Drohende US-Strafzölle Niedersachsens Stahlbranche fordert Importquoten

Wegen der geplanten US-Strafzölle auf Stahl und Aluminium wird erwartet, dass Billigimporte den europäischen Markt überschwemmen. Niedersachsens Stahlindustrie spricht sich daher für eine Quotenregelung aus.

Stahlarbeiter bei Salzgitter (Archiv)
Getty Images

Stahlarbeiter bei Salzgitter (Archiv)


Niedersachsens Stahl- und Aluminiumindustrie befürchtet durch die angekündigten US-Zölle eine Überschwemmung des europäischen Marktes mit billigem Importstahl. Die nicht mehr auf den US-Markt gelangenden Stahlmengen könnten auf den EU-Markt drängen. Stahlproduzenten aus Indien, Südkorea, der Türkei und der Ukraine könnten ihre Produkte wegen der Zölle vor allem in Europa platzieren, sagte der Chef des zweitgrößten deutschen Stahlherstellers Salzgitter, Jörg Fuhrmann.

"Es werden dann mit sehr großer Wahrscheinlichkeit die nicht mehr in die USA exportierten Mengen Stahl ihren Weg nach Europa finden", sagte Fuhrmann nach einem regionalen Spitzentreffen der Branche in Hannover. Die EU-Kommission müsse entsprechende Handelsschutzmaßnahmen ergreifen und für bestimmte Länder Quoten festlegen. Bei einer Überschreitung würden dann Zölle anfallen.

Auch der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans Jürgen Kerkhoff, sprach von einer massiven Bedrohung für die europäische Stahlindustrie und forderte EU-Reaktionen. "Das sind möglicherweise mehr als 13 Millionen Tonnen, das wäre eine Steigerung der Importmenge in Europa um 40 Prozent", sagte Kerkhoff.

Sorge vor möglicher Eskalation

Auf Initiative von Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) hatten Vertreter betroffener Unternehmen, Verbände und Gewerkschaften knapp zwei Stunden über konkrete Auswirkungen und Konsequenzen für den heimischen Markt beraten.

"Die Stahlindustrie und die Landesregierung sind sich einig, dass die Erhebung einer Importquote ein geeigneter Weg sein könnte, um mit den USA eine Verständigung über den weiteren Weg zu erzielen", sagte der Minister, der von einem engen Schulterschluss aller Beteiligten sprach.

Die Beschäftigten in Niedersachsen seien in Sorge, sagte auch Thorsten Gröger von der IG Metall Niedersachsen. Es gehe nicht nur um die 14.000 Mitarbeiter der Branche, sondern auch die gut 300.000 Beschäftigten in der verarbeitenden Industrie, die sich über eine mögliche Eskalation Sorgen machten. Das gelte gerade auch wegen der dann auf den Markt schwemmenden Überkapazitäten.

Die Stahlkonkurrenz aus China ist laut Salzgitter-Chef Fuhrmann dabei weniger problematisch. "China ist nicht mehr das Hauptthema, das hat sich praktisch erledigt", sagte er. Die direkten Folgen durch die US-Zölle seien überschaubar: "Sie sind nicht so, dass wir unsere Jahresprognose für 2018 ändern müssten", sagte er.

Altmaier reist in die USA

Die Bundesregierung und die Europäische Union wollen in Verhandlungen versuchen, die von US-Präsident Donald Trump verhängten Zölle auf Stahl- und Aluminiumprodukte doch noch zu verhindern. Dafür hatte die US-Regierung zuletzt neue Bedingungen an die EU-Kommission gestellt. Die Abgaben von 25 Prozent auf Stahl und 10 Prozent auf Aluminium sollen am kommenden Freitag in Kraft treten. Offiziell begründet Trump die Maßnahme mit sicherheitspolitischen Interessen.

Am Sonntag will der neue Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) zu Gesprächen nach Washington fliegen. Das bestätigte ein Sprecher Altmaiers. Geplant sind Gespräche mit hochrangigen Regierungsvertretern. Um wen genau es sich dabei handelt, war zunächst nicht bekannt. Die Reise soll bis Dienstag dauern.

Kommende Woche wollen auch EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström und US-Handelsminister Wilbur Ross zu Gesprächen zusammenkommen. Beide hätten telefoniert und eine entsprechende Vereinbarung getroffen, hieß es am Donnerstag aus EU-Kreisen. Ein genauer Termin für das Treffen steht noch nicht fest.

brt/dpa/Reuters

insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
ambulans 16.03.2018
1. wie
wärs denn beispielsweise - nur ein beispiel - mit vielleicht 100% oder mehr (abwehr-)zöllen gegenüber qualitativ sowieso garnicht nachgefragten stahl-importen aus der USA, die uns z.zt. sozusagen (per ordre de donnie, le POTUS) "aufgedrückt" werden sollen? mehr geht doch eigentlich immer, denk ich mir ...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.