Schlussquartal 2012: Sparkurs beim Militär drückt US-Wirtschaft ins Minus

Dämpfer für den frisch vereidigten US-Präsidenten Barack Obama: Die Wirtschaft des Landes ist im vierten Quartal geschrumpft. Analysten sehen vor allem gesunkene Exporte und geringere Rüstungsausgaben als Hauptursache.

Hausbau im US-Staat Ohio: "Einige erfreuliche Details" Zur Großansicht
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Hausbau im US-Staat Ohio: "Einige erfreuliche Details"

Washington - Die größte Volkswirtschaft der Welt hat im Schlussquartal 2012 einen herben Rückschlag hinnehmen müssen. Von Oktober bis Dezember war die Wirtschaftsleistung leicht rückläufig, wie aus Zahlen des US-Handelsministeriums vom Mittwoch hervorgeht. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte auf das gesamte Jahr hochgerechnet um 0,1 Prozent zum Vorquartal. Selbst wenn die Rate nicht hochgerechnet wird, wie etwa in Europa üblich, bewegt sich das Wirtschaftwachstum in der Nähe der Stagnation. Im dritten Quartal war die US-Wirtschaft noch um 3,1 Prozent gewachsen - so stark wie seit Ende 2011 nicht mehr.

Für US-Präsident Barack Obama sind die neuen Zahlen ein Dämpfer. Seine zweite Amtszeit hat gerade erst begonnen.

An den Finanzmärkten sorgten die Zahlen entsprechend für Enttäuschung. Der Dow-Jones-Index an der US-Börse rutschte nach Handelsbeginn direkt ins Minus. Auch der deutsche Leitindex Dax gab leicht nach. Bankvolkswirte waren im Vorfeld zwar von einem schwächeren Wachstum ausgegangen. Die Markterwartungen von 1,1 Prozent wurden jedoch klar verfehlt. Allerdings sind die Zahlen des Ministeriums vorläufig und könnten noch angepasst werden, wenn auch nicht stark.

Lage auf dem Arbeitsmarkt bleibt noch länger angespannt

Ersten Analysen zufolge geht die überraschende Wachstumsschwäche vor allem auf geringere Exporte, einen schwächeren Lageraufbau der Unternehmen und verminderte öffentliche Ausgaben zurück. Zugleich sanken die Importe. Auch die Kaufzurückhaltung der Verbraucher trug dazu bei, dass das Minus beim Wachstum nicht stärker ausfiel.

Nach Einschätzung der Liechtensteiner VP Bank geht der Wachstumsrückgang vor allem auf einen deutlichen Rückgang der Rüstungsausgaben zurück. Die Lage am Arbeitsmarkt werde noch einige Zeit angespannt bleiben, hieß es in einer Analyse. Zudem warte man eine allmähliche Normalisierung der amerikanischen Geldpolitik weiter ab.

Der überraschende Wachstumseinbruch wird die Erholung der US-Wirtschaft laut Commerzbank aber nicht zurückwerfen. Verschiedene Sondereffekte, die sich nun umkehrten, hätten das Wachstum im dritten Quartal getrieben, schreiben die Analysten. Tatsächlich enthielten die jüngsten Daten sogar "einige erfreuliche Details". So haben etwa die Unternehmen wieder stärker investiert und der Wohnungsbau erholt sich kräftig. Daher sei weiter damit zu rechnen, dass sich die Konjunktur 2013 moderat erholt.

yes/dpa-AFX/Reuters

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1. Sehr wahr
Progressor 30.01.2013
Obama erhält einen empfindlichen Dämpfer. Er hätte viel eher dem Vorschlag der Republikaner zustimmen sollen, die Steuern für Reiche nicht zu erhöhen. So gehts halt nicht!
2. Es waren wohl primaer die Analysten
gandhiforever 30.01.2013
Zitat von sysopDämpfer für den frisch gewählten US-Präsidenten Barack Obama: Die Wirtschaft des Landes ist im vierten Quartal geschrumpft. Analysten sehen vor allem gesunkene Exporte und Rüstungsausgaben als Hauptursache. US-Wirtschaft schrumpft überraschend im vierten Quartal - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/us-wirtschaft-schrumpft-ueberraschend-im-vierten-quartal-a-880563.html)
der Vaduzer Bank, die hier zitiert werden. Die Exporte moegen ja geschrumpft sein, doch bei den Militaerausgaben liegt der Fall ganz anders. Die Republikaner beklagen doch die Geldverschwendung, wollen sie abstellen. Und der groesste Haushaltsposten liegt eben bei den Kriegsausgaben vor. Im Irak wird heute weniger Gerld verbraten, auch in Afghanistan . Nirgends, auch nicht bei VPB, wird analysiert, dass der Konsum (auch nicht der Superreichen) zurueckgegangen ist, der Inlandkonsum gesunken ist. Das auslaufen der Steuererleichterungen fuer Reiche hier als Grund fuer den Rueckgang anzufuehren, zeugt also nicht nur von Unwissenheit, es riecht nach Propaganda, nach Propaganda, die auch durch staendiges Wiederholen nicht besser wird.
3. ?
anbue 30.01.2013
Zitat von sysopDämpfer für den frisch gewählten US-Präsidenten Barack Obama: Die Wirtschaft des Landes ist im vierten Quartal geschrumpft. Analysten sehen vor allem gesunkene Exporte und Rüstungsausgaben als Hauptursache. US-Wirtschaft schrumpft überraschend im vierten Quartal - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/us-wirtschaft-schrumpft-ueberraschend-im-vierten-quartal-a-880563.html)
Geht es "den" Amerikanern jetzt wirklich schlechter oder ist es nur ein statitischer Effekt ? So oder so, wie krank ist ein System, dass nicht als positiv bewerten kann, wenn Aufwendungen für ein (vielleicht) notwendiges Übel wie Rüstungsausgaben, eingespart werden können.
4.
gankuhr 30.01.2013
Zitat von sysopDämpfer für den frisch gewählten US-Präsidenten Barack Obama: Die Wirtschaft des Landes ist im vierten Quartal geschrumpft. Analysten sehen vor allem gesunkene Exporte und Rüstungsausgaben als Hauptursache. US-Wirtschaft schrumpft überraschend im vierten Quartal - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/us-wirtschaft-schrumpft-ueberraschend-im-vierten-quartal-a-880563.html)
Irgendwie sieht man an dem Beispiel, dass es andere Messgrößen für Erfolg/Wohlstand geben muss als Wirtschaftswachstum. Denn in Kriegen werden in erster Linie Güter Hergestellt, die anschließend wieder in die Luft gesprengt werden. Sieht man von dem eventuellen strategischen Nutzen ab, müsste das dem Land eigentlich trotz "erhöhter Wirtschaftsleistung" und ev. mehr Arbeitsplätzen schaden, da sie ihr Geld quasi verbrennen. Ums noch deutlicher zu machen: stellen wir uns vor, der Staat zieht eine riesige Betonfabrik hoch und beschäftigt die Hälfte aller US-Bürger, um einen dicken Betonblock zu gießen, der anschließend im Meer versenkt wird. Plötzlich wurden also ca. 150.000.000 Arbeitsplätze geschaffen, die Wirtschaft ist um 50% gewachsen. Geht es dem Land jetzt besser? Wahrscheinlich doch eher nicht. Da keine Wertschöpfung betrieben wurde. Es ist zwar eine Menge Geld in die Hände der Arbeiter geflossen - aber da es aus ihren Steuergeldern finanziert wurde (Staat ist - genau wie bei Rüstungsgütern - der Auftraggeber und damit Bezahler), haben sie nicht mehr Geld als vorher. Ähnlich müsste es sich meiner Meinung nach bei Militärausgaben abspielen. Klar, Sicherheit ist wichtig und was wert - aber der Wohlstand erhöht sich nicht zwingend, wenn ich den Etat erhöhe.
5. Vorschläge von Republikanern
Guderian 30.01.2013
Zitat von ProgressorObama erhält einen empfindlichen Dämpfer. Er hätte viel eher dem Vorschlag der Republikaner zustimmen sollen, die Steuern für Reiche nicht zu erhöhen.
Hat das Wort 'Wahlniederlage' irgend eine Bedeutung für sie?
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Grafikvergleich: Die US-Wirtschaft unter Bush und Obama

Fläche: 9.632.000 km²

Bevölkerung: 310,384 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

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Wie Rating-Agenturen arbeiten
Geschichte
Die Geschichte der Rating-Agenturen reicht ins 19. Jahrhundert zurück, als das US-Eisenbahnnetz sich über den Kontinent ausdehnte. Das erforderte Kredite, die die Banken nicht alleine schultern konnten. Industrieunternehmen begannen, Anleihen auszugeben, um an Geld zu kommen. Heute dominieren drei Agenturen den Markt: Standard & Poor's, Moody's und Fitch.
Standard & Poor's
Standard & Poor's (S&P): Henry Varnum Poor veröffentlichte 1868 das "Manual of the Railroads of the United States", in dem die Anleger Informationen über die Eisenbahngesellschaften erhielten. 1941 verschmolzen die Poor's Publishing Company und die Standard Statistics Company zur Rating-Agentur Standard & Poor's. Das Rating reicht von AAA ("Triple A", exzellente Bonität, praktisch kein Ausfallsrisiko) über BBB (befriedigend) bis D (in Zahlungsverzug, keine Bonität).
Moody's
Moody's: John Moody gründete 1909 die Agentur Moody's Investors Service, die seit 1975 von der US-Börsenaufsicht SEC anerkannt ist. Die Bewertungen reichen von Aaa über Baa1 bis C.
Fitch
Fitch Ratings: 1924 entstand in New York aus der Fitch Publishing Company von John Fitch das Unternehmen Fitch Ratings. Alle drei Unternehmen haben ihren Sitz in New York, Fitch Ratings zudem in London; sie betreiben Büros in aller Welt. Das Rating reicht von AAA bis D.
Wie die Agenturen arbeiten
Rating-Agenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Unternehmen, Banken und Staaten und vergeben dazu verschiedene Bonitätsnoten. Dabei fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen oder eine Beurteilung des Managements.
Die Noten der Rating-Agenturen
Das bedeuten die Ratings
Moody's S&P Fitch Bewertung
Aaa AAA AAA Beste Qualität
Aa1 AA+ AA+ Sichere Anlage
Aa2 AA AA
Aa3 AA- AA-
A1 A+ A+ Prinzipiell sichere Anlage
A2 A A
A3 A- A-
Baa1 BBB+ BBB+ Durchschnittlich gute Anlage
Baa2 BBB BBB
Baa3 BBB- BBB-
Ba1 BB+ BB+ Spekulative Anlage
Ba2 BB BB
Ba3 BB- BB-
B1 B+ B+ Hochspekulative Anlage
B2 B B
B3 B- B-
Caa1 CCC+ CCC+ Substantielle Risiken / Extrem spekulativ
Caa2 CCC CCC
Caa3 CCC- CCC-
Ca CC CC
Ca C C
C D D Zahlungsausfall
Bedeutung der Noten
Je schlechter sie die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, umso teurer und schwieriger wird es für diesen, sich Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, schlimmstenfalls ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern zum Beispiel auch institutionelle Investoren.

Hochspekulative Anleihen (Moody's: Ba1, S&P: BB+, Fitch: BB+) gelten als "Ramsch". Wird eine Anleihe als spekulativ eingestuft, müssen beispielsweise Zentralbanken sie verkaufen.
Kritik
Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen (Ratings) Mathematik und welcher Meinung ist. In der Finanzkrise wurden Rating-Agenturen an den Pranger gestellt: Weil sie Ramschpapiere als sichere Geldanlage anpriesen, wurde ihnen eine Mitschuld an der Krise gegeben.