufnahme von Schulden nun verteuern.

Die Abstufung des Kredit-Ratings hat den Euro am späten Mittwochnachmittag auf ein neues Jahrestief geschickt. Die Gemeinschaftswährung fiel bis auf 1,3114 US-Dollar, das ist der tiefste Stand seit einem Jahr. Im weiteren Handelsverlauf holte er einen Teil der Verluste wieder auf und wurde zuletzt mit 1,3215 US-Dollar gehandelt.

Bereits vor der Abstufung hatte eine mögliche Zuspitzung der prekären Lage hoch verschuldeter Mitglieder der Euro-Zone wie Griechenland und Portugal den Euro belastet. Vor allem die politische Diskussion in Deutschland über Hilfen für Griechenland stand den ganzen Handelstag über im Fokus der Währungsmärkte. Am Nachmittag kündigten die Chefs der mit der griechischen Regierung verhandelnden Institutionen und die Bundesregierung an, Finanzhilfen für Griechenland so rasch wie möglich auf den Weg zu bringen.

Auch der deutsche Aktienmarkt hat am Mittwoch zum zweiten Mal in Folge Verluste erlitten. Der Dax Chart zeigen fiel um 1,22 Prozent auf 6084,34 Punkte. Der MDax Chart zeigen gab um 1,49 Prozent auf 8218,73 Punkte nach. Der TecDax Chart zeigen verlor 2,6 Prozent auf 799,81 Punkte.

böl/Reutersdpa-AFX/ddp/Dow Jones

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 191 Beiträge
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1. Ratingagenturen
redpirate37 28.04.2010
Ratingagenturen sind auchnicht mehr das was sie mal waren. Wem gehören die eigentlich? ;)
2. Wahnsinn
Hanspanzer 28.04.2010
Das ist doch Wahnsinn. Da hocken ein paar Hanseln in einer Ratingagentur, richten den Daumen ausgestreckt nach unten und schon bricht Panik und Eurountergangsstimmung aus.
3. Beunruhigend
Vergil 28.04.2010
Das klingt alles doch sehr beunruhigend...
4. mit System und Taktik
Sintra 28.04.2010
Was habe ich eben zu Portugal geschrieben? Dass private Rating Agenturen die scheibchenweise Demontage des Euro betreiben - und schon ist Spanien dran. Verflucht der Schelm der Boeses dabei denkt.
5. Spanien vor Portugal....
haltetdendieb 28.04.2010
...das ist aber unfair! Erst Portugal und dann Spanien, dann Irland und dann.... ...am Ende einer langen Schlange endlich auch Deutschland! Raus aus dem Euro, raus aus Afghanistan und raus aus der EU! Das ist das Einzige, was ich dem Merkel raten kann!!!
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Wie Rating-Agenturen arbeiten
Die Agenturen
Rating-Agenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Unternehmen, Banken und Staaten. Dabei fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen oder eine Beurteilung des Managements. Die weltweit einflussreichsten Rating-Agenturen sind Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch .
Bedeutung des Ratings
Je schlechter sie die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, umso teurer und schwieriger wird es für diesen, sich Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, schlimmstenfalls ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern zum Beispiel auch institutionelle Investoren.
Die Einstufung
Für ihre Einstufungen verwenden die Agenturen Buchstabencodes. Die Skala beginnt beispielsweise bei Standard & Poor's und Fitch mit der Bestnote AAA (Englisch: "Triple A"). Es folgen AA, A, BBB, BB, B, CCC, CC, C. Die meisten Stufen können mit Plus- und Minuszeichen noch feiner unterteilt werden. Ab BB+ beginnt der spekulative Bereich, der auch "Ramsch" (englisch: "Junk") genannt wird. Die Skala reicht bis D - das bedeutet, dass ein Ausfall des Schuldners eingetreten ist.
Kritik
Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen (Ratings) Mathematik und welcher Meinung ist. In der Finanzkrise wurden Rating-Agenturen an den Pranger gestellt: Weil sie Ramschpapiere als sichere Geldanlage anpriesen, wurde ihnen eine Mitschuld an der Krise gegeben.
Bewertungen der Rating-Agenturen
Land  Fitch  Standard & Poor's Moody's
Portugal AA- A- Aa2
Italien AA- A+ Aa2
Irland AA- AA Aa1
Griechenland BBB- BB+ A3
Spanien AAA AA Aaa

Das bedeuten die Ratings
Moody's S&P Fitch Bewertung
Aaa AAA AAA Beste Qualität
Aa1 AA+ AA+ Sichere Anlage
Aa2 AA AA
Aa3 AA- AA-
A1 A+ A+ Prinzipiell sichere Anlage
A2 A A
A3 A- A-
Baa1 BBB+ BBB+ Durchschnittlich gute Anlage
Baa2 BBB BBB
Baa3 BBB- BBB-
Ba1 BB+ BB+ Spekulative Anlage
Ba2 BB BB
Ba3 BB- BB-
B1 B+ B+ Hochspekulative Anlage
B2 B B
B3 B- B-
Caa1 CCC+ CCC+ Substantielle Risiken / Extrem spekulativ
Caa2 CCC CCC
Caa3 CCC- CCC-
Ca CC CC
Ca C C
C D D Zahlungsausfall

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