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US-Haushaltsstreit: Zentralbanken bereiten sich auf den Crash vor

Das Kapitol in Washington: Hoffnungen lassen Kurse steigen Zur Großansicht
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Das Kapitol in Washington: Hoffnungen lassen Kurse steigen

Weltweit planen Zentralbanken für den drohenden Zahlungsausfall der Vereinigten Staaten. Immerhin: Die Anzeichen für einen Kompromiss im US-Haushaltsstreit mehren sich, an den Börsen steigen die Kurse.

Washington/Frankfurt am Main - Anleger gerieten in Panik, die Börsen stürzten ab, die kurzfristige Kreditvergabe kam praktisch zum Erliegen: Das passierte vor fünf Jahren, als die US-Investmentbank Lehman Brothers zusammenbrach. Der laufende Haushaltsstreit in den USA weckt nun die Furcht vor ähnlichen Turbulenzen. Denn in wenigen Tagen läuft die Frist für eine Einigung im US-Kongress ab. Gibt es keinen Kompromiss, droht dem Land die Zahlungsunfähigkeit.

Notenbanken bereiten sich derzeit offenbar auf ein ähnliches Szenario wie 2008 vor. Auf dem Jahrestreffen des Internationalen Währungsfonds (IWF) haben die Top-Entscheider der großen Zentralbanken weltweit nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg bereits Handlungsoptionen für den Crash diskutiert.

Dass die USA ihren Finanzstreit in der Vergangenheit immer rechtzeitig entschärft hätten, sei absolut kein Grund, sich nicht auf den Fall der Fälle vorzubereiten, zitiert Bloomberg Jon Cunliffe, den künftigen Vize-Gouverneur der britischen Notenbank. "Ich würde erwarten, dass die Bank of England für diesen Fall plant. Ich würde erwarten, dass alle Akteure im privaten Sektor dies tun, auch in allen anderen Ländern." 2008 stellten die Notenbanken in großem Stil Notfallliquidität bereit und spannten Sicherheitsnetze auf, um sich gegenseitig mit Geld zu versorgen.

Dax auf Rekordhöhe

Allerdings steigt die Hoffnungen, dass im erbitterten Streit um die US-Finanzen doch noch ein Kompromiss gelingt. Spitzenvertreter von Republikanern und Demokraten arbeiteten gemeinsam an einer Übergangslösung, die den Konflikt für das laufende Haushaltsjahr vorerst entschärfen könnte. Zumindest im Senat schlugen beide Seiten zuletzt überraschend versöhnliche Töne an.

Der demokratische Mehrheitsführer, Harry Reid, sagte, er habe gemeinsam mit seinem republikanischen Kollegen Mitch McConnell in der Frage einer Anhebung der Schuldenobergrenze von 16,7 Billionen Dollar und der Wiedereröffnung von Regierungsbehörden "enorme Fortschritte" erzielt. Ein endgültiger Kompromiss stehe aber noch aus. "Wir sind noch nicht am Ziel." Nach einer Einigung im Senat müsste allerdings noch das mehrheitlich von Republikanern geführte Repräsentantenhaus zustimmen.

Auf eine Einigung setzen auch deutsche Finanzexperten. Ihre Konjunkturerwartungen haben sich zuletzt spürbar aufgehellt. Der ZEW-Index vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung stieg im Oktober um 3,2 Punkte auf 52,8 Punkte und erreichte damit seinen höchsten Stand seit mehr als drei Jahren. "Die Finanzmarktexperten bleiben optimistisch. Ein größerer Einfluss des Streits über die Schuldenobergrenze in den USA ist derzeit nicht sichtbar", sagte ZEW-Präsident Clemens Fuest.

Die Hoffnung auf eine Einigung im US-Haushaltsstreit hat auch den deutschen Leitindex Dax Chart zeigen am Dienstag auf Rekordhöhe getrieben. Im frühen Handel stieg der Dax bis auf 8773 Punkte, er stand damit gut drei Punkte über seinem bisherigen Hoch bei 8770 Punkten vom 19. September. Zuletzt notierte er ein halbes Prozent fester.

Der MDax Chart zeigen gewann 0,70 Prozent auf 15.358 Punkte. Auch der Index der mittelgroßen Werte hatte im Handelsverlauf einen Rekordwert erreicht. Für den TecDax Chart zeigen ging es um 0,77 Prozent auf 1096 Punkte nach oben. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 Chart zeigen legte um 0,30 Prozent auf 2986 Punkte zu.

Sollten die USA bis zum Donnerstag keine Einigung zur Anhebung der gesetzlichen Schuldengrenze erzielen, könnte die Supermacht ihre Rechnungen bald nicht mehr bezahlen. Auch bei einigen Geldmarktpapieren droht der weltgrößten Volkswirtschaft dann der Zahlungsausfall. Vor diesem Szenario zittern die Finanzmärkte, zuletzt war auch international der Druck auf eine Einigung gestiegen.

vks/dpa/AFP

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insgesamt 11 Beiträge
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1. Mr. Obama waere gut beraten,
pacificwanderer 15.10.2013
Affordablecare nicht zu opfern. Er hat noch zwei jahre zu regieren, die koennten noch schwieriger werden.
2. Wirtschaftskrise oder Börsencrash !
Adolfrausch 15.10.2013
Leider werden die Zusammenhänge nicht tiefgründif genug analysiert, denn sonst müsste eigentlich klar sein, dass es nur eins von beiden geben kann. Eine Wirtschaftskrise gibt es nämlich dann, wenn die USA kein Budget mehr haben um mittels Verschuldung die Einkommen von Staatsangestellten bzw. den staatlichen Konsum (z.B. von Rüstungsgütern) zu finanzieren. Die Finanzmärkte stört das erstmal wenig. Den Börsen würde es dagegen viel mehr helfen, wenn die Notenbanken aufgrund der Haushaltsblockade die Banken mit frisch gedrucktem Geld versorgen. Da dies aber nur in virtuelle Vermögenswerte investiert wird, leidet die Wirtschaft, und am Ende (d.h. beim bösen Erwachen) stürzen die Börsen dann doch ab, aber eben erst dann wenn die Unternehmensgewinne trotz der Notenbankliquidität schrumpfen. Fazit: der Crash kommt so oder so! Und das beste ist, dass dann vor allem die Anhänger der Republikaner Geld verlieren !
3. Wenn
eigene_meinung 15.10.2013
Wenn die Einigung erfolgt ist, werden die Kurse wieder fallen ("das Ergebnis war in den Kursen schon eingepreist" heißt es dann).
4. Was ist, wenn diesmal System dahintersteckt...?
urknallmarinchen@yahoo.de 15.10.2013
Was ist, wenn die USA am Donnerstag ihre Zahlungsunfähigkeit erklären und gleichzeitig einen neuen "Superdollar" etablieren? Man könnte dann z.B. 1 SD (Superdollar) gegen 1.000 US-Dollar eintauschen und der gigantische Schuldenberg wäre quasi über Nacht auf das Niveau einer Portokasse zusammengeschrumpft. Das Staatskasse der Chinesen, mit über 3 Billionen US-Dollar gefüllt, wäre so wahrscheinlich arg gebeutelt... Erstaulich nur, daß der Goldpreis diesmal nicht steigt. Im Gegenteil, Euro und Gold sind aktuell mit ca. 0,5% im Minus.
5. Tolle Lösung
quarktastisch 15.10.2013
Schön, dass die USA ihre Schulden wiedermal aufschieben dürfen, jedoch löst dies das Problem nicht, sondern verschlimmert es. Aber das "beste" Land der Welt, darf dies natürlich. Ich finde es ungerecht, weil wir (der Rest der Welt), die Suppe am Ende ausbaden dürfen und das wird ein gigantischer Topf, voller Mist! Lieber jetzt ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende, denn sonst, könnte wirklich eines Tages daran die Weltwirtschaft zusammenbrechen !!!
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Das sind die zentralen Figuren im US-Haushaltsstreit
REUTERS

Der Präsident: Barack Obama

Es mag paradox klingen, doch bei Amerikas aktuellem Haushaltsstreit geht es gar nicht um den Haushalt. Sondern um Obamas längst beschlossene und vom Supreme Court für verfassungsgemäß befundene Gesundheitsreform, den "Affordable Care Act" - oder: "Obamacare". Es ist das zentrale Gesetzeswerk des Präsidenten: eine verpflichtende Krankenversicherung für alle Amerikaner. Selbstverständlicher Standard in anderen westlichen Industrienationen, hatten Obamas Vorgänger seit den vierziger Jahren versucht, ein solches Gesetz durchzusetzen - vergebens.

Bis jetzt. Im Oktober läuft Obamacare an, die von der rechtspopulistischen Tea-Party-Bewegung unterwanderten Republikaner wollen die Reform mit allen Mitteln stoppen. Daher die Idee, mit dem Government Shutdown zu drohen. Obama hat erklärt, dass er nicht verhandeln werde. Auch nicht mit Blick auf die nächste Deadline, das Erreichen der Schuldenobergrenze am 17. Oktober. Auch da wollen die Republikaner wohl nur zustimmen, wenn sie Gegenleistungen bei Obamacare bekommen. Der Präsident setzt auf den Ärger der Amerikaner: Meinungsumfragen haben ergeben, dass es gut drei Viertel der US-Bürger inakzeptabel finden, wegen Obamacare einen Government Shutdown zu riskieren. Auf die Frage in einer CNN-Erhebung, wer für einen möglichen Regierungsstillstand die Schuld trage, verwiesen 36 Prozent der Befragten auf Obama, aber 46 Prozent auf die Republikaner im Kongress.

DPA

Der Radikale: Ted Cruz

Erst seit ein paar Monaten in Washington, hat sich der republikanische Senator aus Texas mit wütenden Angriffen gegen Obamacare und das angebliche Establishment in der US-Hauptstadt zum Gesicht der Tea Party entwickelt. Cruz sorgte in der vergangenen Woche für Aufsehen, als er im Senat eine mehr als 21-stündige Dauerrede gegen die Gesundheitsreform hielt. Maßgeblich hat er die ursprünglich von Tea-Party-Vertretern im Repräsentantenhaus entwickelte Strategie der Verbindung von Obamacare mit dem Government Shutdown vorangetrieben und die anfangs kritische Parteiführung auf diesen Kurs gezwungen. Cruz, der auch vor Attacken auf republikanische Kollegen nicht zurückscheut, inszeniert sich als wahrer Vertreter des amerikanischen Volks, als Held der Basis.

Dass allerdings die Mehrheit der Bevölkerung seine Vorgehensweise Umfragen zufolge nicht teilt, spielt dabei keine Rolle. Denn die Cruz-Show ist an jenen wachsenden Teil der republikanischen Basis gerichtet, der rechtskonservative, isolationistische und marktliberale Positionen vereint. Deren größte Furcht: Obamacare, das ihr als sozialistisches Teufelswerk gilt. Für den 42-jährigen Cruz ist dies das perfekte Mobilisierungsinstrument, längst hat er die republikanische Präsidentschaftskandidatur im Blick. Einer Public-Policy-Umfrage zufolge hat er sich nach seiner Dauerrede prompt an die Spitze des potentiellen Bewerberfeldes setzen können: Cruz führt nun mit 20 Prozent vor seinen Parteikollegen Rand Paul (17 Prozent), Chris Christie (14) und Jeb Bush (11).

AFP

Der Tragische: John Boehner

Der möglicherweise richtige Mann hat sich die falsche Zeit ausgesucht. Boehner, als Sprecher des Repräsentantenhauses der zumindest formell mächtigste Republikaner, galt mal als Anhänger des gepflegten Kompromisses, als Dealmaker. Doch jene Wahl vom November 2010, die seiner Fraktion die Mehrheit und ihm den Posten brachte, die spülte auch Dutzende Vertreter der Tea Party ins Parlament. Und die sollten den Dealmaker Boehner mehr und mehr unter Druck setzen. Der Höhepunkt vor zwei Wochen: Um nicht einen Bürgerkrieg in den eigenen Reihen zu riskieren, schwenkte Boehner auf die Linie Geld gegen Obamacare ein. Eine Strategie, die er Monate zuvor noch abgelehnt hatte.

Im schier unendlich wirkenden Haushaltsstreit schienen Obama und Boehner zeitweise sogar vor einer grundsätzlichen Einigung zu stehen. Vor gut zwei Jahren war das. Doch letztlich konnte sich der 63-jährige Boehner bei seinen eigenen Leuten nicht durchsetzen. Obama hat sich dies wohl gemerkt, heute hält er Verhandlungen mit Boehner nicht mehr für unbedingt zielführend. Der hat sich damit zur tragischen Figur Washingtons entwickelt. Denn nicht der radikale Cruz wird jener Mann sein, dem die Leute den Government Shutdown anlasten. Es wird Boehner sein, der so bei den Kongresswahlen im nächsten Jahr seine Mehrheit verlieren könnte. Vielleicht aber zettelt die Tea Party auch schon vorher einen Aufstand gegen ihn an.

AP

Der Abgebrühte: Harry Reid

Als demokratischer Mehrheitsführer im Senat wäre er der prädestinierte Verhandlungspartner für John Boehner gewesen, sein Konterpart aus dem Repräsentantenhaus. Aber Harry Reid will nicht verhandeln. Nicht, wenn die Gegenseite kurz vor Schluss mit einem Alles oder Nichts droht. Wie der Präsident setzt nun auch der 73-jährige Reid darauf, dass die Öffentlichkeit den republikanischen Erpressungsversuch nicht goutieren wird.

Die Republikaner wiederum versuchen ihrerseits Reid als verantwortlich für den eventuellen Government Shutdown zu brandmarken. Massiv haben sie ihn dafür kritisiert, dass er den Senat nicht schon am Wochenende, sondern erst am Montagnachmittag versammelt hat. Tea-Party-Senator Cruz sagte am Sonntag bei NBC, Reid vertrete eine "absolutistische Position" und nehme das amerikanische Volk "in Geiselhaft". Reid hingegen scheint entschlossen, diesmal Härte gegenüber den Republikanern zu zeigen: Man werde nicht über Obamacare verhandeln.



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