Fed-Entscheidung US-Notenbank erhöht Leitzins zum vierten Mal in diesem Jahr

Bereits zum vierten Mal in diesem Jahr hat die US-Notenbank den Leitzins erhöht. Er steigt um einen weiteren Viertelpunkt auf die neue Spanne von 2,25 bis 2,5 Prozent. US-Präsident Trump hatte zuvor die Fed davor gewarnt.

Sitz der US-Notenbank in Washington (Archivbild)
imago/ ZUMA Press

Sitz der US-Notenbank in Washington (Archivbild)


Die US-Notenbank Fed hat ihren Leitzins wie von Experten erwartet ein weiteres Mal angehoben. Das Zielband für den Leitzins "Fed Funds Rate" steige um 0,25 Punkte auf 2,25 bis 2,50 Prozent, teilte die Fed in Washington mit. Zu diesem Zinssatz können sich Banken gegenseitig über Nacht Geld leihen. Es ist angesichts der boomenden Wirtschaft bereits die vierte Erhöhung in diesem Jahr.

Analysten hatten mit der Zinsanhebung gerechnet, wenngleich es bis zuletzt Restzweifel gegeben hatte. Es ist die insgesamt neunte Erhöhung seit Beginn der Zinsstraffung Ende 2015. Damals hatte der Zinssatz nur 0,25 Prozent betragen.

US-Präsident Donald Trump hatte die Fed hingegen wiederholt vor einer Zinsanhebung gewarnt. Er fürchtet, dass höhere Zinsen die konjunkturelle Boomphase in den USA beenden könnten. In einem Tweet erhöhte Trump den Druck auf Fed-Chef Jerome Powell vor der Entscheidung. Trump warnte davor, die Zinsanhebung zu beschließen. Die Notenbanker dürften keinen "weiteren Fehler" machen.

Die Notenbank selbst betonte vor und nach der Zinsanhebung ihre Unabhängigkeit und versicherte, dass politischer Druck keine Rolle bei ihren Entscheidungen spiele. "Nichts wird die Fed von ihrem Kurs abbringen, wenn wir denken, dass es der richtige Weg ist", sagte Notenbank-Chef Powell nach der Entscheidung.

Wachstumsprognose nach unten korrigiert

Gleichzeitig hat die Fed angekündigt, den Zinssatz 2019 nur noch zweimal anzuheben. Im September hatte die Notenbank noch drei Erhöhungen signalisiert. Damit dürfte der Zinssatz erst Ende des kommenden Jahres auf dann 2,75 bis 3 Prozent steigen. Ursprünglich sollte er bereits Mitte 2019 drei Prozent erreichen. Die Marke gilt als "neutrales" Territorium, weder zu hoch noch zu niedrig.

Powell hatte jüngst betont, die Fed nähere sich einem Zinsniveau, mit dem die Wirtschaft weder angeschoben noch gebremst werde. Daher sei nun ein behutsames Vortasten ratsam.

Auch für das Wirtschaftswachstum gibt sich die Fed etwas weniger zuversichtlich: Die Wachstumsprognose für das laufende Jahr wurde leicht um 0,1 Punkte auf 3,0 Prozent reduziert. Im kommenden Jahr rechnet die Fed nun damit, dass die weltgrößte Volkswirtschaft um 2,3 Prozent wächst. Bisher hatte die Erwartung 2,5 Prozent betragen. Auch die Inflation wird für dieses und kommendes Jahr etwas schwächer erwartet.

Aktienkurse brachen erneut ein

Die Fed sehe seit September Anzeichen für eine Straffung der Wirtschaft, sagte Powell. Auch die Börse sorgt sich vor einer schwächer werdenden Konjunktur: Der Dow Jones fiel am Montag auf den tiefsten Stand seit April, bevor er sich am Dienstag wieder etwas erholte.

Die Aussicht auf einen weniger steilen Zinspfad hat den Anlegern an der Wall Street offenbar nicht gereicht, denn nach der Zinserhöhung brach der Kurs erneut ein: Der Dow Jones Industrial büßte 1,49 Prozent auf 23 323,66 Punkte ein. Zwischenzeitlich war der Index sogar auf den niedrigsten Stand seit Oktober vergangenen Jahres abgerutscht. Der marktbreite S&P 500 verlor 1,54 Prozent auf 2506,96 Punkte.

Der technologielastige Nasdaq 100 geriet mit minus 2,29 Prozent auf 6342,96 Zähler noch stärker unter Druck als der Dow. Technologiewerte gelten als zinssensitiv, weil sie stark von den Investitionen der Unternehmen abhängen. Müssen die Konzerne mehr Geld für Kreditzinsen zahlen, bleibt weniger für Investitionen übrig.

kko/dpa/dpa-afxp/Reuters

insgesamt 33 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
iasi 19.12.2018
1. "neutrales" Territorium?
Schon immer wieder interessant, mit welchen simplen Dogmen die Finanzexperten ein komplexes System beurteilen. Dass die EZB nicht nur den Leitzins niedrig lässt, sondern auch weiterhin den Markt mit € flutet, interessiert dabei wohl nicht. Der Dollar wird zwar durch die FED-Entscheidung weiter gestärkt, aber es scheint die FED-Leute nicht sehr zu interessieren, dass dadurch US-Exporte teurer und US-Importe billiger werden. Die FED stört sich scheinbar nicht an dem enormen und weiter wachsenden Handelsbilanzdefizit der USA.
Nubari 19.12.2018
2. Vertrauensbildende Maßnahme
Sicherlich birgt eine weiter gehende Zinsanhebung auch kleine Nachteile in sich, doch ist dieser Schritt sehr zu begrüßen. In Zeiten des Trumpismus müssen Institutionen ihre unabhängige Funktion unter Beweis stellen, und -noch viel wichtiger- es ist höchste Zeit, sich mit einem kleinen Zinspolster wenigstens einen begrenzten Spielraum zur Bekämfung der ohnehin überfälligen zyklischen Rezession zu verschaffen. Sonst würden die Risiken steigen, ohne dass die US-Notenbank Instrumente zur Hand hätten. Es wäre allerdings besser gewesen, hätte im siebten Jahr des Booms bereits Yellen mit kleinen Anhebungen begonnen, so dass wir heute bereits bei 3,25% oder 3,5% stünden und Powell durch die Botschaft keiner weiteren Erhöhung ein positives Zeichen setzen könnte. Die Meinung des Kindes im Weißen Haus sollte geflissentlich ignoriert werden.
Nubari 19.12.2018
3. Vertrauensbildende Maßnahme
Sicherlich birgt eine weiter gehende Zinsanhebung auch kleine Nachteile in sich, doch ist dieser Schritt sehr zu begrüßen. In Zeiten des Trumpismus müssen Institutionen ihre unabhängige Funktion unter Beweis stellen, und -noch viel wichtiger- es ist höchste Zeit, sich mit einem kleinen Zinspolster wenigstens einen begrenzten Spielraum zur Bekämfung der ohnehin überfälligen zyklischen Rezession zu verschaffen. Sonst würden die Risiken steigen, ohne dass die US-Notenbank Instrumente zur Hand hätten. Es wäre allerdings besser gewesen, hätte im siebten Jahr des Booms bereits Yellen mit kleinen Anhebungen begonnen, so dass wir heute bereits bei 3,25% oder 3,5% stünden und Powell durch die Botschaft keiner weiteren Erhöhung ein positives Zeichen setzen könnte. Die Meinung des Kindes im Weißen Haus sollte geflissentlich ignoriert werden.
TS_Alien 19.12.2018
4.
In den USA gibt es viele ungelöste wirtschaftliche Probleme. Und dennoch schafft es die FED, den Leitzins auf 2,5 % zu erhöhen. Die EZB wird dies in absehbarer Zeit nicht schaffen. Weil in der Eurozone alle Probleme ausgesessen oder verschleiert wurden und werden. Wie immer. In der Eurozone fängt die Finanzkrise jetzt erst an. Die Folgen können für Länder, Banken und Bürger dramatisch werden. Aber auch das will kaum jemand wahrhaben.
ex_berliner 19.12.2018
5. Und schon hat...
...Trump einen Schuldigen, wenn klar wird, dass die US Wirtschaft in 2018 nicht wie versprochen um deutlich mehr als drei Prozent sondern um weniger als drei Prozent waechst. Und er hat einen Schuldigen fuer den in 2018 erstmals seit vielen Jahren rueckgaengigen Aktienmarkt. Und fuer das rasant wachsende Aussenhandelsdefizit - welches er ja faelschlicher- und unsinnigerweise auch noch fuer die von ihm und seinen Republikanern selbst verzapften rasant steigenden Haushaltsdefizite verantwortlich macht. Wird er in Kuerze alles ueber Twitter mitteilen. Und seine Fanboys werden das glauben.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.