Presseschau zu US-Strafzöllen "Das Widerlichste ist Trumps Angriff auf Verbündete"

Donald Trump hat Strafzölle für Stahl und Aluminium angeordnet. In internationalen Medien hagelt es dafür Kritik - sogar vom Trump-freundlichen Fox-Konzern. Andere sprechen von einem "Handelskrieg mit Platzpatronen".

Stapel mit verschiedenen Tageszeitungen
DPA

Stapel mit verschiedenen Tageszeitungen


Mit einem handelspolitischen Alleingang stellt sich US-Präsident Donald Trump erneut gegen große Teile der Welt: Strafzölle auf die Einfuhr von Stahl und Aluminium sollen die heimische Industrie schützen und ihm die Gunst der heimischen Arbeiterschaft sichern. "Ich verteidige heute Amerikas nationale Sicherheit, indem ich Importe von Stahl und Aluminium mit Zöllen belege", sagte Trump.

Demnach treten in 15 Tagen Zölle in Höhe von 25 Prozent auf eingeführten Stahl und von 10 Prozent auf Aluminium in Kraft - "sobald die Produkte unsere Grenze überschreiten", wie Trump sagt. "Wenn ihr Steuern vermeiden wollt, produziert in Amerika", rief er potenziellen Investoren zu.

Die Nachbarstaaten Kanada und Mexiko will Trump vorerst von den Zöllen ausnehmen - um Druck auf die Verhandlungen über das Freihandelsabkommen Nafta auszuüben.

US-Zeitungen und andere internationale Medien kritisieren Trumps Entscheidung hart. Sie sorgen sich um Arbeitsplätze in den USA, einen größeren Handelskrieg fürchten aber nur die wenigsten.

Washington Post (USA): "Das Widerlichste ist Trumps unerbittlicher und willkürlicher Angriff auf langjährige Verbündete, von denen viele 'uns mies behandeln', wie Trump es sagt. Staaten wie China mit Kanada oder Deutschland in einen Topf zu werfen, deren Truppen zusammen mit den Vereinigten Staaten in Afghanistan und anderswo Blut vergossen haben, ist eines amerikanischen Präsidenten nicht würdig."

Wall Street Journal (USA): "Die Frage ist, wie weit Trump mit seinem protektionistischen Wutausbruch gehen wird. Die Aktienmärkte sind am Donnerstag leicht gestiegen, als bekannt wurde, dass Trump plant, Mexiko und Kanada von den Zöllen auszunehmen, bis das Nordamerikanische Freihandelsabkommen neu verhandelt wird. Trotzdem hält Trump wirtschaftlich auch Amerika eine Waffe an den Kopf, denn ein Austritt aus dem Nordamerikanischen Freihandelsabkommen würde wesentlich mehr Schaden anrichten, als die Zölle auf Stahl und Aluminium. Anderen Ländern anzubieten, sie von den Zöllen zu befreien, solange sie bestimmte Forderungen der USA erfüllen, wird ein neues Chaos aus Instabilität und politisch gesteuertem Handel hervorrufen."

New York Times (USA): "Wie auch Rassismus ist Handel ein Thema, bei dem Trump über die Jahre hinweg völlig konsequent war. Er hat Jahrzehnte damit verbracht, über andere Länder zu schimpfen, die Amerika schaden würden, indem sie unsere recht offenen Märkte ausgenutzt hätten, wie Trump behauptet. Wenn seine Ansichten auf fehlendem Verständnis von Themen oder gar grundlegenden Fakten basieren, dann ist Trumps politische Ideologie angriffslustige Ignoranz - auf ganzer Linie."

Fox News (USA): "Der Präsident hat den ersten Schuss in einem Handelskrieg abgefeuert, der alle Amerikaner trifft. Er schadet den Beziehungen zu verbündeten Nationen und unserer nationalen Sicherheit, schwächt unsere Wirtschaft und macht die Konsumenten ärmer. (...) Alle Autohersteller, die in den USA tätig sind, werden besonders betroffen sein, weil für die Herstellung von Autos und Lastwagen viel Stahl und Aluminium benötigt wird. Das bedeutet, dass die Fahrzeugpreise steigen werden und importierte Autos aus dem Ausland dadurch wettbewerbsfähiger werden. Das hätte zur Folge, dass die USA weniger Autos exportieren wird und amerikanische Autoarbeiter ihre Jobs verlieren werden."

The Globe and Mail (Kanada): "Ausgenommen von der Regelung sind die US-Nachbarländer Kanada und Mexiko - zumindest so lange, wie die Verhandlungen für das geplante Freihandelsabkommen Nafta nicht abgeschlossen sind. Kanada wird damit als Geisel gehalten und muss sich den ungestümen Launen des US-Präsidenten unterwerfen. Seine Entscheidung setzt Ottawa noch mehr unter Druck, bei einem neuen Nafta-Abkommen Kompromisse einzugehen."

Guardian (Großbritannien): "Trump meint, Handelskriege seien gut und leicht zu gewinnen, doch er geht größere Risiken ein, als er zu glauben scheint. Wenn Zölle in den USA zu höheren Verbraucherpreisen führen, könnte das eine höhere Inflation bewirken und einen stärkeren Anstieg der Zinsen der US-Zentralbank. Die Verkündung von Strafzöllen erfolgt zu einer Zeit, da Steuersenkungen die Nachfrage in einer Wirtschaft ankurbeln, in der nahezu Vollbeschäftigung herrscht. Wenn die Importpreise steigen und damit das Handelsdefizit der USA, wird Trump versucht sein, darauf mit weiteren protektionistischen Maßnahmen zu reagieren. (...)

Doch das Gerede über einen ausgewachsenen Handelskrieg - oder gar eine Rückkehr zu den düsteren Zeiten der Dreißigerjahre ist völlig übertrieben. Erstens machen Stahl und Aluminium nur zwei Prozent des Welthandels aus, sodass die Folgen der Strafzölle bescheiden ausfallen werden. Zweitens scheinen die anderen großen Akteure im Welthandel bislang zurückhaltend zu reagieren. Die EU und China sind auf Export angewiesen. Trump geht davon aus, dass Brüssel und Peking bei direkten Konfrontationen als Erste einlenken. Damit hat er wohl recht."

Die Presse (Österreich): "Wenn das der Wirtschaftskrieg ist, dann wird er mit Platzpatronen geführt. (...) Natürlich werden das einzelne Stahlerzeuger zum Teil unangenehm spüren. Aber: Von den 1279 Milliarden Euro Gesamtexportvolumen Deutschlands entfallen nur etwas mehr als drei Milliarden auf Stahlausfuhren in die USA. Also heiße 0,23 Prozent. Das soll der große Erstschlag in einem globalen Wirtschaftskrieg sein? (...) Derweil können wir hier anfangen zu überlegen, ob wir das Gut/Böse-Schema (schlimme USA, arme, gute, freihandelsorientierte EU) aufrechterhalten können. Die EU beispielsweise hat allein gegen China derzeit 56 Antidumpingzölle laufen, darunter, bingo, gegen Stahleinfuhren. Und die Zölle, die Europa auf aus den USA importierte Autos einhebt, sind exakt viermal so hoch wie die, die europäische Autobauer beim Export in die USA berappen."

ABC (Australien): "Auch wenn die Europäische Union, China und andere Länder Zölle auf ihre Stahl- und Aluminiumexporte erheben werden, ist es unwahrscheinlich, dass der Schritt der US-Regierung in einen Handelskrieg münden wird. Die Welthandelsorganisation (WTO) hat die Befugnis Sanktionen zu verhängen, wenn Staaten willkürlich Zölle erheben. Es gibt gute Gründe zu hoffen, dass die WTO einschreiten wird und die Zölle wieder aufhebt. Wenn die WTO aber die Trump-Zölle aufrechterhält, könnte dies das Ende des internationalen Handelssystems einläuten, das in den letzten Jahrzehnten gut funktioniert hat.

hej/dor



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