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US-Politik: Multimilliardär Buffett will höhere Steuern für Reiche

Mit diesem Aufruf dürfte sich Warren Buffett bei reichen US-Bürgern keine Freunde machen: In einem Kommentar für die "New York Times" rechnet der legendäre Investor mit dem Steuersystem seines Landes ab. Sein Appell: "Hört endlich auf, die Superreichen zu verhätscheln."

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REUTERS

Investor Warren Buffett: Freunde in herausgehobenen Positionen

New York - Für vermögende Menschen gibt es eine einfache Grundregel: Über Geld spricht man nicht, Geld hat man. Umso verblüffter dürften reiche US-Amerikaner am Montag einen Kommentar in der "New York Times" ("NYT") gelesen haben. Investorenlegende Warren Buffett prangert darin die steuerlichen Vorteile für Superreiche an - und plaudert detailliert über seine Steuererklärung.

6.938.744 Dollar habe er im vergangenen Jahr an Abgaben gezahlt, gibt Buffett preis. "Das klingt nach viel Geld", schreibt der Investor. Aber er habe jedoch nur 17,4 Prozent seines zu versteuernden Einkommens abgeführt - und damit sogar einen geringeren Prozentsatz als seine 20 Mitarbeiter im Büro. "Ihre Steuerbelastung lag zwischen 33 und 41 Prozent, im Durchschnitt waren es 36 Prozent."

Hintergrund für Buffetts Offenheit ist der grassierende US-Schuldenstreit. Demokraten und Republikaner haben sich zwar kürzlich auf eine Anhebung der Schuldengrenze geeinigt. Doch in den kommenden Monaten müssen sich die beiden politischen Lager auf grundsätzliche Haushaltsreformen einigen. Ein Kongress-Komitee soll Möglichkeiten für Einsparungen und Mehreinnahmen herausarbeiten. Die Republikaner wollen Steuererhöhungen unbedingt vermeiden. Demokraten dagegen wollen die Reichen zur Kasse bitten und den Sozialstaat möglichst wenig beschneiden.

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Er habe in den vergangenen Wochen von Politikern oft gehört, dass jeder ein Opfer bringen müsse, schreibt Buffett jetzt. "Ich fragte meine superreichen Freunde, welche Opfer sie auf sich zukommen sehen. Aber es ging ihnen wie mir: Sie waren nicht betroffen."

Abgeordnete in Washington fühlten sich offenbar verpflichtet, die Vermögenden zu schützen - "als ob wir seltene Käuze oder eine andere gefährdete Art seien. Es ist schön, wenn man Freunde in herausgehobenen Positionen hat", spottet Buffett in der "NYT".

Buffetts Investmentholding Berkshire Hathaway Chart zeigen besitzt rund 80 eigene Tochterfirmen sowie große Aktienpakete an Konzernen wie Coca-Cola Chart zeigen oder Munich Re Chart zeigen. Mit einem Vermögen von 50 Milliarden Dollar ist der 80-Jährige laut einer Auflistung des US-Magazins "Forbes" der drittreichste Mensch der Welt. Vor ihm liegen demnach nur noch der mexikanische Telekommunikationsunternehmer Carlos Slim Helú und Microsoft-Gründer Bill Gates.

"Einem großen Teil würde es nichts ausmachen, mehr Steuern zu zahlen"

In den achtziger und neunziger Jahren seien die Steuern viel höher gewesen, schreibt Buffett. "Denen, die behaupten, dass höhere Steuern die Schaffung von Jobs verhindern, sage ich: Fast 40 Millionen Jobs wurden zwischen 1980 und 2000 geschaffen. Sie wissen, was danach passierte: niedrigere Steuersätze und weit weniger neue Arbeitsplätze." Zudem lasse sich kein Investor wegen einer Steuer auf potentielle Gewinne ein gutes Geschäft durch die Lappen gehen.

Die meisten Superreichen, die er kenne, seien anständige Leute und sozial engagiert, schreibt Buffett. "Einem großen Teil würde es nichts ausmachen, mehr Steuern zu zahlen - vor allem, wenn es so vielen ihrer Landsleute nicht gutgeht."

"Während die Armen und die Mittelklasse für uns in Afghanistan kämpfen und viele Amerikaner sich mühen, um über die Runden zu kommen, bekommen wir Superreichen weiter unsere Steuererleichterungen", kritisierte Buffett. So könnten Investment-Manager mit Millionen-Einkommen durch steuerliche Tricks ihre Abgaben drücken. Buffett prangerte zudem an, dass Superreiche kaum Sozialabgaben zahlen.

Anteil der Steuereinnahmen an der Wirtschaftsleistung
1965 1975 1985 1995 2000 2009 (vorläufig)
USA 24.7 25.6 25.6 27.8 29.5 24.0
Australien 33.9 36.6 40.8 41.4 43.2 42.8
Belgien 31.1 39.5 44.3 43.5 44.7 43.2
Deutschland 31.6 34.3 36.1 37.2 37.2 37.0
Frankreich 34.1 35.4 42.8 42.9 44.4 41.9
Griechenland 17.8 19.4 25.5 28.9 34.0 29.4
Großbritannien 30.4 34.9 37.0 34.0 36.4 34.3
Italien 25.5 25.4 33.6 40.1 42.2 43.5
Japan 18.2 20.8 27.1 26.8 27.0 28.1*
Mexiko 15.5 15.2 16.9 17.55
Niederlande 32.8 40.7 42.4 41.5 39.6 39.1*
Norwegen 29.6 39.2 42.6 40.9 42.6 41.0
Spanien 14.7 18.4 27.6 32.1 34.2 30.7
Schweden 33.4 41.3 47.4 47.5 51.4 46.4
Schweiz 17.5 23.9 25.5 27.7 30.0 30.3
Quelle: OECD
*Werte aus 2008
Auch Wissenschaftler haben errechnet, dass die Last in den vergangenen Jahren für Amerikas Superreiche deutlich geringer geworden ist. Laut dem überparteilichen Tax Policy Center (TPC) hat sich das Einkommen der 400 reichsten Steuerzahler seit den neunziger Jahren verdreifacht. Zugleich zahlten sie den niedrigsten Steuersatz seit Beginn der Auswertung im Jahr 1992. Nur etwa die Hälfte der Superreichen zahlte überhaupt den Spitzensteuersatz.

Seinen Kommentar in der "NYT" beschließt Buffett mit einem eindringlichen Appell an die Abgeordneten in Washington: "Meine Freunde und ich wurden lange genug vom milliardärsfreundlichen Kongress verhätschelt. Es wird Zeit, dass unsere Regierung endlich die Lasten gerecht verteilt."

mmq

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insgesamt 190 Beiträge
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1. Das Buffett ist eröffnet
Spiegelfreund 15.08.2011
Die zentrale Aussage ist wohl diese: "Kein Investor wird auf Gewinn verzichten, weil dieser höher besteuert wird". Das stimmt auch. Allerdings handelt es sich bei Einkommen auch oft um Einkommen durch Arbeit, nicht durch z.B. Zinsen. Da überlegt man es sich schon, ob man bis spätabends ackert, wenn von den -zugegebenermassen zusätzlichen- Euros oder Dollars weniger bleibt.
2. wie clont man Warren Buffet?
duk2500 15.08.2011
Wir brauchen definitv mehr Kapitalisten wie Warren Buffet. Auch hier in Deutschland. Man hat eh' manchmal das Gefühl, er kannte Ludwig Erhard persönlich...
3. Umverteilung
weg 15.08.2011
Nachdem die Umverteilung während der letzten 30 Jahre ihre eigenen Wege nahm ist es natürlich schön zu hören, dass ein sehr kleiner Teil der sehr Vermögenden so denkt. Zwei Gedanken schliessen mir in diesem Zusammenhang durch den Kopf: - wenn die vermögendsten paar Tausend eines Landes 10% ihrer Vermögenswerte an den Staat abträten, wären sie danach immer noch stinkreich und der Staat meist schuldenfrei. - bei vielen Staaten würde es nicht reichen, einfach mehr Substrat zu erzeugen. Vielmehr hapert es manchenorts am zielgerichteten, effizienten Einsatz des Selben.
4. Teas Party
fred4712 15.08.2011
Zitat von sysopMit diesem*Aufruf dürfte sich Warren Buffett bei reichen US-Bürgern*keine Freunde machen: In einem Kommentar für die "New York Times" rechnet der legendäre Investor mit dem Steuersystem seines Landes ab. Sein Appell:*"Hört endlich auf, die Superreichen zu verhätscheln." http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,780281,00.html
Da freut sich die Tea Party bestimmt drüber. Würden die in Deutschland eigentlich vom Verfassungsschutz beobachtet?
5. -
Reiner_Habitus 15.08.2011
Ist Buffet nun vom Demokraten-Steuererhöungs Virus infiziert? Jeder weiss daoch, dass hohe Steuern bei reichen Privatleuten massenhaft Arbeitsplätze vernichten. Ist wirklich so. Deswegen steuerfreiheit für alle Millionäre.......
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Die wichtigsten Eckpunkte zum US-Schuldenkompromiss
Wochenlang haben Demokraten und Republikaner in Amerika um einen Kompromiss für den Staatshaushalt gerungen. Jetzt ist die Einigung da. Die wichtigsten Eckpunkte in der Übersicht.
Wie viele Schulden darf Amerika künftig machen?
Die US-Schuldengrenze wird nach Angaben des Weißen Hauses schrittweise um mindestens 2,1 Billionen Dollar angehoben - zunächst um fast eine Billion Dollar bis Ende dieses Jahres, der Rest folgt dann bis Ende 2012. Sie steigt damit von derzeit 14,3 Billionen auf mindestens 16,4 Billionen Dollar.
Wie viel Geld will Amerika sparen?
Insgesamt rund 2,4 Billionen Dollar will die amerikanische Regierung in den kommenden zehn Jahren sparen. Das Sparprogramm soll in zwei Etappen realisiert werden. Kurzfristig sollen die Ausgaben um 917 Milliarden Dollar gekürzt werden. Bis Ende 2011 sollen zusätzliche Einsparungen von 1,5 Billionen Dollar beschlossen werden.
Was wird in der ersten Etappe eingespart?
Insgesamt geht es um 917 Milliarden Dollar. 350 Milliarden Dollar der rasch fälligen Einsparungen entfallen auf die Militärausgaben. Hinzu kommen Einsparungen im Regierungsapparat. Renten und Sozialbezüge werden fürs Erste nicht gekappt. Steuererhöhungen stehen zunächst ebenfalls nicht zur Debatte.
Wer legt die Einsparungen der ersten Etappe fest?
Den kleineren Teil des Sparprogramms müssen Repräsentantenhaus und Senat bis Dienstag absegnen. Die Abstimmungen dürften knapp ausfallen: Linke Demokraten und rechte Republikaner sind mit vielen Details des Abkommens unglücklich.
Was wird in der zweiten Etappe eingespart?
Hier geht es um 1,5 Billionen Dollar innerhalb der kommenden zehn Jahre. Die Maßnahmen können alles umfassen. Allein im Bereich Militär sind Kürzungen von mindestens 500 Milliarden Dollar geplant. Hinzu kommen Kürzungen bei Renten, Sozialausgaben (wie das Arbeitslosengeld und Lebensmittelmarken) und der Krankenversicherung für Senioren (Medicare) und Arme (Medicaid). Auch Steuererhöhungen dürften diskutiert werden.
Wer legt die Einsparungen der zweiten Etappe fest?
Bis Ende November soll ein sogenannter Super-Kongress alle weiteren Sparmaßnahmen beschließen. Es handelt sich dabei um einen Sonderausschuss aus sechs Demokraten und sechs Republikanern.

Sollte sich der Super-Kongress auf keine konkreten Maßnahmen einigen können oder der Kongress diese nicht bis Weihnachten 2011 absegnen, treten automatische Kürzungen in Kraft. Diese würden auf jeden Fall Kürzungen bei Sozial- und Verteidigungsausgaben umfassen. Renten-und Sozialschecks würden in diesem Fall kategorisch ausgespart.

Fläche: 9.833.517 km²

Bevölkerung: 318,857 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

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