Export-Star Systems Sunlight: Diese griechische Firma lockt auch deutsche Fachkräfte

Von Georgios Christidis, Thessaloniki

Erfolgreiche Exporteure aus Griechenland, gibt's die überhaupt noch? Der Batteriehersteller Sunlight macht vor, wie made in Greece funktionieren kann. Dank Qualität und moderner Fabriken erzielt er das Gros seiner Umsätze im Ausland - und lockt sogar Arbeitskräfte aus anderen EU-Staaten an.

Systems Sunlight: Exportschlager aus Athen Fotos
Systems Sunlight

Die Vorstellung, dass ein griechischer Batterienhersteller den deutschen Markt erobert, erscheint ungefähr so abwegig, wie dass ein deutscher Produzent von Olivenöl in Griechenland große Erfolge feiert. Dennoch gibt es eine solche Firma: Systems Sunlight.

Das Athener Unternehmen rangiert in den Top Drei der Hersteller komplexer Batteriensysteme, 2011 machte es einem Umsatz von rund 115 Millionen Euro. Es hat Repräsentanzen in neun Ländern und ein Vertriebs- und Partnernetz, das sich über mehr als hundert Staaten erstreckt. Besonders aktiv ist Sunlight in Deutschland, dort kauft unter anderem das Bundesverteidigungsministerium der Firma seit vielen Jahren U-Boot-Batterien ab.

Die Firma ist ein Hoffnungsträger: Sie zeigt, dass es in Griechenland noch Betriebe gibt, die international Erfolg haben können. Sie verdeutlicht, mit welchen Strategien die griechische Wirtschaft wieder wachsen kann und welche Probleme es dabei zu überwinden gilt. Sie geht zudem den entgegengesetzten Weg der meisten anderen Unternehmen. So hat etwa der größte europäische Einzelhändler Carrefour jüngst angekündigt, sich wegen der unsicheren wirtschaftlichen Lage aus Griechenland zurückzuziehen. Die Sunlight-Chefs gehen jedoch hart mit Griechenland ins Gericht: Sie glauben, dass jahrelange politische Misswirtschaft das Unternehmertum beschädigt hat.

Sunlight ist ein untypisches Unternehmen für Griechenland. In einem Staat mit niedriger Wettbewerbsfähigkeit und niedriger Exportquote verkauft es rund 98 Prozent seiner Produktion ins Ausland. In einem Land, das unter Kapitalflucht und sinkenden Investitionen leidet, plant die Firma ein Multi-Millionen-Euro-Projekt in Nordgriechenland. "Viele mögen das für verrückt halten", sagt Firmenchef Konstantinos Lafkas, während er in einem Café einen Käsekuchen vertilgt. Tatsächlich gibt es dafür gute Gründe.

"Wir spielen nicht einmal mehr in der zweiten Liga"

Die meisten griechischen Firmen schneiden im internationalen Markt unterdurchschnittlich ab - und das schon seit Jahren. Sie tun sich schwer, Güter oder Dienstleistungen von hoher Qualität anzubieten, die auch für ausländische Kunden attraktiv sind. Gleichzeitig kann das Land nicht mehr über günstigere Preise konkurrieren, da es keine nationale Währung mehr hat, die in Zeiten von Schwäche abwertet und die Güter oder Dienstleistungen so im internationalen Vergleich günstiger macht.

Die Kombination aus sinkender Wettbewerbsfähigkeit und starrem Wechselkurs ließ Griechenlands Handelsdefizit in die Höhe schnellen - und mit ihm die Schulden. Es ist einer der Hauptgründe dafür, dass das Land heute am Tropf von EU und Internationalem Währungsfonds hängt.

Die Griechen aber merkten davon lange nichts. Denn der Binnenkonsum boomte, angeheizt von niedrigen Kreditzinsen, und auch der Staat war für viele Firmen lange ein guter Kunde. Das Heimatland von Sunlight-Chef Lafkas verlor immer stärker den Anschluss.

Die Griechen sehen sich traditionell als stolze Unternehmer. "Aber sie sind faul geworden", sagt Sunlight-Vorstand Christos Kartalis. Lafkas ist gegenüber seinen Landsleuten nicht weniger kritisch. Es gebe Märkte zu erobern, sagt er, Märkte mit gewaltigem Potential. "Aber was verkaufen griechische Firmen schon in der Türkei oder im Nahen Osten? Fast nichts."

Nun ist der schuldenbasierte Nachfrageboom vorbei, der Binnenkonsum schwächelt. Damit die griechische Wirtschaft wieder wächst, müssen die Unternehmen deutlich mehr exportieren. Zuletzt trugen die Ausfuhren nur noch rund 20 Prozent zur griechischen Wirtschaftsleistung bei. Damit belege das Land in Europa eines der hintersten Plätze, sagt Dimitris Lakasas, der Vorsitzende eines Verbands exportorientierter Unternehmen Nordgriechenlands. "Wir spielen nicht einmal mehr in der zweiten Liga." Die Firmen hätten zwei Möglichkeiten: mehr exportieren - oder untergehen.

"Die Marke Griechenland ist beschädigt"

Man könnte nun glauben, dass die griechische Regierung in ihrer Bemühung, neues Wachstum zu schaffen, ein starker Unterstützer der Exportindustrie ist. Doch das stimmt nicht. Griechische Firmen wie Sunlight sind nicht wegen des Staatsapparats erfolgreiche Exporteure - sondern ihm zum Trotz. "Die Marke Griechenland ist beschädigt", sagt Lakasas. Wie stark das die Geschäfte erschwert, hat die Firma Sunlight selbst erfahren - bei ihrer Expansion in Deutschland. "Es hat lange gedauert, die Deutschen zu überzeugen, dass eine Firma aus dem kleinen Griechenland ein verlässlicher Partner ist", sagt Kartalis.

Hinzu kommt: Es ist in Griechenland nicht leicht, ein Unternehmen großzuziehen. Viele Unternehmer verzweifeln an den Behörden. "Die griechische Bürokratie ist so ineffektiv wie eh und je", sagt Lakasas.

Die Firma Sunlight will trotz dieser Probleme weiter in Griechenland investieren. Mehr als 100 Millionen Euro hat sie bereits in ihre heimischen Standorte gesteckt, und gerade bereitet sie den Bau einer Anlage zum Recycling von Batterien nahe der Stadt Komotini vor. Kostenpunkt: gut 20 Millionen Euro. "Wir glauben an den Standort Griechenland", sagt Kartalis. "Unsere Angestellten hier sind zusammen mit der Firma an ihren Aufgaben gewachsen."

Sunlight gelang es sogar, Fachkräfte aus Deutschland abzuwerben. Zum Beispiel Christiane Serger, eine ehemalige Top-Managerin bei einem deutschen Batteriehersteller. Heute leitet sie bei Sunlight das stationäre Batteriegeschäft. Nach eigenen Angaben hat sie der hohe Qualitätsanspruch der Griechen zum Wechseln überzeugt. "Ich habe viele Batteriefabriken in Deutschland, den Niederlanden, Italien und der Schweiz gesehen", sagt sie. "Die Fabrik von Sunlight war moderner und technisch ausgereifter als alle anderen."

Übersetzung: Stefan Schultz

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insgesamt 30 Beiträge
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1. Wie viele Menschen sehe ich in der Fabrik ?
2-karl 26.06.2012
Also dürfte sich "Wirtschaft" nur für Investoren rechnen.
2. Porsche
joppo 26.06.2012
Zitat von sysopSystems SunlightGriechenlands Wirtschaft muss wachsen, mehr exportieren - doch die meisten Firmen versagen im globalen Konkurrenzkampf. Jahrelange Misswirtschaft hat das Unternehmertum beschädigt. Firmen wie der erfolgreiche Batteriehersteller Systems Sunlight werden da zum Hoffnungsträger. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,839575,00.html
Mann kan Porsche, Thyssen,BMW, Bayer, usw und die Mercedesproduktion nach Griechenland verlegen, solange wie die beambten noch immer korrupt sind, und dei meisten ihre steuern nicht berappen, wirdts nichts! Ich warte noch immer auf ein politiker der seine klappe aufreisst.
3. Lage der Nation...
el-gato-lopez 26.06.2012
Zitat von sysopSystems SunlightGriechenlands Wirtschaft muss wachsen, mehr exportieren - doch die meisten Firmen versagen im globalen Konkurrenzkampf. Jahrelange Misswirtschaft hat das Unternehmertum beschädigt. Firmen wie der erfolgreiche Batteriehersteller Systems Sunlight werden da zum Hoffnungsträger. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,839575,00.html
Es sagt viel (und nichts positives) über die Lage der griechischen Wirtschaft aus, wenn als eines der wenigen Vorzeigeunternehmen ein Mittelständler in einem B2B Nischenmarkt herhalten muss... Dass die Firma erfolg hat, ist zwar toll - ändert aber nichts an den miserablen Rahmenbedingungen (Bürokratiewahn, Korruption etc.), die den griechischen SME-Bereich seit Jahren konsequent abwürgen. Da ändert weder mehr Sparen noch ein "Wachstumsprogramm", ergo Geld verschenken, irgendwas dran.
4. Griechische Industrie ?
roskipper 26.06.2012
"Besonders aktiv ist Sunlight in Deutschland, dort kauft unter anderem das Bundesverteidigungsministerium der Firma seit vielen Jahren U-Boot-Batterien ab." ..an die Redaktion: hier sollten Sie etwas vorsichtiger formulieren, denn Batterien und Ersatzteile werden vom Hersteller der U-Boote und nicht von Beamten des Verteidigungsministeriums gekauft.Also ich habe großen Zweifel, daß die Batterien der U-Boot Dolphin Klasse aus Griechenland kommen, schon aus strategischen Gründen.
5. Verdorbenes System!
Benjowi 26.06.2012
Zitat von sysopSystems SunlightGriechenlands Wirtschaft muss wachsen, mehr exportieren - doch die meisten Firmen versagen im globalen Konkurrenzkampf. Jahrelange Misswirtschaft hat das Unternehmertum beschädigt. Firmen wie der erfolgreiche Batteriehersteller Systems Sunlight werden da zum Hoffnungsträger. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,839575,00.html
Griechenland hat durchaus hervorragende Leute und eine teilweise hart arbeitende Bevölkerung. Aber alle Bemühungen, etwas auf die Beine zu stellen, scheitern im Allgemeinen an einer unfähigen, korrupten Beamtenschaft, die die unsinnigsten Vorschriften erfindet, um abzuzocken. Gleichzeitig dient diese Kaste der verdorbenen Oberschicht als Schutzschild, um den Staat bis auf die Knochen auszuplündern. Solange dieses mafiöse System nicht ausgeräuchert ist, müssen die EU-Geldgeber schon ein gehöriges Maß an Masochismus aufbringen, um da Geld hineinzupumpen, denn allein gehfähig würde dieses System niemals.
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Zum Autor
  • Georgios Christidis arbeitet als freier Journalist in Thessaloniki. Zuvor war er Wirtschaftsredakteur bei der Tageszeitung "Makedonia". Der 36-Jährige schreibt derzeit eine Doktorarbeit über die griechische Schuldenkrise.