US-Staatsschulden Hartes Rating-Urteil bringt Obama in Bedrängnis

Schlittern die USA noch tiefer in die Schuldenkrise? Die Rating-Agentur Standard & Poor's zweifelt an der Kreditwürdigkeit des Landes - es drohen höhere Zinsen, der Aufschwung könnte abgewürgt werden. Experten warnen trotzdem vor einem Vergleich mit Griechenland oder Irland.

Händler an der Wall Street: USA haben noch ein Vertrauenspolster bei Investoren
REUTERS

Händler an der Wall Street: USA haben noch ein Vertrauenspolster bei Investoren


Washington - Es ist ein deutliches Signal an die hochverschuldeten USA: Die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) hat die Kreditwürdigkeit der Vereinigten Staaten in Frage gestellt. Sie werde deren Bonität zwar weiter mit der Bestnote "AAA" bewerten, teilte S&P am Montag mit. Allerdings senke sie den Ausblick für die langfristige Beurteilung von "stabil" auf "negativ". Damit droht in den kommenden zwei Jahren eine Herabstufung - mit einer Wahrscheinlichkeit von 33 Prozent.

Nach dem Votum brachen weltweit die Aktienkurse ein, der Goldpreis stieg deutlich - dafür sanken die Ölpreise. Kein Wunder, denn die Warnung von Standard & Poor's setzt die Regierung von US-Präsident Barack Obama unter Druck. Eine schlechtere Bewertung durch die Rating-Agenturen kann zu erheblich höheren Zinsen für US-Staatsanleihen führen, zumal Washington Investoren dann mehr bieten müsste. Dies könnte nach Expertenmeinung das ohnehin zaghafte Wirtschaftswachstum abwürgen und die Gefahr einer neuen Rezession heraufbeschwören.

"Das könnte der Auftakt sein für eine 'Schuldenkrise USA'", sagte ein Börsenhändler, "in jedem Fall ist es aber ein deutlicher Warnschuss". Dass eine US-Rating-Agentur den Ausblick der Vereinigten Staaten derart kritisch einstuft, sei bemerkenswert.

Grund für die Beurteilung seien die im Vergleich zu anderen mit "AAA" bewerteten Ländern "sehr hohen" Haushaltsdefizite, teilte S&P mit. Außerdem sei unklar, wie die steigende Staatsverschuldung abgebaut werden solle. Es gebe ein grundlegendes Risiko, "dass die US-Politiker keine Einigung darüber erzielen werden, wie sie die mittel- und langfristigen finanziellen Herausforderungen bis 2013 angehen sollen", heißt es in der Analyse. Dies lasse die USA "wesentlich schwächer" dastehen als andere "AAA"-Länder.

Wann wird die Schuldengrenze angehoben?

Die US-Regierung wies die Zweifel der Rating-Agentur mit deutlichen Worten zurück: Die negative Einschätzung der Agentur "unterschätzt die Fähigkeit der politischen Führer Amerikas, zusammenzukommen, um die schwierigen fiskalischen Herausforderungen anzugehen, denen die Nation gegenübersteht", sagte die Abteilungsleiterin für die Finanzmärkte, Mary Miller. "Beide politischen Parteien stimmen überein, dass es Zeit ist, das Defizit im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung zu verringern."

Allein im laufenden Haushaltsjahr häufen die USA bis zu 1,65 Billionen Dollar neue Schulden an, rund zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Die Gesamtverschuldung beträgt derzeit mehr als 14,2 Billionen Dollar. Das ist an der Wirtschaftsleistung gemessen das größte Minus in der Staatskasse der größten Volkswirtschaft seit fünf Jahrzehnten.

Bis spätestens Juli muss der Kongress die gesetzliche Schuldenobergrenze von 14,3 Billionen Dollar anheben, damit die USA zahlungsfähig bleiben. Allerdings ist die Verabschiedung eines entsprechenden Gesetzes im Kongress wegen des Parteienstreits noch nicht sicher.

USA haben noch ein Vertrauenspolster bei Investoren

Droht den USA nun wirklich eine Schuldenkrise wie Griechenland und Irland? Experten warnen vor Panik: Die Lage der größten Volkswirtschaft der Welt sei nicht vergleichbar mit jener der Euro-Sorgenkinder. "Der Hauptunterschied ist: Die USA sind ein Nationalstaat. Sie können also ihr eigenes Geld drucken", sagte Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Auch hätten die USA schon gezeigt, dass sie in der Lage sind, riesige Defizite abzubauen - etwa nach dem Zweiten Weltkrieg, als der Verschuldungsstand schon einmal 100 Prozent der Wirtschaftsleistung betrug.

Auch jetzt gebe es noch keine Anzeichen für eine Schuldenkrise, das Land habe noch keinerlei Probleme, seine Staatsanleihen zu verkaufen. "Die USA genießen einen enormen Vertrauensbonus", sagt Krämer. Und die Volkswirtschaft sei nach wie vor gut gewappnet für eine Erholung: "Der Arbeitsmarkt ist flexibel, die Bevölkerung wächst."

Andreas Rees, Chefökonom von Unicredit Research, spricht ebenfalls von einem "Vertrauenspolster" für die USA. Er glaubt deshalb nicht, dass die Preise für Staatsanleihen nun unmittelbar in die Höhe schießen. Auch er hält die Ansagen von S&P für einen "Warnschuss", zumal den Rating-Agenturen immer wieder vorgeworfen worden sei, die USA zu milde zu beurteilen.

Ölpreis deutlich im Minus, Goldpreis kratzt an 1500-Dollar-Marke

Der Dow Jones Industrial verlor 1,14 Prozent auf 12.201,59 Punkte. Damit schloss der weltweit bekannteste Aktienindex aber klar über seinem Tagestief von knapp 12.094 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500-Index endete um 1,10 Prozent tiefer bei 1305,14 Punkten. An der Technologiebörse Nasdaq Stock Market Chart zeigen gab der Composite Index 1,06 Prozent auf 2735,38 Punkte ab. Der Nasdaq 100 verlor lediglich 0,66 Prozent auf 2292,34 Punkte.

Auch an den europäischen Aktienmärkten gab es nach Bekanntwerden der S&P-Analyse deutliche Kursverluste: Der Dax Chart zeigen verlor 2,1 Prozent auf 7.027 Punkte. Der MDax Chart zeigen gab zwei Prozent auf 10.165 Zähler nach. Der TecDax Chart zeigen fiel um 2,1 Prozent auf 891 Punkte. Der EuroStoxx 50 Chart zeigen gab um 2,4 Prozent auf 2848 Punkte nach. Die Leitindizes in Paris und London schlossen ebenfalls im Minus.

Die Zweifel an der Kreditwürdigkeit der USA trieben den Goldpreis Chart zeigen zeitweise fast auf die Marke von 1500 Dollar. Nach Einschätzung von Händlern löste die Beurteilung eine erneute Flucht in das als sicher geltende Edelmetall aus. Die Feinunze Gold (rund 31 Gramm) kostete am Montag bis zu 1497,20 Dollar.

Abwärts ging es dagegen am Ölmarkt. Auch hier fürchten die Händler offenbar um den Aufschwung in Amerika. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent Chart zeigen zur Auslieferung im Juni kostete am frühen Montagabend 121,12 Dollar und damit rund zwei Dollar weniger als im frühen Handel. Für Rohöl der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Mai mussten Anleger zuletzt 106,76 Dollar bezahlen, ebenfalls deutlich weniger als am Montagmorgen.

cte/ase/dpa/Reuters

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insgesamt 54 Beiträge
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Transmitter, 18.04.2011
1. Der Friedensnobelpreisträger hat es bald hinter sich
Die USA haben ökonomisch fertig. Den Rest hat dieses faule, morsche Gebilde von Obama erhalten. Das System crasht bald und die USA, wie wir sie kennen, gibt es dann nicht mehr. Nie mehr. Und alle Mainstream-Journalisten, die sich nur ein wenig damit beschäftigt haben, wissen dies auch. Meinungs- und Pressefreiheit? Ein grauenhafter Witz! Das Volk wird hierzulande entrechtet, enteignet, belogen und betrogen. Gott sei Dank, dass ich in diesen Zeiten kein Journalist sein muss. Nicht aushalten würde ich das!
Klaus_T 18.04.2011
2. Erschütternd...
Da sagt eine Rating Agentur, dass sie aus einem A in den nächsten Jahren ein + machen KÖNNTEN und die Ölpreise fallen und die Goldpreise steigen. Vergiss die Politik... DAS ist Macht. Zufälligerweise kommt dieses Rating wenige Tage nachdem ein Bericht der USA zur Finanzkrise veröffentlicht wurde, in dem auch Rating-Agenturen schlecht abschnitten.
MasaGemurmel 18.04.2011
3. Bail out!
Das wird ja noch "lustig". In Europa bröckeln die ersten Mitglieder weg und die USA ist pleite. Fehlt nur noch, dass China den USA ein Bailout gibt. :-D Murmel.
ausbalanciert 18.04.2011
4. Warum? Warum??
Zitat von TransmitterDie USA haben ökonomisch fertig. Den Rest hat dieses faule, morsche Gebilde von Obama erhalten. Das System crasht bald und die USA, wie wir sie kennen, gibt es dann nicht mehr. Nie mehr. Und alle Mainstream-Journalisten, die sich nur ein wenig damit beschäftigt haben, wissen dies auch. Meinungs- und Pressefreiheit? Ein grauenhafter Witz! Das Volk wird hierzulande entrechtet, enteignet, belogen und betrogen. Gott sei Dank, dass ich in diesen Zeiten kein Journalist sein muss. Nicht aushalten würde ich das!
Es gäbe viel zu sagen und vermuten zu diesem Artikel. Werden sich Demokraten und Republikaner nun eher zusammenraufen? Ich finde z.B den Vergleich während/nach dem 2. Weltkrieg zu jetzt falsch: nach WW2 war USA strotzend vor Energie, Technologie und Macht. USA ist jetzt ausgelaugt und verfettet, wenig innovativ und zerstritten. Und was geben Sie von sich, Herr Transmitter? Allgemeines, hasserfülltes Geschreibsel. Ja, glauben Sie denn, ein Crash der USA wird uns und Sie nicht auch mitreissen? Ich hoffe, der Rest Ihrer über 1000 Kommentare hat mehr Qualität. Zwar kann ich nicht dagegen ausrichten, gegen dieses Stammtischgefasel, aber es ödet einfach an, dauern damit gefoltert zu werden.
movfaltin 18.04.2011
5. Haben sie das?
Zitat von TransmitterDie USA haben ökonomisch fertig. Den Rest hat dieses faule, morsche Gebilde von Obama erhalten. Das System crasht bald und die USA, wie wir sie kennen, gibt es dann nicht mehr. Nie mehr. Und alle Mainstream-Journalisten, die sich nur ein wenig damit beschäftigt haben, wissen dies auch. Meinungs- und Pressefreiheit? Ein grauenhafter Witz! Das Volk wird hierzulande entrechtet, enteignet, belogen und betrogen. Gott sei Dank, dass ich in diesen Zeiten kein Journalist sein muss. Nicht aushalten würde ich das!
Die Geschichte zeigt allerdings, dass dann das Militär an Bedeutung gewinnen wird, als Ersatzdruckmittel statt des Dollars. Da sollten wir sehr wohl acht geben, dass es nicht zu neuen "kriegsähnlichen Zuständen" kommt - dafür sollte selbst eine Finanzspritze an den neuen Exportvizeweltmeister noch recht sein.
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