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US-Notenbankchef: Bernanke hält US-Wirtschaft für "außergewöhnlich unsicher"

Droht der US-Konjunktur der Rückfall in die Rezession? Die amerikanische Notenbank Fed schließt zumindest weitere Schritte zur Ankurbelung der Wirtschaft nicht aus. Vor allem der Arbeitsmarkt bereitet den Experten Sorge.

Washington - Diese Worte schrecken auf: Die Erholung der US-Wirtschaft sei "außergewöhnlich unsicher", sagte der Chef der US-Notenbank Fed, Ben Bernanke, am Mittwoch in Washington. Sogar so unsicher, dass die Fed bereit sei, neue geldpolitische Maßnahmen zu ergreifen, um die Konjunktur zu stützen.

Zwar sagte Bernanke in seinem halbjährlichen Konjunkturbericht vor dem Bankenausschuss des US-Senats nicht, welche konkreten Schritte ergriffen werden sollen. Darüber gebe es noch keine Entscheidung. Doch an den US-Börsen folgte prompt die Reaktion auf die Worte des einflussreichen Geldexperten: Der wichtigste US-Index Dow Jones rutschte ins Minus. Er schloss bei 10.120 Punkten und einem Minus von gut einem Prozent.

Auch in Deutschland reagierten Anleger verunsichert. Der Dax startete am Donnerstag mit einem Abschlag. Am späten Vormittag erholte sich der Leitindex aber um rund ein Prozent auf etwa 6050 Punkte.

Eigentlich will die Notenbank die Konjunkturprogramme auslaufen lassen

Für Verunsicherung sorgte, dass Bernanke in seiner Rede unter anderem eine Anhebung der Zinsen, die die Geschäftsbanken für Einlagen bei der Fed erhalten, erwähnt hatte. Solche neuen fiskalpolitischen Maßnahmen könnten notwendig werden, um die Wirtschaft zu stützen, wenn sich die Notenbank von ihrer Nullzinspolitik verabschieden muss.

Zurzeit befindet sich der Leitzins auf einem historischen Tiefstand, was laut Bernanke auch für einen "längeren Zeitraum" so bleiben soll. Allerdings müsse ab einem gewissen Zeitpunkt über Zinserhöhungen nachgedacht werden, um Inflationsgefahren zu vermeiden.

Auf der anderen Seite unterstrich Bernanke, dass die Notenbank weiter plane, aktuelle Maßnahmen zur Stärkung der Wirtschaft auslaufen zu lassen, die während der Finanzkrise ergriffen wurden.

Zwar sei die Erholung der US-Wirtschaft insgesamt auf einem guten Weg, weil unter anderem der private Konsum, Exporte und Investitionen der Unternehmen zugenommen hätten. So sei für 2010 mit einem Plus zwischen 3,0 und 3,5 Prozent zu rechnen und in den beiden Jahren danach mit 3,5 bis 4,5 Prozent. Doch gebe es derzeit große Abwärtsrisiken für das Wachstum, sagte der Fed-Chef.

Sorgen bereite insbesondere die zögerliche Erholung des Arbeitsmarkts. Im ersten Halbjahr dieses Jahres seien weniger neue Jobs geschaffen worden, als für eine nachhaltige Erholung notwendig gewesen wäre. "Sehr wahrscheinlich wird es viel Zeit brauchen, die fast 8,5 Millionen Arbeitsplätze wieder aufzubauen, die 2008 und 2009 verloren gingen", sagte der Notenbankchef. Die zunehmende Langzeitarbeitslosigkeit könne dem privaten Konsum schaden und zu einem Verlust qualifizierter Fachkräfte führen.

Darüber hinaus sei der Häusermarkt nach wie vor schwach, das Überangebot an Immobilien belaste die Preise. Auch die europäische Schuldenkrise belaste, sagte der Fed-Chef.

Auch die deutsche Konjunktur ist laut Experten nicht stabil

Auch in Deutschland warnen Experten vor konjunkturellen Risiken. Der Chef der Wirtschaftsweisen, Wolfgang Franz, hält zwar ein Wirtschaftswachstum von rund zwei Prozent in diesem Jahr "für möglich". Allerdings gebe es "Indikatoren, die zur Vorsicht mahnen". Für 2011 sei seine Prognose "etwas skeptischer, weil wir nicht wissen, wie sich die Weltwirtschaft entwickelt, wohin der Euro geht und was der Ölpreis macht", sagte Franz dem "Handelsblatt".

Eine erneute Rezession fürchtet Franz dennoch nicht. Dies halte er für "sehr unwahrscheinlich", sagte er weiter.

yes/dpa

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Forum - Konjunktur - hat Deutschland die Krise hinter sich gelassen?
insgesamt 1871 Beiträge
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1. Harte Einschnitte müssen kommen
Hercules Rockefeller, 22.06.2010
Um dieses erneute zarte Pflänzchen des Aufschwungs nicht zu gefährden, müssen jetzt auch Opfer von den Beschäftigten kommen! Lohnverzicht im Krankheitsfall, unbezahlte Mehrarbeit und Lockerung der Kündigungsfristen müssen kommen, sonst ist die Wirtschaft des Todes!
2. .
frubi 22.06.2010
Zitat von sysopDie Wirtschaft in Deutschland wächst wieder. Auch der monatliche Geschäftsklima-Index des Münchener ifo-Instituts ist erneut gestiegen. Ist die Krise schon überwunden oder droht ein erneuter Rückgang der wirtschaftlichen Leistung?
Wieso sollte auch die Wirtschaft vom Sparpaket betroffen sein? Die Airlines und Stromkonzerne geben ihre Mehrkosten einfach an den Endkunden weiter und dieser bezahlt schön brav. So sieht es aus. Naja. Der H4ler wird durch die Kürzungen nun leider auf seine E-Klasse verzichten müssen aber ansonsten seh ich keine Maßnahme, die der Wirtschaft hätte schaden können. Wieso auch. Die Realwirtschaft ist nicht der Schuldige in Sachen Finanz- und Eurokrise.
3. Soso,,,
gehlhajo, 22.06.2010
". Euro-Krise und das Sparpaket der Merkel-Regierung haben die Konjunktur nicht abgewürgt." Seit wann ist das Sparpaket eigentlich in Kraft ?
4. Fakten oder Meinungen?
Stefanie Bach, 22.06.2010
Zitat von sysopDie Wirtschaft in Deutschland wächst wieder. Auch der monatliche Geschäftsklima-Index des Münchener ifo-Instituts ist erneut gestiegen. Ist die Krise schon überwunden oder droht ein erneuter Rückgang der wirtschaftlichen Leistung?
Wird hier nicht wieder Substanz durch Meinung ersetzt? Der sogenannte Geschäftsklima-Index des ifo-Instituts ist doch nur eine Umfrage. Das sind keine Fakten, das sind Meinungen. Die Politik sollte sich lieber um ihre Aufgaben kümmern: Soziales Konjunkturprogramm statt Not und Realitätsverlust (http://www.plantor.de/2009/soziales-konjunkturprogramm-statt-not-und-realitatsverlust/).
5. hurra!
zynik 22.06.2010
Zitat von sysopDie Wirtschaft in Deutschland wächst wieder. Auch der monatliche Geschäftsklima-Index des Münchener ifo-Instituts ist erneut gestiegen. Ist die Krise schon überwunden oder droht ein erneuter Rückgang der wirtschaftlichen Leistung?
Hurra! Wir maschieren weiter für den Index und singen die Hymne des Wachstums. Was wäre dieses Land nur ohne seine Meldungen vom Wirtschaftswachstum und sinkenden Arbeitslosenzahlen aus dem Ministerium für Wahrheit?
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Wie Notenbanken funktionieren
Woher nehmen Notenbanken das ganze Geld?
Für die Milliardensummen, die die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-amerikanische Federal Reserve Bank (Fed) im Verlauf der Finanzkrise den Banken zur Verfügung stellten, müssen die Notenbanken nicht die Notenpresse anwerfen und Geldscheine drucken. Die Beträge werden lediglich auf den Konten der Geschäftsbanken gutgeschrieben, die bei den Notenbanken geführt werden. Gegen Wertpapiere als Sicherheiten leiht die EZB oder Fed Geld aus. Nach einer bestimmten Frist zahlen die Banken die Summe inklusive Zins zurück.
Können sie pleitegehen?
Technisch nein. Die EZB hat im Euro-Raum das Monopol über das Zentralbankgeld und kann unabhängig darüber entscheiden, wann sie wie viel Geld in Umlauf bringt.
Warum buttern sie so viel Geld in die Märkte?
Generell leihen sich Geldinstitute auf dem Geldmarkt untereinander oder bei der EZB oder Fed Geld aus und zahlen dafür Zinsen - so wie ein Bankkunde bei einer Bank einen Kredit bekommt und diesen abträgt. Für die Geschäftsbanken ist es wichtig, dass sie über flüssiges Geld (Liquidität) verfügen, zum Beispiel für die Vergabe von Krediten an Unternehmen und Verbraucher. Wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten und eventueller noch unbekannter Risiken bei einzelnen Häusern sind die Banken jedoch misstrauischer geworden und nicht mehr im üblichen Maße bereit, sich gegenseitig Geld auszuleihen. In so einem Fall können die Notenbanken eine Finanzspritze geben, um einen Geldengpass (Kreditklemme) zu verhindern. Vorrangiges Ziel der Notenbanken sind stabile Preise. Die EZB ist laut EU-Vertrag aber auch für die Stabilität des Finanzsystems mitverantwortlich.


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