Strafzölle für Autos "Unser Land ist abgezockt worden"

US-Präsident Trump reagiert trotzig auf Kritik am heraufziehenden Handelskrieg und erneuert die Drohung, auch auf Autos künftig Strafzölle zu erheben. Das träfe die wichtigste deutsche Branche, die Bundesregierung ist alarmiert.

Fertigung von Volkswagen in Wolfsburg
DPA

Fertigung von Volkswagen in Wolfsburg


Nach neuen Drohungen von US-Präsident Donald Trump befürchten internationale Institutionen und Staatschef stärker denn je einen Handelskrieg. Freunde und Feinde Amerikas hätten lange genug Vorteile auf Kosten der USA eingestrichen, sagte Trump bei einem Treffen mit dem israelischen Präsidenten Netanyahu. "Unser Land ist beim Handel von praktisch jedem Land der Welt abgezockt worden."

Trump hatte vergangene Woche angekündigt, Schutzzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte zu verhängen. Für Stahl soll der Satz künftig bei 25 Prozent, für Aluminium bei zehn Prozent liegen. Der US-Präsident erneuerte am Montag seine Drohung, auf mögliche EU-Gegenmaßnahmen mit weiteren Strafzöllen oder -steuern zu reagieren - und zwar auf Automobilimporte. In diesem Fall "werden wir einfach ihre Autos besteuern", sagte er.

Vergeltung und Sorge um Handelskrieg

Handelspartner der USA und internationale Wirtschaftsorganisationen zeigten sich besorgt und kündigten Vergeltungsschläge an. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker drohte am Montag mit Strafzöllen auf US-Produkte wie Bourbon-Whiskey, Harley-Davidson-Motorräder oder Levi's-Jeans.

Auch die Bundesregierung reagierte alarmiert reagiert. Trump befinde sich mit Abschottung und Protektionismus auf einem "Irrweg", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Die Bundesregierung wolle keine Zuspitzung des Streits, "und schon gar nicht wollen wir so etwas wie einen Handelskrieg". Dieser sei "nicht im deutschen, nicht im europäischen und nicht im amerikanischen Interesse".

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hingegen drängte, die EU müsse Eil-Maßnahmen bei der Welthandelsorganisation WTO einleiten, sollten die USA tatsächlich die angekündigten Zölle verhängen. Sie würden WTO-Regeln verletzen.

Internationale Wirtschaftsexperten sehen die gegenseitigen Androhungen als eine Gefahr für den Welthandel. Robert Azevedo, Chef der WTO, warnte vor einer globalen Eskalation und einer weltweiten Rezession als Folge von protektionistischen Maßnahmen.

"Angesichts der jüngsten Ankündigungen ist klar, dass wir nun ein sehr viel höheres Risiko einer Eskalation von Handelsschranken weltweit sehen", sagte er in Genf. Eine Politik des "Auge um Auge, wird uns alle blind machen und die Welt in eine tiefe Rezession führen", warnte der WTO-Chef.

US-Präsident Trump
REUTERS

US-Präsident Trump

Trump sieht's gelassen

Auch aus der eigenen Partei gibt es Gegenwind für Trumps Vorschläge: Paul Ryan, der republikanische Sprecher des Repräsentantenhauses forderte das Weiße Haus auf, die geplanten Importzölle nicht zu implementieren. Ryan stammt aus dem Bundesstaat Wisconsin, der von den geplanten Vergeltungszöllen der EU auf Harley-Davidson-Motorräder besonders betroffen wäre.

Trump hingegen sieht die Situation gelassener. "Ich denke nicht, dass wir einen Handelskrieg haben werden", sagte Trump. Er bezichtigte die Europäische Union, ihrerseits bereits zuvor Handelsschranken aufgebaut zu haben.

Gegenüber Kanada und Mexiko zeigte er sich zuletzt aber verhandlungsbereit - falls es ein "neues und faires" nordamerikanisches Freihandelsabkommen (Nafta) gebe, werde Amerika von Strafzöllen absehen, so Trump. Dazu müsste Kanada aber US-Landwirte besser behandeln und Mexiko den Kampf gegen Drogen verschärfen. Kanada und Mexiko hatten zuvor ebenfalls mit Vergeltungsmaßnahmen gedroht.

ans/Reuters/AP/dpa

insgesamt 100 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
kaiservondeutschland 05.03.2018
1. Verstanden
Habe verstanden. Dann bestellen wir eben für unsere Büros neue IT von japanischen und nicht amerikanischen Herstellern. Ich schick Trump ein Foto von den Fujitsu-Geräten via Twitter. Hätte auch Dell sein können, aber Trump hat‘s so gewollt.
akarsu0 05.03.2018
2.
Europas position ist doch ziemlich schwach. Wieso sollte sich denn Trump vor Europa fürchten? Ganz Europa zuckt schon zusammen wenn Erdo?an nur den Arm hebt. Wieso sollte er also als stärkster Mann der Welt was befürchten wenn schon ein kleiner möchtegern Diktator die EU in Zaun hält. Deutschland und Europa brauchen starke Politiker. Merkel und Co. Sind überholt. Wir brauchen starke Führer in diesen Zeiten. Wieso droht Europa nicht mal damit Apple zu Sanktionieren? Wen interessieren bitte schon Harleys???? Man sollte vielleicht doch mal drüber nachdenken die Türkei in die EU aufzunehmen, damit wenigstens ein Land mit "Eiern" in der Gemeinschaft ist.
dr.joe.66 05.03.2018
3. der ist komplett durchgeknallt
Donald Trump, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, ist komplett durchgeknallt. Anders kann man das nicht mehr beschreiben. Ich weiß, der Vergleich gehört hier nicht hin, aber irgendwie erinnert mich die geballte Kompetenz im Weißen Haus im Moment an eine Mischung aus HSV und AfD. Man krakeelt von der eigenen Größe und Überlegenheit, will aber die eigene Unfähigkeit ebenso wenig wahr haben wie den bevorstehenden Abstieg.
alterknacker54 05.03.2018
4. Da werden sich die Amis bestimmt vor Angst in die Hose machen..
". EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker drohte am Montag mit Strafzöllen auf US-Produkte wie Bourbon-Whiskey, Harley-Davidson-Motorräder oder Levi's-Jeans." Meine Güte, fällt Juncker nichts Besseres ein? Hardware, Software - das importieren wir aus den USA und zwar jede Menge. Und - sorry - ihren Bourbon-Wiskey können sie wirklich selber saufen... Wir sollten sofort alle Microsoft-Produkte canceln - es gibt dafür gute und presigünstige, häufig sogar kostenlose Alternativen. Und Firmen wie Apple sollten hier erstmal Steuern zahlen!
Filsbachlerche 05.03.2018
5. Ist doch nichts Neues...
Die damalige EWG hatte schon Anfang der 1960er Jahre einen "Hähnchenkrieg" gegen die USA durchzustehen. Das kann man auch auf Wikipedia nachlesen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.