Folge von US-Sanktionen Alu-Engpass trifft die deutsche Industrie

Die deutsche Industrie braucht Aluminium, ob für die Produktion von Autoteilen oder Fensterprofilen. Nach SPIEGEL-Informationen droht nun ein Versorgungsengpass: Der Nachschub aus Russland gerät ins Stocken.

Rusal-Aluminiumproduktion
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Rusal-Aluminiumproduktion

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Der deutschen Industrie droht eine gefährliche Knappheit beim Rohstoff Aluminium. Verantwortlich dafür sind die US-Sanktionen vom 6. April, die insbesondere das Geschäft des russischen Rohstoffkonzerns Rusal beeinträchtigen, des größten Aluminium-Produzenten außerhalb Chinas. Das Embargo hat den Preis des Vorprodukts Aluminiumoxid innerhalb einer Woche um 26 Prozent steigen lassen, damit nähert er sich einem Zwölf-Jahres-Hoch.

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Fast ein Drittel des Rohaluminiums, das die deutsche Industrie importiert, bezieht sie aus Russland, ein großer Teil davon stammt von Rusal. Zudem spielt eine Rusal-Tochter in Irland, das Unternehmen Aughinish Alumina, eine entscheidende Rolle im Markt. Sie sei "unverzichtbar für die Aluminiumoxid-Versorgung" Europas, heißt es nach SPIEGEL-Informationen in einem Positionspapier der Wirtschaftsvereinigung Metalle. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Die Sanktionen hätten "erheblichen Einfluss auf die Handelsströme", dies werde "in der gesamten Lieferkette zu spüren" sein, warnt der Verband. Die Versorgungssicherheit und die Planbarkeit der Preisentwicklung sei nicht mehr sichergestellt: "Damit wären auch große Abnehmerbranchen wie die Automobilindustrie betroffen." Der Lobbyverband fordert die Politik auf, schnell eine Lösung zu finden, welche die Rohstoffversorgung sicherstellt. Sonst würde "der ganze Wirtschaftsstandort Deutschland leiden".

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insgesamt 11 Beiträge
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crossy-hl 20.04.2018
1. Wenn das so weiter geht,
wird die Wirtschaftspolitik der EU wohl nur noch in Washington gemacht. Um das zu verhinden bleibt nur folgendes: Sollten EU Firmen, die mit Firmen in Russland nach EU-Recht legale Geschäfte betreiben, in den USA bestaft werden, weil die betreffendenruss. Firmen mit US-Sanktionen belegbelegt worden sind, muß die EU im Gegenzug US Firmen, im gleichen Maße das Geschäft in der EU erschweren. Dann schauen wir 'mal, was von den selbstherrlichen US-Sanktionen wird. Im übrigen bin ich dem Meinung, dass die US-Truppen aus Deutschland abgezogen werden müssen.
Tharsonius 20.04.2018
2.
Tja, würde Deutschland sich weniger am Russland-Bashing beteiligen und mehr auf eine wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Russland hinarbeiten, gäbe es vlt weniger Engpässe. Russland ist geografisch eher unser Nachbar als andere Kontinente....
carahyba 20.04.2018
3.
Ganz schnell stellt sich nun heraus, dass ein wesentlicher Nebeneffekt der Sanktionen auf die Wirtschaft Deutschlands zielt. Natürlich ist das ein reiner kolateralschädingender Zufall. Interessant ist, dass die CDU-Wirtschaftler mucksmäuschen still sind, wahrscheinlich auch reiner Zufall. Natürlich wusste keiner dieser Herren, dass RUSAL Hauptlieferant von Aluminium und Vorprodukte der deutschen Aluminium verarbeitenden Wirtschaft ist. Diese US-Sanktion macht nur Sinn im Zusammenhang mit dem Hauptabnehmer Detschland. Die Bundesregierung scheint in vollem Einklang mit dieser Maasnahme zu stehen. Transatlantische Treue scheint ein für sich eigener absoluter Wert zu sein in unserer westlichen Wertegemeinschaft.
mimoun74 20.04.2018
4. Eigentor
Ein typisches Eigentor. Die USA wollen Russland bestrafen, die Europäer ziehen widerspruchslos mit und schaden sich letztendlich selbst. Was wäre wenn Russland sich im Falle weiterer Eskalationen des Westens gezwungen sieht auch andere Rohstoffe für den Westen zu verknappen? Nächstes Beispiel wäre Titan. Und auch Produkte wie Raketenantriebe für die ISS etc. könnten nicht mehr fließen. Die westlichen Staaten sanktionieren immer mehr Staaten in der Welt. Das kann zum Bumerang werden, denn das Spiel funktioniert auch umgekehrt. Falls sich irgendwann einmal diese Staaten (China,Russland,Nordkorea,Iran,Syrien...) zusammenschließen und nur untereinander Handel treiben , haben wir wie im kalten Krieg 2 Blöcke. Und dann wird es richtig teuer. Wirtschaft ade. politische Instabilität und Kriege. Wäre da Diplomatie und Verhandlungen nicht die einfacherer Methode statt Sanktionen?
ptb29 20.04.2018
5. Wer Sanktionen einführt,
muss auch mit den Folgen leben. Hat A.Merkel gedacht, wir verhängen Sanktionen, die Russen werden aber kuschen und uns weiterhin wohlwollend beliefern?
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