US-Strafzölle auf Alu und Stahl Trump hält Handelskriege für "gut und leicht zu gewinnen"

Im Streit um die angekündigten Strafzölle auf Stahl und Aluminium verschärft sich der Ton. Kanzlerin Merkel kritisiert die Maßnahmen deutlich, US-Präsident Trump schreibt auf Twitter: "Handelskriege sind gut."

US-Präsident Trump
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Um die Strafzölle auf Stahl und Alumunium, die US-Präsident Donald Trump angekündigt hat, gibt es einen Schlagabtausch auf höchster Ebene. Nach massiver Kritik aus aller Welt an den Maßnahmen meldete sich Trump auf Twitter zu Wort. Wenn ein Land wie die USA durch Handel mit fast jedem Land viele Milliarden Dollar verlören, "sind Handelskriege gut und leicht zu gewinnen", twitterte der US-Präsident.

Zuvor hatte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die angekündigten Strafzölle kritisiert. "Die Bundesregierung lehnt solche Zölle ab", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Das Problem der weltweiten Überkapazitäten in diesen Bereichen lasse sich so nicht lösen. Man stehe hinter der EU-Kommission, die bereits Vergeltungsmaßnahmen angekündigt hat. Ein "Handelskrieg" könne "in überhaupt niemandes Interesse sein", betonte Seibert, auch nicht in dem der USA.

Gabriel hofft auf Einsicht

In einer Presseerklärung des Auswärtigen Amtes wurde Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) mit den Worten zitiert, er sehe die Ankündigung "mit größter Sorge". Anders als möglicherweise andere Staaten betrieben deutsche und europäische Unternehmen der Stahl- und Aluminiumindustrie keinen unfairen Wettbewerb mit Dumpingpreisen. "Die Begründung dieser Maßnahme mit nationalen Sicherheitsinteressen der USA (Section 232) ist insbesondere gegenüber EU- und Nato-Partnern überhaupt nicht nachvollziehbar", so Gabriel.

Die EU müsse daher auf Strafzölle der USA, die tausende Arbeitsplätze in Europa gefährdeten, mit Entschiedenheit reagieren. "Daran sollte in Washington kein Zweifel bestehen. Diese drohende schwere handelspolitische Auseinandersetzung zwischen den USA und Europa ist weder im Interesse Europas noch der USA. Hier gilt: 'Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte.'", so der Außenminister weiter. Deshalb hoffe er, dass Präsident Trump seine Ankündigung noch einmal überdenke. "Wir müssen alles dafür tun, einen internationalen Handelskonflikt zu vermeiden", sagte Gabriel.

EU kündigt Vergeltung an

Trump hatte angekündigt, sämtliche Stahlimporte der USA mit einem Zoll von 25 Prozent zu belegen. Auch die deutsche Wirtschaft zeigt sich höchst besorgt darüber. Das gesamte Welthandelssystem sei bedroht. "Letztlich könnte das zweifelhafte Berufen auf eine Klausel für die nationale Sicherheit in der WTO das gesamte Welthandelssystem erschüttern", kritisierte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Martin Wansleben.

"Die Gefahr ist groß, dass andere folgen und das WTO-System zum Nachteil aller weiter ausgehöhlt wird." Die deutsche Wirtschaft sei wie kaum eine andere auf offene Märkte angewiesen, Zölle "kosten die deutsche Wirtschaft Millionen". Trumps Entscheidung führe zu erheblicher Verunsicherung.

Die EU kündigte bereits Vergeltungsmaßnahmen an. "Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie unsere Industrie durch unfaire Maßnahmen getroffen wird, die Tausende europäische Arbeitsplätze gefährden", sagte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. "Die EU wird entschieden und angemessen reagieren, um ihre Interessen zu verteidigen", sagte er.

EU-Experten arbeiten bereits seit Monaten an einer Liste mit US-Produkten, die mit zusätzlichen Zöllen belegt werden könnten. Zu ihnen könnten unter anderem Bourbon-Whiskey und Harley-Davidson-Motorräder, aber auch in den USA angebaute Kartoffeln oder Tomaten zählen. Neben Sanktionen dürfte die EU auch mit einer Klage bei der Welthandelsorganisation WTO reagieren.

Auch China kritisiert die geplanten Strafzölle und warnte die USA vor weiteren Schritten dieser Art. "Würden alle Länder dem Beispiel der Vereinigten Staaten folgen, hätte dies zweifellos schwerwiegende Auswirkungen auf den internationalen Handel", sagte eine Sprecherin des Pekinger Außenministeriums. Die USA sollten damit beginnen, "positive Beiträge" zum Welthandel zu leisten.

fdi/sev/dpa/Reuters

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DerÜblicheVerdächtige 02.03.2018
1. gewinnen
Das zeigt nur einmal mehr deutlich, dass er keine Ahnung hat, wovon er spricht.
nils1966 02.03.2018
2. Schlechte Argumentation der Europäer....!
Toll ! Trump begründet seinen Handelskrieg mit den Gewinnern der US-Importeure, auf der anderen Seite bekunden Deutsche Unternehmen öffentlich nun drohende Gewinneinbußen.... Mit DIESER Entgegenhaltung gibt man Trump natürlich recht und bestärkt ihn in seinem Glauben an den Erfolg seiner Mission !
kamikaze2000 02.03.2018
3. Wirkungsvoller Boykott
Wer fährt schon eine Harley oder trinkt Jack Daniels? Wirkungsvoller ist es doch Google, Microsoft und Facebook zu boykotieren. Urlaub in die USA hat sich für mich sowieso erledigt. Erst wenn Trump in eine Zwangsjacke kommt, kann ich die Amis wieder ernstnehmen.
Atheist_Crusader 02.03.2018
4.
"When a country (USA) is losing many billions of dollars on trade with virtually every country it does business with, trade wars are good, and easy to win. Example, when we are down $100 billion with a certain country and they get cute, don’t trade anymore-we win big. It’s easy!" Ja, genauso funktioniert das, Donnie. Frühere Präsidenten haben sich überreden zu lassen einen Vertrag zu unterzeichnen der besagt "die USA überweist uns jährlich ohne Gegenleistung 100 Millionen Dollar" und die Trottel haben das unterzeichnet. Und ja, da braucht es ein Genie wie Dich der das durchblickt und den Vertrag einfach kündigt. Schließlich funktioniert Handel genau so: der eine verliert, der Andere gewinnt. Dass das Ausweichen auf ausländische Anbieter den heimischen Betrieben erlaubt billiger oder mit höherer Qualität zu produzieren als es die inländischen Anbieter ermöglichen würden ist ebenfalls nur ein Gerücht. Du hast das beim Aufkündigen des Pariser Klimaabkommens schon richtig erkannt: die ganze Welt hat sich verschworen um die Wirtschaftsleistung der USA zu bremsen. Ich weiß nicht auf welche Schule der Mann gegangen ist, aber er sollte sein Geld zurückverlangen.
zorngibel 02.03.2018
5.
... Zölle auf Harleys? Wie wär´s mit Strafzöllen für McDonalds und amerikanische Fernsehserien? Da würde auch gleich die deutsche Volksgesundheit profitieren :-)
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