Urteil des Verfassungsgerichts Steuerzahler dürfen Arbeitszimmer wieder besser absetzen

Gute Nachricht für Lehrer, Architekten, Außendienstler und andere: Die eingeschränkte Absetzbarkeit von Heimbüros ist grundgesetzwidrig, das hat nun das Bundesverfassungsgericht erklärt. Der häusliche Arbeitsplatz kann auch dann wieder geltend gemacht werden, wenn er nicht Arbeitsmittelpunkt ist.

Heimbüro: Gesetzgeber muss die Regelung rückwirkend zum 1. Januar 2007 ändern
Corbis

Heimbüro: Gesetzgeber muss die Regelung rückwirkend zum 1. Januar 2007 ändern


Karlsruhe - Dürfen Lehrer und andere Berufstätige ihr Heimbüro von der Steuer absetzen? Das Bundesverfassungsgericht hält das für möglich - und widerspricht damit der derzeit geltenden Regelung.

Das Steuerrecht ist in diesem Punkt verfassungswidrig, entschieden die obersten deutschen Richter mit fünf zu drei Stimmen in einem am Donnerstag veröffentlichten Beschluss und kippten damit eine im Jahr 2007 in Kraft getretene Entscheidung der Bundesregierung.

Dem jetzigen Urteil nach müssen Aufwendungen für häusliche Arbeitszimmer nun auch dann von der Steuer abgesetzt werden können, wenn das Büro nicht den Mittelpunkt der gesamten Arbeit darstellt. Voraussetzung sei, dass kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung stehe, hieß es zur Begründung.

Ein Lehrer hatte geklagt - und nun Recht bekommen

Der Gesetzgeber muss die Regelung jetzt rückwirkend zum 1. Januar 2007 ändern. Bis dahin dürfen Gerichte und Behörden die Vorschrift so nicht mehr anwenden; laufende Steuerverfahren sind auszusetzen, so das Verfassungsgericht. Sofern ein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht, dürfen Heimbüros, die nicht den Arbeitsmittelpunkt bilden, aber weiterhin nicht abgesetzt werden - selbst wenn sie zu mehr als 50 Prozent der beruflichen Tätigkeit genutzt werden. (Aktenzeichen: Bundesverfassungsgericht 2 BvL 13/09)

Das Verfassungsgericht entschied über eine Vorlage des Finanzgerichts Münster, das die Regelung als Verstoß gegen die Verfassung bewertet hatte. Zuvor hatte ein Lehrer geklagt. Bis 2007 konnten die Kosten für Arbeitszimmer auch dann abgesetzt werden, wenn der Steuerpflichtige nur einen Teil seiner Arbeit dort verrichtete.

yes/Reuters/apn



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 67 Beiträge
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fredvonmars 29.07.2010
1. Vielen Dank BVerfG
Auch wenn ich mich regelmässig wiederhole: Vielen Dank BVerfG. Wenn wir Euch nicht hätten, sähe es schon viel schlimmer in dieser Republik aus. Und: Schande über Schwarz-Rot: Ihr seid vermutlich die Regierung mit den meisten verfassungwidrigen Gesetzen die je in Deutschland ihr Unwesen getrieben haben.
prophet46 29.07.2010
2. Überfällig
Zitat von sysopGute Nachricht für Lehrer, Architekten, Außendienstler und andere: Die eingeschränkte Absetzbarkeit von Heimbüros ist grundgesetzwidrig, das hat nun das Bundesverfassungsgericht erklärt. Der häusliche Arbeitsplatz kann auch dann wieder geltend gemacht werden, wenn er nicht Arbeitsmittelpunkt ist. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,709022,00.html
Man musste nur auf die Herren Richter vertrauen, die ihr Heim zuweilen auch als Arbeitsplatz benutzen. Die Abschaffung der Absetzbarkeit war verfassungswiedrig. Alles geht doch nicht Herrn Steinbrück und Herr Koch.
neuroheaven 29.07.2010
3. ...
richtig so. peinlich, dass so etwas offensichtlich richtiges, erst durch ein gericht entschieden werden muss. wieder mal eine klatsche für die unfähigen in berlin. und jetzt bitte, für millionen betroffene rückwirkend ab 2007 die steuererklärunge nachkorrigieren und das zustehende geld auskehren. vielen dank.
mneisen 29.07.2010
4. Aktion Automatische Überschrift
Zitat von sysopGute Nachricht für Lehrer, Architekten, Außendienstler und andere: Die eingeschränkte Absetzbarkeit von Heimbüros ist grundgesetzwidrig, das hat nun das Bundesverfassungsgericht erklärt. Der häusliche Arbeitsplatz kann auch dann wieder geltend gemacht werden, wenn er nicht Arbeitsmittelpunkt ist. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,709022,00.html
Aufgrund der fehlenden Frage im initialen Post stelle und beantworte ich die Frage mal selbst: Ist es richtig, dass das häusliche Arbeitszimmer nun wieder abgesetzt werden kann? Natürlich, denn dort wird (häufig sehr hart) gearbeitet. Dass der Gesetzgeber dies nicht erkennen wollte, war skandalös - und dem BVerfG gebührt einmal mehr Anerkennung für diese Entscheidung.
Frank.W, 29.07.2010
5. Vielen Dank BVerfG - 2 -
Wann kann man Euch endlich wählen, damit diese Politikclownerei endlich mal ein Ende hat und dieses unser Land wieder professionell regiert wird!!!
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