US-Notenbank Forscher belegen Betrug mit Fed-Daten

Börsenhändler haben Beschlüsse der US-Notenbank frühzeitig erfahren und das für ihre Geschäfte genutzt: Diesen schon 2013 aufgekommenen Verdacht stützt jetzt eine Studie. Sie nennt auch die mutmaßlich Schuldigen.

Fed-Gebäude in Washington: 800-Millionen-Deals in sieben Millisekunden
REUTERS

Fed-Gebäude in Washington: 800-Millionen-Deals in sieben Millisekunden


Singapur/Frankfurt am Main - Insider haben offenbar über Jahre hinweg von Vorabinformationen zu wichtigen Entscheidungen der US-Notenbank Fed profitiert. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Singapore Management University.

Die Untersuchung, über die der Finanzdienst Bloomberg am Freitag berichtete, zeigt zwischen 1997 und 2013 verdächtige Marktbewegungen im Zusammenhang mit Richtungswechseln in der für Investoren weltweit extrem wichtigen US-Geldpolitik. Die Kursausschläge fanden demnach in jener Zeitspanne statt, in der Journalisten die Entscheidungen der Fed bereits erhalten hatten, diese aufgrund einer Sperrfrist aber noch nicht veröffentlichen durften.

Der Verdacht des Insiderhandels bei der Fed war im September vergangenen Jahres aufgekommen. Damals waren von Börsianern in Chicago in den ersten sieben Millisekunden nach Bekanntgabe eines Fed-Entscheids bereits Termingeschäfte im Wert von rund 800 Millionen Dollar getätigt worden. Weil allein die Übertragungszeit für Daten zwischen Washington und Chicago üblicherweise sieben Millisekunden beträgt, war der Verdacht auf Journalisten gefallen.

Ein Fed-Sprecher sagte Bloomberg, die Notenbank habe ihre Praxis bei der Veröffentlichung marktbewegender Informationen bereits verschärft und prüfe die Prozesse und Kontrollen laufend, um Problemen begegnen zu können. Bis Oktober 2013 hatten Journalisten die Mitteilungen der Fed in einem Presseraum des US-Finanzministeriums erhalten und mussten sich verpflichten, die Sperrfrist zu respektieren. Seitdem sind Mobiltelefone tabu und die Internetverbindungen gekappt.

Die Wissenschaftler untersuchten in ihrer Studie auch die Veröffentlichung anderer wichtiger Wirtschaftsdaten. Demzufolge gab es beim Arbeitsmarktbericht und bei den Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt keine Abweichungen von den üblichen Handelsmustern.

mik/dab/dpa-AFX



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insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
der_rookie 16.05.2014
1. Einfache Lösung
Einfache Lösung: Börsengeschäfte nur jede volle Sekunde zulassen. [D.h. Auftäge immer bis zur nächsten vollen Sekunde sammeln und dann erst zur vollen Sekunde Nachfrage und Angebot matchen
forumgehts? 16.05.2014
2. Unterstellen
Zitat von sysopREUTERSBörsenhändler haben Beschlüsse der US-Notenbank frühzeitig erfahren und das für ihre Geschäfte genutzt: Diesen schon 2013 aufgekommenen Verdacht stützt jetzt eine Studie. Sie nennt auch die mutmaßlich Schuldigen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/us-notenbank-federal-reserve-fed-daten-betrug-durch-studie-belegt-a-969842.html
Sie den Banken die GAS (grösste anzunehmende Schweinerei) und Sie werden irgendwann erfahren, dass die Unterstellung gerechtfertigt war. Irgendwann werden Sie aber auch von deren AS (allergrössten Schweinereien) erfahren, von denen Sie als Laie nicht einmal wussten, dass es so etwas gibt und man es durchziehen kann. Wenn Sie nicht betroffen sind, haben Sie noch einmal Glück gehabt oder Sie haben tatsächlich kein Geld.
ihawk 16.05.2014
3. Kleine Fische
Die kleinen schnellen Wiesel werden angeklagt - Die großen Schwergewichte wie Goldman Sachs & Co die ihre "Insider" in nahezu allen Institutionen weltweit platziert haben und Milliarden mit Insiderhandel und Marktmanipulation verdienen, werden nicht einmal untersucht - das sind die "Heiligen Kühe" der von Bankstern beherrschten Finanzwirtschaft.
silverhair 16.05.2014
4. 1 Std. offline gehen
Zitat von der_rookieEinfache Lösung: Börsengeschäfte nur jede volle Sekunde zulassen. [D.h. Auftäge immer bis zur nächsten vollen Sekunde sammeln und dann erst zur vollen Sekunde Nachfrage und Angebot matchen
Das Zeit Problem ist so oder so ein kritischer Punkt. Aber wäre behebar, wenn die Börsen für diese Veröffentlichungszeiten einfach mal eine Std. offline gingen - für alle und weltweit! Dann hätte man überlall auf der Welt auch mal zeit "vernünftig" nachzudenken was man da tut!
Bernd.Brincken 16.05.2014
5. Genial aber ...
Zitat von der_rookieEinfache Lösung: Börsengeschäfte nur jede volle Sekunde zulassen. [D.h. Auftäge immer bis zur nächsten vollen Sekunde sammeln und dann erst zur vollen Sekunde Nachfrage und Angebot matchen
Geniale Lösung, nur werden dann zahlreiche Highspeed-Händler arbeitslos > das hat Auswirkungen auf die UA-Arbeitslosen-Zahlen > und bewirkt wieder anderes Marktverhalten. Kann also niemand verantworten ;)
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