US-Konjunktur: Weniger Wachstum, mehr Arbeitslose

Amerika muss sparen, auch die Verbraucher halten sich angesichts höherer Preise für Lebensmittel und Kraftstoffe bei den Ausgaben zurück. Das schlägt auf die Wirtschaft durch: Die US-Konjunktur hat sich im ersten Quartal deutlich abgekühlt. Der Dollar gibt nach.

Passant vor einem geschlossenen US-Laden: Schlechte Konjunkturnachrichten Zur Großansicht
AFP

Passant vor einem geschlossenen US-Laden: Schlechte Konjunkturnachrichten

Washington - Von der Konjunktur und vom Arbeitsmarkt in Deutschland gibt es seit Monaten nur positive Nachrichten. Ganz anders in den USA: Dort kommt die Wirtschaft seit der Finanzkrise nicht in Schwung. Im ersten Quartal des Jahres hat sich die Konjunktur unerwartet deutlich abgekühlt, die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stiegen.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) habe von Januar bis März auf das Jahr hochgerechnet um 1,8 Prozent zugelegt, teilte das Handelsministerium in einer ersten Schätzung mit. Volkswirte hatten mit einem Wachstum von 2,0 Prozent gerechnet. Im Vorquartal war die US-Wirtschaft noch um 3,1 Prozent gewachsen.

Zum Problem für die größte Volkswirtschaft der Welt werden die höheren Preise für Lebensmittel und Kraftstoffe. Die Verbraucher haushalten deshalb sehr viel vorsichtiger, der private Konsum geriet ins Stocken. Die Konsumausgaben stiegen mit 2,7 Prozent deutlich langsamer als im vierten Quartal. Der private Konsum ist für rund 70 Prozent des amerikanischen BIP verantwortlich.

Auch die Regierung zeigt sich sparsamer. So wurde die US-Konjunktur im ersten Quartal auch durch stark gesunkene Rüstungsausgaben belastet. Insgesamt sanken die Staatsausgaben um 5,2 Prozent. Dies ist der stärkste Rückgang seit 1983.

Amerikaner sind laut Umfrage sehr pessimistisch

Finanzexperten zeigten sich nicht nur über die niedrigen Wachstumszahlen enttäuscht. Sie sehen auch die schleppende Arbeitsmarktentwicklung und die geringe Lohndynamik als Risikofaktor für die Konjunktur. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stieg in der vergangenen Woche überraschend deutlich um 25.000 auf 429.000, teilte das US-Arbeitsministerium mit. Erwartet worden war ein Rückgang auf 395.000 Anträge.

Die Amerikaner glauben laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Gallup nicht an eine schnelle wirtschaftliche Erholung. Demnach sehen mehr als die Hälfte der Bürger das Land in einer Rezession (26 Prozent) oder sogar Depression (29 Prozent). Nur 27 Prozent glauben an eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage.

Dollar verliert gegenüber Euro an Wert

US-Notenbankchef Ben Bernanke hatte am Mittwoch bei seiner ersten Pressekonferenz nach einer Zinssitzung auf die höheren Belastungen für die Wirtschaft verwiesen. Die Fed senkte ihre Konjunkturprognose für das laufende Jahr auf 3,1 bis 3,3 Prozent. Im Januar hatte die Notenbank noch mit einem BIP-Wachstum von 3,4 bis 3,9 Prozent gerechnet.

Die steigenden Kosten an den Tankstellen entzögen den Verbrauchern Kaufkraft, sagte Bernanke. Zudem drückte der harte Winter auf die Wirtschaft und belastete etwa den Bau. Die US-Notenbank kündigte an, noch länger bei ihrer ultralockeren Geldpolitik zu bleiben. Bereits nach Bernankes Pressekonferenz gab der Dollar nach. Auch am Donnerstag verlor die US-Währung an Wert. Der Euro Chart zeigen peilte zwischenzeitlich die 1,50-Dollar-Marke an, lag am Nachmittag mit 1,4794 Dollar jedoch wieder klar darunter.

mmq/Reuters/dpa-AFX

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 19 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Ja, Krass!
Ralph Conway 28.04.2011
Der US-Sprittpreis bewegt sich zwischen 30 und 50% zu unserem hier. Bei einem Bruttosozialprodukt, dass etwa 3000 $ ÜBER unserem pro/Kopf-Einkommen im Jahr liegt, ist das natürlich echt hart. Die haben ja vioel größere Entfernungen zu bewältigen, wenn sie im Ausland Urlaub machen wollen.
2. Die größte Lüge des 20 Jahrhunderts fliegt auf
founder 28.04.2011
Öl ist billig Jahrzehntelang wurden wir zur Ölvergeudung aufgerufen. Jahrzehntelang wurden wir davon abgehalten wirksam auszusteigen Jahrzehntelang wurde der technische Fortschirtt aufgehalten Siehe der Zwangsverschrottung des GM EV1 Elektroauto Jetzt fliegt diese Lüge auf. Natürlich am stärksten im Land der größten Verschwender. Jeden Tag konsumiert jeder US Bürger - vom Baby bis zum Greis - durchschnittlich 10 Liter Öl. 7 Liter davon werden importiert. Bald kostet 1 Liter Rohöl US$1 Ein paar Artikel von 2008 darüber Fossile Rezession (http://politik.pege.org/2008/fossile-rezession.htm) Ölpreis und Wirtschftswachstum (http://politik.pege.org/2008/oelpreis-wirtschaftswachstum.htm) Und die Planung einer weltweiten Organsiation für den Ölausstieg (http://politik.pege.org/2008-oelausstieg/) Aber man versucht ja mit weiteren Lügen "War alles nur Spekulation" sich davor zu drücken endlich das einzig Richtige zu tun: So schnell wie möglich von Öl auf Strom aus Sonne und Wind und elektrische Mobilität umsteigen.
3. ------------
Mr Bounz 28.04.2011
Zitat von Ralph ConwayDer US-Sprittpreis bewegt sich zwischen 30 und 50% zu unserem hier. Bei einem Bruttosozialprodukt, dass etwa 3000 $ ÜBER unserem pro/Kopf-Einkommen im Jahr liegt, ist das natürlich echt hart. Die haben ja vioel größere Entfernungen zu bewältigen, wenn sie im Ausland Urlaub machen wollen.
Hallo, 1. Glaube ich Ihre Zahlen nicht 2. haben Sie bei "unserem" Einkommen wohl EU Zahlen zu Grunde gelegt (Deutsche Zahlen sind wohl zu Gut) 3. Bei US Zahlen den Durchschnitt zu nehmen ist ein echter Witz! Die Schere zwischen Arm und Reich ist nirgends größer als in den USA. Für die Masse der Normalbürger sind die Nachrichten zur Preissteigerung alles andere als ein Witz. Aber ich vermute Sie sind so US höhrig das Sie heute noch den Spanieren, Griechen und Portugiesen erzählen Sie sollen den Amerikanischen Weg beschreiten. Also mit Immobilienblase OHNE Soziale Sicherung, mit 100% Risiko für den Bürger, OHNE Risiko für Unternehmen usw. Aber das schöne ist, das glaubt Ihnen heute keiner mehr. Sparen und mit Weitsicht Wirtschaften, so geht es auch wieder bergauf. Um es mit Homer Simpson zu sagen: " USA USA Hup Hup!!!" Gruß MrBounz
4. Wie schaffen die Menschen das?
Reyno 28.04.2011
Die Leute haben in ihrem ganzen Leben max 5 Jahre Anspruch auf Arbeitslosengeld, danach gibt es gar nichts mehr. Haben die alle Dutzende Kreditkarten und sind über beide Ohren verschuldet? Praktizieren Thureaus Walden? Normalerweise kann man das gar nicht schaffen. Mich würde mal die Zahl der Obdachlosen,Bettler und sonstwie Abgedrifteten in dem Land interessieren. Gibts wahrscheinlich keine Statistik drüber.
5. Mehr Wachstum und weniger Arbeitslose
Gandhi, 28.04.2011
Zitat von sysopAmerika muss sparen, auch die Verbraucher halten sich angesichts höherer Preise für Lebensmittel und Kraftstoffe bei den Ausgaben zurück. Das schlägt auf die Wirtschaft durch: Die US-Konjunktur hat sich im ersten Quartal deutlich abgekühlt. Der Dollar gibt nach. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,759565,00.html
wird es ganz von selbst geben, sobald Roe vs Wade (Abtreibung) endlich rueckgaengig gemacht worden ist. Das glauben zumindest die Republikaner, denn zum Abbau der Arbeitslosigkeit selbst ist ihnen bisher recht wenig eingefallen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Staat & Soziales
RSS
alles zum Thema Wirtschaft in den USA
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 19 Kommentare

Fläche: 9.632.000 km²

Bevölkerung: 310,384 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | USA-Reiseseite


Wie Notenbanken funktionieren
Woher nehmen Notenbanken das ganze Geld?
Für die Milliardensummen, die die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-amerikanische Federal Reserve Bank (Fed) im Verlauf der Finanzkrise den Banken zur Verfügung stellten, müssen die Notenbanken nicht die Notenpresse anwerfen und Geldscheine drucken. Die Beträge werden lediglich auf den Konten der Geschäftsbanken gutgeschrieben, die bei den Notenbanken geführt werden. Gegen Wertpapiere als Sicherheiten leiht die EZB oder Fed Geld aus. Nach einer bestimmten Frist zahlen die Banken die Summe inklusive Zins zurück.
Können sie pleitegehen?
Technisch nein. Die EZB hat im Euro-Raum das Monopol über das Zentralbankgeld und kann unabhängig darüber entscheiden, wann sie wie viel Geld in Umlauf bringt.
Warum buttern sie so viel Geld in die Märkte?
Generell leihen sich Geldinstitute auf dem Geldmarkt untereinander oder bei der EZB oder Fed Geld aus und zahlen dafür Zinsen - so wie ein Bankkunde bei einer Bank einen Kredit bekommt und diesen abträgt. Für die Geschäftsbanken ist es wichtig, dass sie über flüssiges Geld (Liquidität) verfügen, zum Beispiel für die Vergabe von Krediten an Unternehmen und Verbraucher. Wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten und eventueller noch unbekannter Risiken bei einzelnen Häusern sind die Banken jedoch misstrauischer geworden und nicht mehr im üblichen Maße bereit, sich gegenseitig Geld auszuleihen. In so einem Fall können die Notenbanken eine Finanzspritze geben, um einen Geldengpass (Kreditklemme) zu verhindern. Vorrangiges Ziel der Notenbanken sind stabile Preise. Die EZB ist laut EU-Vertrag aber auch für die Stabilität des Finanzsystems mitverantwortlich.