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Haushaltskrise: Der größte Gläubiger der USA sitzt in Washington

Fed-Chef Bernanke, Obama: Notenbank kauft massiv Staatsanleihen auf Zur Großansicht
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Fed-Chef Bernanke, Obama: Notenbank kauft massiv Staatsanleihen auf

16.700 Milliarden Dollar - so hoch sind die Staatsschulden der USA. Gibt es keine Einigung im Haushaltsstreit, kann das Land seine Verbindlichkeiten womöglich nicht mehr bedienen. Am tiefsten stehen die USA bei ihrer eigenen Zentralbank in der Kreide.

Hamburg - Die Ablösung fand vor rund zweieinhalb Jahren statt: Seit damals ist nicht mehr China der größte Gläubiger der USA, sondern die US-Notenbank Fed. Sie hält mittlerweile Staatsanleihen im Wert von 2,1 Billionen Dollar. Nach wie vor sind die Chinesen aber der größte ausländische Gläubiger der Vereinigten Staaten. 1,277 Billionen schulden die USA China mittlerweile. Japan liegt nur knapp dahinter mit 1,1 Billionen Dollar.

Am Donnerstag erreichen die USA ihre selbstverordnete Schuldenobergrenze von 16,7 Billionen Dollar. Wenn sich Republikaner und Demokraten nicht auf einen Kompromiss einigen, kann die Regierung ihre Verpflichtungen nicht mehr bedienen. Im schlimmsten Fall droht sogar eine Staatspleite mit kaum absehbaren Folgen. Zuletzt zeichnete sich jedoch ab, dass sich Präsident Barack Obama mit den Republikanern einigen könnte.

Gut zwei Drittel der 16,7 Billionen Dollar schuldet die Supermacht Akteuren im eigenen Land (siehe Grafik). Neben der Fed sind dies vor allem private Investoren wie Banken, Versicherungen und Pensionsfonds. Aber auch US-Bundesstaaten und Kommunen haben der Regierung Hunderte Milliarden geliehen.

Grafik: So viel Geld schulden die USA Investoren im In- und Ausland Zur Großansicht
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Grafik: So viel Geld schulden die USA Investoren im In- und Ausland

Noch wesentlich größer sind die Schulden Washingtons bei der Fed, die ihren Sitz ebenfalls in der US-Hauptstadt hat. Seit der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers vor fünf Jahren pumpt die Zentralbank massiv Geld in den Markt, die virtuelle Notenpresse läuft auf Hochtouren.

Derzeit läuft das dritte Anleihekaufprogramm seit Beginn der Krise: Dazu kauft die Fed jeden Monat US-Staatsanleihen im Volumen von 45 Milliarden Dollar auf. Hinzu kommen 40 Milliarden Dollar, die die Notenbank für Hypothekenpapiere aufwendet. So will sie die Zinsen am Markt niedrig halten und dadurch das Wachstum ankurbeln.

Wie für alle seine Anleihen, zahlt der Staat auch für die von der Fed aufgekauften Papiere regelmäßig Zinsen - allerdings mit einer Besonderheit: Den Gewinn, den die Fed mit diesen Zinsen macht, liefert sie anschließend wieder bei der US-Regierung ab. So fließen 40 Prozent der gesamten Zinskosten wieder an den Staat zurück.

Im Schnitt zahlt der amerikanische Staat auf seine Anleihen nur 1,5 Prozent Zinsen. Vor der Geldschwemme der Fed waren es rund fünf Prozent. Wäre dies heute noch der Fall, würde sich das Staatsdefizit auf einen Schlag verdoppeln - auf rund zehn Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Eine Belastung, die für die größte Volkswirtschaft der Welt kaum zu stemmen wäre.

Ebenso wie die Fed ist auch der zweitgrößte Gläubiger China auf ungewöhnlichem Weg an seinen gewaltigen Besitz an US-Staatsanleihen gelangt. Sie sind das Ergebnis der seit Jahren andauernden Handelsüberschüsse Chinas gegenüber den USA. Da die chinesische Währung nicht frei konvertierbar ist, kann China seine Gewinne aus diesen Exportgeschäften nicht einfach in heimisches Geld zurücktauschen - und begann massenhaft in Dollar notierte Staatsanleihen der USA zu kaufen. Sie galten den Chinesen als absolut krisensichere Geldanlage - eine Einschätzung, die sich womöglich in den kommenden Wochen als trügerisch erweisen könnte.

Deutschland folgt auf der Liste der US-Gläubiger mit rund 56 Milliarden Dollar erst ziemlich weit hinten. Selbst gegenüber Luxemburg stehen die USA tiefer in der Kreide.

cte

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insgesamt 112 Beiträge
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    Seite 1    
1. Einfache Lösung:
Marcus_XXL, 16.10.2013
Die FED zerreißt die Schuldscheine und die Schulden sind weg. Sind doch nur Bits und Bytes in auf einer Festplatte. Wen kümmert es?
2. optional
khmerian 16.10.2013
die FED gehört nicht der USA sondern Privatenbanken!!1 Das heisst die FED gehört niccht der USA, sondern die USA der FED!!!
3. optional
ky3 16.10.2013
Vielleicht wäre endlich mal weniger Krieg eine Überlegung. Oder ist so ein Gedanke zu unpatriotisch, also undenkbar, zu intelligent für jenen Staat?
4.
Der Meyer Klaus 16.10.2013
Zitat von Marcus_XXLDie FED zerreißt die Schuldscheine und die Schulden sind weg. Sind doch nur Bits und Bytes in auf einer Festplatte. Wen kümmert es?
Alle anderen die Schulden bei der FED haben? Von der Auswirkung auf die Währung selbst mal ganz zu schweigen.
5. schön und richtig zusammengefasst
preteatro 16.10.2013
mit lächelndem Gesicht erwarte ich nun gespannt die "Stellungnahme" des users @muellerthomas Kann denn sein, was offenbar nicht sein darf?
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Wie Notenbanken funktionieren
Woher nehmen Notenbanken das ganze Geld?
Für die Milliardensummen, die die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-amerikanische Federal Reserve Bank (Fed) im Verlauf der Finanzkrise den Banken zur Verfügung stellten, müssen die Notenbanken nicht die Notenpresse anwerfen und Geldscheine drucken. Die Beträge werden lediglich auf den Konten der Geschäftsbanken gutgeschrieben, die bei den Notenbanken geführt werden. Gegen Wertpapiere als Sicherheiten leiht die EZB oder Fed Geld aus. Nach einer bestimmten Frist zahlen die Banken die Summe inklusive Zins zurück.
Können sie pleitegehen?
Technisch nein. Die EZB hat im Euro-Raum das Monopol über das Zentralbankgeld und kann unabhängig darüber entscheiden, wann sie wie viel Geld in Umlauf bringt.
Warum buttern sie so viel Geld in die Märkte?
Generell leihen sich Geldinstitute auf dem Geldmarkt untereinander oder bei der EZB oder Fed Geld aus und zahlen dafür Zinsen - so wie ein Bankkunde bei einer Bank einen Kredit bekommt und diesen abträgt. Für die Geschäftsbanken ist es wichtig, dass sie über flüssiges Geld (Liquidität) verfügen, zum Beispiel für die Vergabe von Krediten an Unternehmen und Verbraucher. Wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten und eventueller noch unbekannter Risiken bei einzelnen Häusern sind die Banken jedoch misstrauischer geworden und nicht mehr im üblichen Maße bereit, sich gegenseitig Geld auszuleihen. In so einem Fall können die Notenbanken eine Finanzspritze geben, um einen Geldengpass (Kreditklemme) zu verhindern. Vorrangiges Ziel der Notenbanken sind stabile Preise. Die EZB ist laut EU-Vertrag aber auch für die Stabilität des Finanzsystems mitverantwortlich.
Das sind die zentralen Figuren im US-Haushaltsstreit
REUTERS

Der Präsident: Barack Obama

Es mag paradox klingen, doch bei Amerikas aktuellem Haushaltsstreit geht es gar nicht um den Haushalt. Sondern um Obamas längst beschlossene und vom Supreme Court für verfassungsgemäß befundene Gesundheitsreform, den "Affordable Care Act" - oder: "Obamacare". Es ist das zentrale Gesetzeswerk des Präsidenten: eine verpflichtende Krankenversicherung für alle Amerikaner. Selbstverständlicher Standard in anderen westlichen Industrienationen, hatten Obamas Vorgänger seit den vierziger Jahren versucht, ein solches Gesetz durchzusetzen - vergebens.

Bis jetzt. Im Oktober läuft Obamacare an, die von der rechtspopulistischen Tea-Party-Bewegung unterwanderten Republikaner wollen die Reform mit allen Mitteln stoppen. Daher die Idee, mit dem Government Shutdown zu drohen. Obama hat erklärt, dass er nicht verhandeln werde. Auch nicht mit Blick auf die nächste Deadline, das Erreichen der Schuldenobergrenze am 17. Oktober. Auch da wollen die Republikaner wohl nur zustimmen, wenn sie Gegenleistungen bei Obamacare bekommen. Der Präsident setzt auf den Ärger der Amerikaner: Meinungsumfragen haben ergeben, dass es gut drei Viertel der US-Bürger inakzeptabel finden, wegen Obamacare einen Government Shutdown zu riskieren. Auf die Frage in einer CNN-Erhebung, wer für einen möglichen Regierungsstillstand die Schuld trage, verwiesen 36 Prozent der Befragten auf Obama, aber 46 Prozent auf die Republikaner im Kongress.

DPA

Der Radikale: Ted Cruz

Erst seit ein paar Monaten in Washington, hat sich der republikanische Senator aus Texas mit wütenden Angriffen gegen Obamacare und das angebliche Establishment in der US-Hauptstadt zum Gesicht der Tea Party entwickelt. Cruz sorgte in der vergangenen Woche für Aufsehen, als er im Senat eine mehr als 21-stündige Dauerrede gegen die Gesundheitsreform hielt. Maßgeblich hat er die ursprünglich von Tea-Party-Vertretern im Repräsentantenhaus entwickelte Strategie der Verbindung von Obamacare mit dem Government Shutdown vorangetrieben und die anfangs kritische Parteiführung auf diesen Kurs gezwungen. Cruz, der auch vor Attacken auf republikanische Kollegen nicht zurückscheut, inszeniert sich als wahrer Vertreter des amerikanischen Volks, als Held der Basis.

Dass allerdings die Mehrheit der Bevölkerung seine Vorgehensweise Umfragen zufolge nicht teilt, spielt dabei keine Rolle. Denn die Cruz-Show ist an jenen wachsenden Teil der republikanischen Basis gerichtet, der rechtskonservative, isolationistische und marktliberale Positionen vereint. Deren größte Furcht: Obamacare, das ihr als sozialistisches Teufelswerk gilt. Für den 42-jährigen Cruz ist dies das perfekte Mobilisierungsinstrument, längst hat er die republikanische Präsidentschaftskandidatur im Blick. Einer Public-Policy-Umfrage zufolge hat er sich nach seiner Dauerrede prompt an die Spitze des potentiellen Bewerberfeldes setzen können: Cruz führt nun mit 20 Prozent vor seinen Parteikollegen Rand Paul (17 Prozent), Chris Christie (14) und Jeb Bush (11).

AFP

Der Tragische: John Boehner

Der möglicherweise richtige Mann hat sich die falsche Zeit ausgesucht. Boehner, als Sprecher des Repräsentantenhauses der zumindest formell mächtigste Republikaner, galt mal als Anhänger des gepflegten Kompromisses, als Dealmaker. Doch jene Wahl vom November 2010, die seiner Fraktion die Mehrheit und ihm den Posten brachte, die spülte auch Dutzende Vertreter der Tea Party ins Parlament. Und die sollten den Dealmaker Boehner mehr und mehr unter Druck setzen. Der Höhepunkt vor zwei Wochen: Um nicht einen Bürgerkrieg in den eigenen Reihen zu riskieren, schwenkte Boehner auf die Linie Geld gegen Obamacare ein. Eine Strategie, die er Monate zuvor noch abgelehnt hatte.

Im schier unendlich wirkenden Haushaltsstreit schienen Obama und Boehner zeitweise sogar vor einer grundsätzlichen Einigung zu stehen. Vor gut zwei Jahren war das. Doch letztlich konnte sich der 63-jährige Boehner bei seinen eigenen Leuten nicht durchsetzen. Obama hat sich dies wohl gemerkt, heute hält er Verhandlungen mit Boehner nicht mehr für unbedingt zielführend. Der hat sich damit zur tragischen Figur Washingtons entwickelt. Denn nicht der radikale Cruz wird jener Mann sein, dem die Leute den Government Shutdown anlasten. Es wird Boehner sein, der so bei den Kongresswahlen im nächsten Jahr seine Mehrheit verlieren könnte. Vielleicht aber zettelt die Tea Party auch schon vorher einen Aufstand gegen ihn an.

AP

Der Abgebrühte: Harry Reid

Als demokratischer Mehrheitsführer im Senat wäre er der prädestinierte Verhandlungspartner für John Boehner gewesen, sein Konterpart aus dem Repräsentantenhaus. Aber Harry Reid will nicht verhandeln. Nicht, wenn die Gegenseite kurz vor Schluss mit einem Alles oder Nichts droht. Wie der Präsident setzt nun auch der 73-jährige Reid darauf, dass die Öffentlichkeit den republikanischen Erpressungsversuch nicht goutieren wird.

Die Republikaner wiederum versuchen ihrerseits Reid als verantwortlich für den eventuellen Government Shutdown zu brandmarken. Massiv haben sie ihn dafür kritisiert, dass er den Senat nicht schon am Wochenende, sondern erst am Montagnachmittag versammelt hat. Tea-Party-Senator Cruz sagte am Sonntag bei NBC, Reid vertrete eine "absolutistische Position" und nehme das amerikanische Volk "in Geiselhaft". Reid hingegen scheint entschlossen, diesmal Härte gegenüber den Republikanern zu zeigen: Man werde nicht über Obamacare verhandeln.



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