Von Michael Kröger
Berlin - Die Controlling-Abteilungen sind eine Macht in den Automobilkonzernen. Mit größter Sorgfalt durchforsten die Betriebswirte lange vor dem Start eines neuen Modells die Teilelisten und klopfen jede Position darauf ab, ob noch der eine oder andere Cent zu sparen ist.
Mit der gleichen Akribie machte sich die Finanzabteilung von Volkswagen
an die erste Vorausrechnung, ob denn die neue Regelung zur Rundfunkgebühr zu Kostensteigerungen bei den Dienstwagen führen könnte - und gaben bald darauf Entwarnung: "In dem Bereich sind keine gravierenden Änderungen zu erwarten", sagt Konzernsprecher Eric Felber. Business as usual also.
Nicht jeder reagiert so gelassen. Nachdem die Drogeriekette Rossmann bereits eine Klage angekündigt hat, will jetzt Köln die Zahlung der Rundfunkgebühr zunächst verweigern. Gerd Landsberg vom Städte- und Gemeindebund schloss nicht aus, dass dem weitere Kommunen folgen werden.
Drastische Preisaufschläge im Einzelfall
Der Ärger hat einen ganz bestimmten Grund: Anders als in Privathaushalten, wo pro Wohnung ein Beitrag fällig wird, müssen die Kommunen ihre Beiträge entsprechend der Anzahl ihrer Dienststellen und Betriebsstätten unter Berücksichtigung der dort Beschäftigten und nach der Anzahl ihrer Kraftfahrzeuge bezahlen - genau wie die Unternehmen in der Wirtschaft.
Im Einzelfall kommen dadurch drastische Preisaufschläge zustande, speziell bei solchen Firmen, die viele Filialen betreiben oder über einen größeren Fuhrpark verfügen. 20 Beschäftigte und mehr in einer Betriebsstätte führen bereits zu einer Verdoppelung des Grundbeitrags von 17,98 Euro. Die Staffelung reicht bis zu einer Betriebsgröße von 20.000 Mitarbeitern, für die dann 3236,40 Euro monatlich zu entrichten sind. Ins Gewicht fällt dabei allein die Zahl der Angestellten, ganz gleich, ob die ganz- oder halbtags arbeiten.
Der nächste Kostenpunkt ist die Fahrzeugflotte. Das erste Auto ist frei, danach kostet jedes weitere zusätzlich 5,99 pro Monat. Der Autovermieter Sixt fürchtet deshalb zusätzliche Belastungen in sechsstelliger Höhe. Die Bahn geht davon aus, dass sich ihre Kosten mehr als verdreifachen. Die Liste ließe sich noch um einige Beispiele erweitern.
Aufregung verpufft
Fragt man jedoch konkret in den Unternehmen nach, dann verpufft die Aufregung regelrecht. Große Ketten wie der Autoglaser Carglass oder der Reifenspezialist Pitstop sehen keinen Anlass, sich dem Thema zu äußern. Die Aufzugbauer Schindler
und Otis, die große Flotten an Servicefahrzeugen betreiben, wissen mit dem Thema wenig anzufangen. "Wir haben aus den damit befassten Abteilungen noch nichts darüber gehört", sagte Otis-Sprecher Marc Drescher. Beim Logistikriesen Kühne + Nagel
sucht man noch nach dem richtigen Ansprechpartner. Auch bei Daimler
ist der Rundfunkbeitrag noch kein Aufregerthema.
Dabei dürften die angesprochenen Unternehmen allesamt zu den Betrieben zählen, die mit deutlichen Aufschlägen zu rechnen haben, sei es wegen der hohen Zahl von Filialen (Carglass oder Pitstop) oder der großen Zahl der Servicefahrzeuge (Otis, Schindler). Den meisten sei offensichtlich noch nicht klar, welche Kosten auf sie zukämen, vermutet ein Betriebswirt, der bei VW arbeitet. "Ich glaube, auch in Wolfsburg wartet man noch auf den Bescheid der GEZ."
Die klarsten Statements kommen derzeit noch am ehesten von den Verbandsvertretern, etwa dem Verband der Einzelhändler HDE. "Der Ärger ist durch die Bank sehr groß", erklärt dessen Experte Olaf Roik. Allerdings würden auch die Mitglieder des HDE sehr unterschiedlich belastet. Insofern könne man nicht von einem einheitlichen Stimmungsbild sprechen.
In einem ähnlichen Spannungsfeld bewegt sich auch der Deutsche Hotel und Gaststättenverband (Dehoga). Dort zeigt man sich grundsätzlich sogar zufrieden mit dem neuen Rundfunkbeitrag. Denn er führt für die allermeisten Häuser zu einer spürbaren Entlastung, weil nun nicht mehr jeder Fernseher auf jedem Hotelzimmer mit einer vollen Gebühr abgerechnet wird.
Schlecht vom Dehoga vertreten fühlt sich dagegen Uwe Neumann, der die Geschicke des Cityhostel in Berlin lenkt. "Wir betreiben jedenfalls in unseren Mehrbettzimmern kein einziges Empfangsgerät , müssen aber trotzdem die neue Pauschale in Höhe von 5,99 Euro pro Zimmer bezahlen", beschwert sich der Manager. Dadurch habe sich die Jahresgebühr von 1250 auf mehr als 7600 Euro erhöht.
Anmerkung der Redaktion:
In einer führeren Version haben wir Herrn Neumann mit den Worten zitiert, Cityhostel betreibe kein einziges Empfangsgerät auch den Zimmern. Tatsächlich sind aber die Einzelzimmer mit Fernsehern ausgestattet. Wir haben das Zitat in diesem Sinne korrigiert.
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Staat & Soziales | RSS |
| alles zum Thema Rundfunkgebühren | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH