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Unverhoffter Geldsegen: Occupy Frankfurt streitet über Linkspartei-Spenden

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Occupy Frankfurt wächst und gedeiht, nicht zuletzt wegen großzügiger Spenden. Vor allem politische Parteien überwiesen gern - allen voran die Linke, die auch sonst die Nähe zur Bewegung sucht. Manche Demonstranten fürchten bereits um ihre Unabhängigkeit.

Protestmarsch in Frankfurt: Am Samstag kamen wieder Tausende zur Occupy-Demo Zur Großansicht
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Protestmarsch in Frankfurt: Am Samstag kamen wieder Tausende zur Occupy-Demo

Hamburg - Die Occupy-Bewegung will sich von niemandem vereinnahmen lassen: nicht von den Gewerkschaften, nicht von den PR-Abteilungen irgendwelcher Unternehmen - und schon gar nicht von den politischen Parteien. Zu letzteren sind die Protestcamper besonders streng. Mehrfach haben sie Parteifunktionäre auf ihren Demos ermahnt, ihre Banner und Logos wieder abzubauen.

Doch ganz ohne die Parteien geht es offenbar auch nicht. Zumindest erweisen sich diese als spendabel, wenn es darum geht, die Protestbewegung zu unterstützen. In dem florierenden Protestcamp in Frankfurt etwa stammt rund ein Viertel aller Spenden von Parteien - zum Leidwesen vieler seiner Bewohner.

"Es gibt eine merkwürdige Spendensituation", moniert einer, der regelmäßig dort ist. "Die Parteien geben kräftig Geld, bitten aber darum, das nicht an die große Glocke zu hängen. Ich hoffe, die Bewegung lässt sich dadurch nicht korrumpieren."

Insgesamt habe man bisher rund 4500 Euro Spenden erhalten, sagen Mitglieder der Occupy-Bewegung auf Nachfrage, davon 2000 Euro über ein Paypal-Konto. SPD und Grüne hätten je rund 250 Euro gezahlt. Bis zu 700 Euro seien von der Linkspartei gekommen; die Linke habe zudem versprochen, die Verlegung eines Stromkabels ins Camp zu finanzieren, die noch einmal 500 Euro koste.

"Sonst sind wir am Ende auch nicht besser als die FDP"

Angesichts den Milliarden und Abermilliarden, die die Staaten im Kampf gegen die Euro-Krise in die Hand nehmen, sind das freilich Peanuts. Manche Protestcamper finden die Situation dennoch problematisch. Einer fordert, zumindest jene Spenden offenzulegen, die von Unternehmen, Parteimitgliedern oder anderen Interessengruppen stammen. "Sonst sind wir am Ende auch nicht besser als die FDP, die Spenden kassiert und nicht sagt, von wem."

Andere im Camp sehen die Lage entspannter. "Wir lassen uns von niemandem vereinnahmen", sagt Colin Below, einer der Organisatoren. "Die Parteien und ihre Mitglieder können gerne spenden. Aber wir werden sie deshalb nicht bevorzugen."

Die Linkspartei lässt dennoch keine Möglichkeit aus, sich mit den Occupy-Leuten zu verbrüdern: "Wir sind Teil dieser Bewegung", sagte ihre Chefin Gesine Lötzsch am Freitag auf dem Parteitag in Erfurt. In Frankfurt sucht nach Angaben mehrerer Occupy-Mitglieder vor allem die Politikerin Sabine Leidig den Schulterschluss zu den Demonstranten. Diese war von 2003 bis 2009 Geschäftsführerin des Protestnetzwerks Attac und sitzt seit September 2009 für die Linkspartei im Bundestag.

"Ich unterstütze die Proteste in all ihrer Vielfalt", sagt Leidig am Samstag auf Nachfrage. "Wir haben in Hessen einen Aufruf an die Parteimitglieder gestartet, an Occupy Frankfurt zu spenden. Auch beim Spendenverein der Linken wurde angefragt." Zudem habe man den Demonstranten ein Holzhäuschen für ihr Equipment zur Verfügung gestellt.

Das Protestcamp in Frankfurt wächst und gedeiht dank solcher Hilfen weiter. Am Samstag standen vor der Europäischen Zentralbank rund 70 Zelte, dazu Infostände und drei größere Pavillons, in denen Anhänger der Bewegung sich zu Diskussionen treffen. An einem Protestzug zur Deutschen Bank nahmen mehrere Tausend Menschen teil.

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