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30. Januar 2013, 15:47 Uhr

Schlussquartal 2012

Sparkurs beim Militär drückt US-Wirtschaft ins Minus

Dämpfer für den frisch vereidigten US-Präsidenten Barack Obama: Die Wirtschaft des Landes ist im vierten Quartal geschrumpft. Analysten sehen vor allem gesunkene Exporte und geringere Rüstungsausgaben als Hauptursache.

Washington - Die größte Volkswirtschaft der Welt hat im Schlussquartal 2012 einen herben Rückschlag hinnehmen müssen. Von Oktober bis Dezember war die Wirtschaftsleistung leicht rückläufig, wie aus Zahlen des US-Handelsministeriums vom Mittwoch hervorgeht. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte auf das gesamte Jahr hochgerechnet um 0,1 Prozent zum Vorquartal. Selbst wenn die Rate nicht hochgerechnet wird, wie etwa in Europa üblich, bewegt sich das Wirtschaftwachstum in der Nähe der Stagnation. Im dritten Quartal war die US-Wirtschaft noch um 3,1 Prozent gewachsen - so stark wie seit Ende 2011 nicht mehr.

Für US-Präsident Barack Obama sind die neuen Zahlen ein Dämpfer. Seine zweite Amtszeit hat gerade erst begonnen.

An den Finanzmärkten sorgten die Zahlen entsprechend für Enttäuschung. Der Dow-Jones-Index an der US-Börse rutschte nach Handelsbeginn direkt ins Minus. Auch der deutsche Leitindex Dax gab leicht nach. Bankvolkswirte waren im Vorfeld zwar von einem schwächeren Wachstum ausgegangen. Die Markterwartungen von 1,1 Prozent wurden jedoch klar verfehlt. Allerdings sind die Zahlen des Ministeriums vorläufig und könnten noch angepasst werden, wenn auch nicht stark.

Lage auf dem Arbeitsmarkt bleibt noch länger angespannt

Ersten Analysen zufolge geht die überraschende Wachstumsschwäche vor allem auf geringere Exporte, einen schwächeren Lageraufbau der Unternehmen und verminderte öffentliche Ausgaben zurück. Zugleich sanken die Importe. Auch die Kaufzurückhaltung der Verbraucher trug dazu bei, dass das Minus beim Wachstum nicht stärker ausfiel.

Nach Einschätzung der Liechtensteiner VP Bank geht der Wachstumsrückgang vor allem auf einen deutlichen Rückgang der Rüstungsausgaben zurück. Die Lage am Arbeitsmarkt werde noch einige Zeit angespannt bleiben, hieß es in einer Analyse. Zudem warte man eine allmähliche Normalisierung der amerikanischen Geldpolitik weiter ab.

Der überraschende Wachstumseinbruch wird die Erholung der US-Wirtschaft laut Commerzbank aber nicht zurückwerfen. Verschiedene Sondereffekte, die sich nun umkehrten, hätten das Wachstum im dritten Quartal getrieben, schreiben die Analysten. Tatsächlich enthielten die jüngsten Daten sogar "einige erfreuliche Details". So haben etwa die Unternehmen wieder stärker investiert und der Wohnungsbau erholt sich kräftig. Daher sei weiter damit zu rechnen, dass sich die Konjunktur 2013 moderat erholt.

yes/dpa-AFX/Reuters

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