US-Arbeitsmarkt: Notenbankchef spricht von "nationaler Krise"

Ben Bernanke redet Klartext: Der Chef der US-Notenbank hält die Lage auf dem heimischen Arbeitsmarkt für so prekär wie noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg. Zu viele Menschen sind zu lange ohne Job - nun müsse der amerikanische Kongress endlich handeln.

Notenbankchef Bernanke: Lob für Schwellenländer Zur Großansicht
AFP

Notenbankchef Bernanke: Lob für Schwellenländer

Washington - Die Lage auf dem US-Arbeitsmarkt hat das Ausmaß einer "nationalen Krise" erreicht - so klar und deutlich hat es Notenbankchef Ben Bernanke jetzt gesagt: Etwa 45 Prozent der Arbeitslosen in den USA seien seit mindestens sechs Monaten ohne Beschäftigung, sagte Bernanke am Mittwochabend (Ortszeit) nach einer Rede in Cleveland. So prekär sei die Lage seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gewesen.

Die Aussage Bernankes hat gewaltige Wucht: Der Chef der Federal Reserve (Fed) ist eher ein Mann der leisen Töne - wenn er sich so deutlich äußert, scheint es ihm ernster denn je mit der US-Wirtschaft zu sein. Erst vergangene Woche hatte der oberste Währungshüter vor "erheblichen Abwärtsrisiken im Konjunkturausblick, einschließlich der Anspannungen an den weltweiten Finanzmärkten" gewarnt - und erneut Maßnahmen ergriffen, um die lahmende US-Wirtschaft anzukurbeln. Die Fed nimmt bis Mitte kommenden Jahres 400 Milliarden Dollar in die Hand, um lang laufende Anleihen zu erwerben. Die "Operation Twist" soll die langfristigen Zinsen senken.

Der Notenbankchef schloss im Falle einer sinkenden Inflation weitere unkonventionelle geldpolitische Maßnahmen nicht aus. "Wenn die Teuerung oder die Teuerungserwartungen auf einen zu niedrigen Stand sinken, wäre das etwas, auf das wir reagieren müssten, weil wir keine Deflation wollen", sagte Bernanke. Die Fed beobachte die Situation sehr genau.

Eindringlicher Rat für Industrieländer

Doch jetzt sieht Bernanke die Politik in der Pflicht: Er forderte die Kongressabgeordneten dazu auf, mehr im Kampf gegen die Langzeitarbeitslosigkeit tun. Daneben seien die fehlende Haushaltsdisziplin und der Immobilienmarkt die dringlichsten Probleme des Landes.

Die Aussagen Bernankes dürften US-Präsident Barack Obama nicht gefallen. Obama hatte zuletzt den Europäern vornehmlich die Schuld für die derzeitige Krise gegeben, die jedoch wollen nichts davon wissen.

Doch Bernanke hat auch einen Rat für alle Industrieländer parat: Sie sollten sich die Schwellenländer mal genauer anschauen. Da gebe es bezüglich der Haushaltsdisziplin viel zu lernen.

yes/AP/Reuters

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insgesamt 26 Beiträge
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1. Krise hier, Krise dort
cottoner 29.09.2011
Krise wohin man schaut. Ja, wir haben eine Krise und zwar eine gewaltige. Wir erleben eine Krise des Systems und da trifft die USA eine erhebliche Schuld. Ein vollkommen ungezuegeltes Geld und Finanzsystem, laufend neues Geld aus dem Nichts erschaffen und die Welt darin absaufen zu lassen und Massnahmen verweigern, welche die Bankster endlich an die kurze Leine legen sind die Ursachen der jetzigen Situation. Das der Praesident verbal wild um sich haut und sein FED Obergangster laut und deutlich von einer Krise redet, verheisst nichts Gutes fuer die USA. Das Schiff der Weltwirtschaft hat schwere Schlagseite und ein sinken ist in greifbarer Naehe.
2. Quadratur des Kreises
bunterepublik 29.09.2011
Wie soll das gehen? Aktive Beschäftigungspolitik, Abbau der öffentlichen Verschuldung, stabiles Wachstum und dann noch stabile Preise. Hierüber machen sich Wirtschaftswissenschaftler seit Jahrzehnten Gedanken und kommen zu dem Ergebnis, dass es sich um Ziele handelt, die im Konflikt zueinander stehen.
3. Das kommt davon wenn man Politik für 0,5% der Bevölkerung macht
peterhausdoerfer 29.09.2011
Zitat von sysopBen Bernanke redet Klartext: Der Chef der US-Notenbank hält die Lage auf dem heimischen Arbeitsmarkt für so prekär wie nach dem Zweiten Weltkrieg. Zu viele Menschen sind zu*lange ohne Job - nun müsse*der amerikanische Kongress endlich handeln. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,788982,00.html
Und seine Industrieproduktion nach China exportiert. Ohne eine Politik für das Gemeinwohl geht das Land zugrunde, eine Plutokratie ist nicht leistungfähig genug um im Wettbewerb zu bestehen.
4. Auswegslos
dolcegusto67 29.09.2011
Die USA haben insofern das Problem, da Sie durch die ganze Globalisierung einen Grossteil Ihrer Jobs (vorallem Handwerk) ins Ausland verlagert haben; bestes Beispiel sind doch die schönen Apple-Produkte (Made in China but designed in California). Auch werden die 400 Milliarden USD die nun gedruckt werden, keine Million Jobs schaffen...leider. Die USA stehen vor einer sehr sehr schweren Zeit. Ich hoffe blos nicht, dass sich die Polemik gegen Europa ausweitet, denn wir sind für diese Krise garantiert nicht verantwortlich. Der Initiator der Krise (LEHMAN) waren doch die USA mit Ihrem Hyperkapitalismus, oder ? The american dream is unfortunately over.
5. Das Problem ist die ungerechte Geldverteilung in USA
marvinw 29.09.2011
In USA wird Arbeit nicht geschätzt wie auch in Deutschland. Dort arbeitet eine ausgebildete Fachkraft für 6-10§ die Stunde. Das Problem ist die Gier der Eliten die Arbeit nicht angemessen belohnen wollen. Würde die Geldverteilung in USA besser sein, hätten die Menschen mehr Geld und mehr Möglichkeiten sich selbständig zu machen, Firmen zu eröffnen und nicht ständig nur noch Kredite zu nehmen, was eigentlich diese ganzen Krisen ausgelöst hat. Aber Gier tötet das Hirn wie man sieht. Die Bängster verstehen das sehr wohl, doch die Gier ist größer und die Regierungen sind korrupt und unterstützen es.
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